Die Landtagsabgeordnete Katharina Schulze diskutierte in Traunstein über Fremdenfeindlichkeit einerseits und Hilfsbereitschaft gegenüber Asylbewerbern andererseits. Unser Foto zeigt von links die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl aus Sondermoning, den Kreisvorsitzenden Sepp Hohlweger, die Landtagsabgeordnete Katharina Schulze und die Kreisvorsitzende Helga Mandl.

Bayern – ein Land voller Fremdenhasser?

Diskussion über Strategien gegen Rechtsextremismus

29 Jahre alt, aktiv und erfolgreich beim Bürgerbegehren gegen die 3. Startbahn am Münchner Flughafen und beim NOlympia-Bündnis gegen die Winterspiele in Bayern: das ist Katharina Schulze. Seit eineinhalb Jahren ist sie Abgeordnete im Bayerischen Landtag für Bündnis 90/Die Grünen und hier die Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus.
Der Kreisverband Traunstein der Grünen hatte sie in den Traunsteiner „Sailer Keller“ eingeladen, um die „Mitte-Studie“ über Rechtsextremismus in Deutschland vorzustellen, die kürzlich allerhand Widerhall in der Presse fand.

Die Kreisvorsitzende Helga Mandl eröffnete die Runde mit einem Zitat aus der „Münchner Abendzeitung“: „ Bayern, ein Land voller Fremdenhasser?“ – und in der Tat: Laut dieser Studie der Uni Leipzig ist Ausländerfeindlichkeit in Bayern mit 33% in der Bevölkerung sogar mehr verbreitet als in den neuen Bundesländern (30%). Der Wert für Gesamtdeutschland liegt hingegen bei immer noch zu hohen 20%. „Ausländerfeindlichkeit äußert sich besonders in der Einstellung zu Asylbewerbern“, sagte Katharina Schulze in ihrem Vortrag. 

Wolfgang Kalwach meldete sich sofort und meinte: „Deutschland hat sich doch seit dem Krieg bemüht, den Nationalsozialismus zu besiegen – da sollte doch Bayern eher ein Land voll von Fremdenfreundlichkeit sein.“ Hans Glück sagte: „Ein latentes fremdenfeindliches Denken ist sicher bei vielen vorhanden, man soll bitte auf der anderen Seite die Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber den Asylbewerbern in unseren Gemeinden zur Kenntnis nehmen.“ Carlo Boxhammer, Stadtrat in Trostberg beklagte: „Die Medien bringen doch vorzugsweise negative Geschichten. Da entsteht zu leicht ein falscher Eindruck.“ 

Marlis Neuhierl-Huber, Gemeinderätin in Siegsdorf fügt hinzu: „Die Zeitungen und das Fernsehen sollen mehr aufklären, warum Flüchtlinge ihre Heimat verlassen. Das tut doch niemand freiwillig!“ Der Historiker Friedbert Mühldorfer ergänzte: „Wenn ein Politiker oder ein anderer Prominenter populistische Sprüche gegen Asylbewerber loslässt, dann sollte ein Sturm der Entrüstung losgehen.“

Fazit der Veranstaltung war, dass einerseits ausländerfeindliche Einstellungen leider noch bei vielen Menschen in Bayern vorhanden sind, dass es andererseits aber auch wunderbare Hilfsbereitschaft gibt. Katharina Schulze forderte deshalb, „dass politisch Verantwortliche ihre Aussagen zum Thema sprachlich überdenken sollten, um die Situation nicht weiter anzuheizen.“ Außerdem sollte die Staatsregierung Initiativen gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit fördern, und schließlich wünschte sie sich etwas ganz einfaches: „Wenn Ehrenamtliche schon ihre Zeit z.B. für privat organisierte Deutschkurse aufwenden, dann sollten sie nicht auch von ihrem eigenen Geld die Unterrichtsmittel bezahlen müssen.“ Wolfgang Wörner

(3. Juni 2015)