„Mehr Jugendsozialarbeit wünschenswert“

Kreistagsfraktion zu Gast in der Wilhelm-Löhe-Schule in Traunreut

Um zu erfahren, wo der Schuh drückt, und um Anregungen und Impulse zu erhalten, erkundigt sich die Traunsteiner Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen regelmäßig direkt vor Ort bei Einrichtungen, Organisationen und Gemeinden im Landkreis. Fraktionsmitglieder haben sich mit Christine Berger-Rinner, der Rektorin der Wilhelm-Löhe-Schule in Traunreut getroffen, um darüber zu sprechen, welche Bedeutung der Einrichtung beim Thema Inklusion zukommt. Neben der Schule gehören zum Wilhelm-Löhe-Förderzentrum ein Heim und eine heilpädagogische Einrichtung. Die Schule bedient zwei Förderschwerpunkte, erklärte Berger-Rinner: Lernen sowie Geistige Entwicklung. 

Wollen ihre Hausaufgaben machen, um die Wilhelm-Löhe-Schule zu unterstützen: die Grünen-Kreisräte Sepp Hohlweger, Willi Geistanger und Alex Reinmiedl (stehend, von links) sowie Marianne Penn, Inge Kämpfl und Burgi Mörtl-Körner (sitzend, von links). Rektorin Christine Berger-Rinner (sitzend, rechts) informierte sie über die Bedeutung der Schule für den Inklusions-Gedanken. Foto: fam

Das Wilhelm-Löhe-Förderzentrum ist eine private Schule für Kinder und Jugendliche mit einem Förderbedarf im Lern- und Leistungsbereich oder in der Sprache, in der Motorik und im Verhaltens- und Sozialbereich.Träger der Einrichtung ist das Diakonische Werk Traunstein.  

Da die Schule mehr Anfragen als Plätze hat, lässt sich der Wunsch, den Berger-Rinner gegenüber der Fraktion äußerte, leicht erahnen. Bis 2018 soll für alle Schüler ein Ganztagsangebot zur Verfügung stehen. Darauf reagiert das Wilhelm-Löhe-Förderzentrum. Ein Erweiterungsbau ist laut der Rektorin erforderlich. Derzeit besuchen etwa 370 Kinder die Schule. Berger-Rinner: „Wir sind nach wie vor voll belegt.“ Die Schule beschäftigt etwa 70 Lehrer, dazu kommt eine Reihe von Heilpädagogen und Kinderpflegern.

Ein weiterer Wunsch der Rektorin ist für Kinder im Grundschulalter mit besonders schweren Störungen im Bereich der sozial-emotionalen Entwicklung von großer Bedeutung. In diesem Bereich sei Jugendsozialarbeit wünschenswert, erklärte Berger-Rinner.
Was sich bewährt, sei die Zusammenarbeit mit den Profilschulen Grund- und Mittelschule Trostberg. Die Grundschule darf sich seit 2011 „Schule mit dem Profil Inklusion“ nennen, die Hauptschule seit 2014. An beiden Schulen werden Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam von einem Lehrertandem unterrichtet – entweder aus einem Lehrertandem aus Grund- und Förderschule oder aus Mittel- und Förderschule.

Auf die Frage nach der Bedeutung der Wilhelm-Löhe-Schule in puncto Inklusion nannte Berger-Rinner als Beispiel den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) des Förderzentrums, den sie als „großen Baustein in der Inklusion“ bezeichnete. Der MSD kommt zum Einsatz, um in Grund- und Hauptschulen Kinder und Jugendliche zu fördern, die durch Sinnesbeeinträchtigungen, Körperbehinderungen, Sprachbehinderungen sowie Schwierigkeiten im Lern- und Sozialverhalten auffallen. Der Dienst unterstützt diese Schüler, damit sie die allgemeinen Schulen besuchen können. 

Zu den Aufgaben des Diensts zählt, den Schüler im Unterricht in der Regelschule zu beobachten und einen Förderplan zu erstellen. Dabei setzt der Dienst auf die Zusammenarbeit mit Kinder- und Fachärzten, Therapeuten, Beratungsstellen, Jugendamt und Sozialpädagogischem Zentrum. Der MSD fördert Kinder und Jugendliche, um ihnen einen Verbleib an der Regelschule zu ermöglichen, kann aber auch einen Wechsel an eine Förderschule empfehlen.

Seit acht Jahren gibt es zudem eine Stütz- und Förderklasse für Schüler mit einem sehr hohen sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich der sozialen und emotionalen Entwicklung. Dabei handelt es sich um Kinder, die kein Regelschulsystem aufnehmen kann und die aus psychischen, traumatischen oder anderen Gründen aus allen Schulen hinaus gefallen sind, erklärte Berger-Rinner. In der Sonderpädagogischen Stütz- und Förderklasse bringen die Lehrer die Kinder in eine Form, in der sie sie beschulen können, erklärte Grünen-Kreisrätin Marianne Penn, die selbst an der Wilhelm-Löhe-Schule unterrichtet.

Schule und Jugendhilfe arbeiten hier eng zusammen und bringen Personal in die Stütz- und Förderklasse ein. Sozialpädagogische und sonderpädagogische Fachkräfte können somit vernetzt daran arbeiten, die Schüler zu reintegrieren – entweder in die Regelschule oder in die Förderschule. Dabei achten die Lehrer darauf, dass die Schüler bereits nach einem Jahr wieder den Regelunterricht aufnehmen können, erklärte Berger-Rinner. Michael Falkinger

(24. August 2015)