Schulleiter Ulrich Genghammer führte Beate Walter-Rosenheimer, Hans Baltin vom Traunreuter Ortsverein der Grünen, Helga Mandl, Sprecherin des Kreisvorstandes der Grünen, Gretl Gineiger und Helga Zembsch, Traunreuter Stadträte, unter anderem in die Schreinerei, wo diese beiden Mädchen derzeit eine Ausbildung absolvieren. Foto: Pia Mix

Über sonderpädagogische Förderung informiert

Grünen Abgeordnete Beate Walter-Rosenheimer besucht Jugendsiedlung

Beate Walter-Rosenheimer, Mitglied des Deutschen Bundestages Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, stattete am Mittwoch dem Landkreis Traunstein einen Besuch ab. Unter anderem informierte sich die Abgeordnete in der Berufsschule für sonderpädagogische Förderung der Jugendsiedlung in Traunreut. 

Schulleiter Ulrich Genghammer führte den Gast durch die Unterrichtsräume und stellte die Angebote der Jugendsiedlung vor. Besonders ging er dabei auf die beiden Themen Fachkräftemangel und Inklusion ein. Der herrschende Fachkräftemangel im Handwerk sei eine Chance für die Schüler seiner Berufsschule, die es mit ihren in der Regel schwachen Schulleistungen auf dem Ausbildungsmarkt schwer haben.

In der jetzigen Situation bekämen die Jugendlichen leichter Lehrstellen, da die Handwerksbetriebe mangels Angebot auch auf schwächere Bewerber zurückgreifen. Und gerade diese hätten zwar keine so guten Noten, dafür aber oft praktische Fähigkeiten, arbeiteten gern und seien daher beliebte Arbeitskräfte. Mit Hilfe der Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung schafften auch diese Auszubildenden die Gesellenprüfung. „Und letztendlich wird in zehn Jahren keiner mehr danach fragen, wie sie den Gesellenbrief bekommen haben“, meint Ulrich Genghammer. In Bezug auf Inklusion betonte er: „Das Sonderschulsystem hat schon seine Berechtigung.“ Nicht für jede und jeden sei es von Vorteil, eine Regelschule beziehungsweise Regelberufsschule ohne die spezielle sonderpädagogische Förderung zu besuchen. Nicht selten müssten Schüler mit Beeinträchtigung in Regelklassen eine Niederlage nach der anderen einstecken. Wirklich wahrhaftige Inklusion sei ein sehr langer Prozess und koste viel Geld, wenn sie richtig funktionieren solle, so die Auffassung des Schulleiters.

Seine Schule versuche die Inklusion der Schüler ins normale Berufsleben über den Umweg der sonderpädagogischen Förderung. Wie Ulrich Genghammer weiter ausführte, sind heutzutage nicht die Schüler schlechter als früher. Aber die Anforderungen in den Berufen sind derart gestiegen, dass schwache Jugendliche einfach nicht mehr mitkämen. Einfache Tätigkeiten gebe es auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr. Die jungen Leute, die sich beim Lernen schwer tun, stünden dann oft dazwischen, bräuchten Nischenberufe mit einfacheren Anforderungen. In der Jugendsiedlung Traunreut gibt es daher auch die Möglichkeit einer Werkerausbildung. Das bedeute abgespeckte Lerninhalte im theoretischen Teil einer Berufsausbildung.

„Diese Werkerausbildung gibt es inzwischen in fast allen Bereichen. Sie ermöglicht denen eine Berufsausbildung, die eine Vollausbildung nicht schaffen würden“, erklärte Ulrich Genghammer. Später könnte dann immer noch aufgestockt werden auf die Vollausbildung. Wichtig für seine Schülerinnen und Schüler seien die Persönlichkeitsentwicklung und das Selbstvertrauen, die Erkenntnis „ich kann ja doch was“. Beate Walter-Rosenheimer stimmte dem Schulleiter in vielem zu und beklagte, dass in Deutschland zu wenig Gewicht auf die Berufsausbildung gelegt werde: „Es geht immer nur um die akademischen Berufe, um Gymnasium und Studium.“ Sie freue sich jedes Mal wieder über Jugendliche, die eine berufliche Zukunft haben und nach vielen Rückschlägen auch mal Erfolge aufweisen können. Die Abgeordnete zeigte sich beeindruckt vom vielfältigen Angebot an der Berufsschule der Jugendsiedlung.

Beate Walter-Rosenheimer ist seit Anfang des Jahres 2012 als grüne Bundestagsabgeordnete für den oberbayerischen Wahlkreis Dachau/Fürstenfeldbruck in Berlin, ist Vorsitzende der Kinderkommission und Sprecherin im Bundestag für Jugend und Ausbildung. Pia Mix

(18. März 2015)