Begeistert von Trostberger Integrationsprojekt Brückenschule: MdL Christl Kamm (2. von rechts) 

„So etwas habe ich in ganz Bayern noch nicht gesehen“

MdL Christl Kamm begeistert von Trostberger Integrationsprojekt

Die öffentliche Kreisversammlung von Bündnis 90/Die Grünen am vergangenen Freitag im Traunsteiner Sailer Keller hatte nur ein Thema: Wie Integration von Flüchtlingen gelingen kann. Und da gibt es ein faszinierendes Beispiel aus unserem Landkreis: Die Trostberger „Brückenschule“. Der Kreisvorstand hatte die drei Organisatorinnen der Brückenschule zu dieser Veranstaltung eingeladen: Marianne Penn, Brigitte Bartl und Simone Ishaq hatten im letzten Herbst die Idee, eine Schule für Asylbewerber zu gründen.

Sie berichteten in einem lebendigen und von Bildern untermalten Vortrag: „Wir entdeckten einen ungenutzten Schulcontainer, den uns das Landratsamt zur Verfügung stellte. Wir richteten ihn in den Herbstferien her und sprachen beim Trostberger Nachtflohmarkt Leute an, ob sie ehrenamtlich für unsere Brückenschule tätig werden wollen.“ 

Kreisrätin Marianne Penn sagte: „Heute unterrichten sage und schreibe 50 ehrenamtliche Lehrkräfte Flüchtlinge in Trostberg, unter anderem in Deutsch, Mathematik, Ethik, Heimatkunde und Informatik. 

Ebenfalls an diesem Abend eingeladen war Christl Kamm, MdL, die Sprecherin für Europapolitik, Asylpolitik und Integration der Grünen im Bayerischen Landtag. Sie war voll begeistert über das Trostberger Projekt und sagte: „So etwas habe ich in ganz Bayern noch nicht gesehen“.  

Simone Ishaq erzählte, dass es relativ einfach ist, Ehrenamtliche zu finden, die Deutschkurse geben, aber wer Integrationskurse geben will, muss eine Zusatzqualifikation nachweisen und braucht eine Zulassung.
Carlo Boxhammer sagte: „Anerkannte Asylbewerber finden schlecht eine Wohnung, weil Vermietern für noch nicht Anerkannte höhere Mieten pro Quadratmeter bezahlt werden.

Viele Wortmeldungen handelten davon, dass in der öffentlichen Diskussion Ängste geschürt werden, zum Beispiel, dass aufgrund der Flüchtlinge unser Gesundheitssystem zusammenbricht oder dass der Staat nicht mehr genug Geld haben wird, um unsere Renten zu bezahlen.

Marlis Neuhierl-Huber sagte dazu, dass die Aufwendungen für die Flüchtlinge doch kein hinausgeschmissenes Geld seien und brachte als Beispiel: „Wenn Junglehrer eingestellt werden, sind das Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.“ Viele Flüchtlinge haben eine Berufsausbildung und würden gerne sofort zu arbeiten beginnen. Dazu wusste Andreas Herden: „Die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist immer noch eine große Hürde.“

Christl Kamm wusste weiterhin, dass letztes Jahr netto nicht 1 Million oder mehr Flüchtlinge zu uns kamen, sondern 780.000: „Viele Flüchtlinge sind doppelt erfasst worden und viele andere sind weitergezogen in andere europäische Länder, wo sie Verwandte haben“. Ihr war die die Begeisterung über das Trostberger Projekt deutlich anzusehen und sie wünschte den Organisatorinnen viel Erfolg auf dem weiteren Weg. Wolfgang Wörner

(04. März 2016)