Dr. Astrid Rössler (rechts) und die Kreisvorsitzenden Helga Mandl und Sepp Hohlweger. Foto: Wolfgang Wörner

„Gewerbegebiete – ist Salzburg schlauer?“

Öffentlicher Diskussionsabend: Innenstadtbelebung statt Einkaufstempel

Ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese und Leerstände in der Ortsmitte, so sieht es in vielen Gemeinden in Österreich aus. Im Land Salzburg ist dieser Trend nun gestoppt – maßgeblich daran beteiligt war die stellvertretende Landeshauptfrau (stv. Ministerpräsidentin) des Landes Salzburg, Dr. Astrid Rössler von den österreichischen Grünen. Auch im Landkreis Traunstein scheint dieser Trend unaufhaltbar. Grund genug für die Kreisvorsitzende der Traunsteiner Grünen, Helga Mandl, Frau Rössler zu einem öffentlichen Diskussionsabend mit dem Titel „Gewerbegebiete – ist Salzburg schlauer?“ in den Saal des Traunsteiner Hofbräu-Stüberls einzuladen.

Dr. Astrid Rössler berichtete, dass dieser Entscheidung eine sehr ausführliche Kaufkraft-Studie vorausgegangen war, bei der auch die Bewohner der bayerischen Nachbarlandkreise befragt wurden. Weiterhin sagte Frau Rössler: „ Wir sind ein Tourismusland. Die Besucher wünschen sich intakte Ortskerne, in denen man flanieren, einkaufen und einkehren kann – und keine Einkaufstempel.“ Noch schlimmer, wenn Investoren unrentabel gewordene Gebäude leer stehen lassen: „Beim Airport Center steht seit Jahren ein Baumarkt leer“, sagte sie.

Helga Mandl meinte hierzu: „Wäre es nicht ein interessanter Gedanke, wenn jeder Investor verpflichtet würde, rückzubauen und alles der Natur zurückzugeben, falls sein Gebäude nicht mehr genutzt wird.

Die Besucher der Veranstaltung erkannten schnell, dass es bei uns im Landkreis nicht viel anders aussieht als im Land Salzburg, man denke nur an die vielen leeren Geschäfte im Zentrum von Traunstein oder Trostberg. Der Traunsteiner Stadtrat Wilfried Schott sagte dazu: „In Traunstein haben wir in der Innenstadt viele Leerstände, und am Stadtrand entstehen neue Gewerbegebiete – das ist doch kontraproduktiv“.

Willi Geistanger, Gemeinderat in Siegsdorf, wünscht sich von den Kommunen, dass es bei Gewerbebauten mehrere Stockwerke gibt: „Autos in den Keller und darüber zwei Stockwerke, dann wird nicht gar so viel Landschaft zubetoniert.“

Fritz Petermüller entkräftete das oft genannte Argument der Gewerbesteuereinnahmen: „Wenn eine Kette bei uns einen Laden aufmacht, dann zahlen sie Steuern am Hauptsitz, und der ist vielleicht in Buxtehude“, sagt er.

Helga Mandl fügte dem hinzu: „Selbst wenn ein einheimischer Betrieb einen großen Neubau macht, fließen für lange Zeit wegen der Abschreibung kaum Steuern“.

Zum Abschluss berichtete Frau Rössler noch von positiven Beispielen. „Auf seiner Homepage beschreibt das Stadtmarketing Saalfelden einen detaillierten Masterplan, wie Saalfelden seinen Ortskern wiederbeleben will.“

Und schließlich erinnerte sie an eine ganz einfache Tatsache: „Jeder Einkauf ist eine politische Entscheidung, jeder von uns hat es in der Hand, wie seine Stadt oder sein Dorf aussieht.“ Wolfgang Wörner

(29. Juni 2015)