„Arbeit lokaler Helferkreise zunichte gemacht“

Bündnis 90/Die Grünen entsetzt über Schließung dezentraler Unterkünfte

Das Landratsamt Traunstein verlängert auf Veranlassung der Regierung von Oberbayern Mietverträge über dezentrale Asylbewerberunterkünfte nicht. Diese Nachricht schockierte letzte Woche viele der engagierten Flüchtlingshelfer in unserer Region. 

Viele Mitglieder der Grünen sind in Helferkreisen engagiert. Deshalb lud der Kreisverband Traunstein von Bündnis 90/Die Grünen spontan zu einer gut besuchten Sondersitzung in das Traunsteiner Hofbräu-Stüberl ein, zu der Helfer aus vielen Gemeinden im Landkreis kamen. Um Geld zu sparen, möchte die Regierung von Oberbayern dezentrale, kleine Unterkünfte schließen und die Flüchtlinge anderswo in großen Gemeinschaftsunterkünften unterbringen.

„Da wird doch all die engagierte Arbeit der lokalen Helferkreise zunichte gemacht“, sagte Kreissprecherin Helga Mandl hierzu. „Die Ehrenamtlichen werden dadurch doch vor den Kopf gestoßen“, ergänzte Kreisrat Sepp Hohlweger.

Kreisrätin Marianne Penn, die sich in Trostberg äußerst engagiert um die Geflüchteten kümmert und mit anderen sogar die „Brückenschule“ gegründet hat (wir berichteten), ist entsetzt: „Viele Flüchtlinge haben bereits eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle, machen Praktika oder gehen zur Schule – nun sollen sie aus ihrem sozialen Umfeld herausgerissen werden.“ „Die Flüchtlinge können ihre Ausbildung ja wohl kaum weiter machen, wenn sie an einen anderen Ort verlegt werden. Wer gibt ihnen überhaupt noch einen Ausbildungsplatz, wenn die Gefahr besteht, dass sie später wegziehen müssen?“, fragte Marlis Neuhierl-Huber aus Siegsdorf.

„Herbergseltern“, wie Kreisrat Sepp Hohlweger sie nennt, „haben investiert und Gebäude für Flüchtlinge hergerichtet – macht das in Zukunft noch irgendjemand, wenn die Regierung die Mietverträge nach kurzer Zeit wieder kündigt?“, fragte er. Aus anderen Gemeinden wurde berichtet, dass sich Asylbewerber bereits in Fußballvereinen engagieren oder anderweitig am Gemeindeleben mitmachen, ja oft schon haben sich Freundschaften zwischen Einheimischen und Flüchtlingen entwickelt.

„Wir Grüne setzen uns nach wie vor für dezentrale Unterkünfte ein, weil wir meinen, dass so die Integration wesentlich besser gelingen kann als bei der Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften“, sagte Helga Mandl.

Die Grünen im Landkreis Traunstein fordern, dass die Regierung die Kündigung der Mietverträge wieder rückgängig macht, sodass die Geflüchteten sich in den Orten weiter integrieren können und nicht aus ihrem neuen Umfeld wieder herausgerissen werden. Wolfgang Wörner 

(2. Mai 2016)