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„Beim Chiemgauer fängt die Freundschaft an“

Um den Chiemgauer ging es bei einem Termin der Traunsteiner Grünen mit Dieter Janecek, dem Landesvorsitzenden der bayerischen Grünen. Unser Foto zeigt Alexander Jäger von „Frau Wolles Naturhaus“ (von links) zusammen mit Helga Mandl, Beate Walter-Rosenheimer, der Sprecherin des grünen Landesarbeitskreises Wirtschaft und Finanzen, Dieter Janecek und Sabine Ponath. Foto: Eder
Die Grünen diskutierten über die Regionalwährung - „Große Leidenschaft“ der Initiatoren gelobt
Traunstein. Dieter Janecek war beeindruckt. „Da merkt man die große Leidenschaft dahinter“, war der Kommentar des Landesvorsitzenden der bayerischen Grünen bei einem Chiemgauer-Termin in Traunstein. Christophe Levannier vom Chiemgauer-Vorstand und Alexander Jäger von „Frau Wolles Naturhaus“ hatten ihm und Beate Walter-Rosenheimer, der Sprecherin des grünen Landesarbeitskreises Wirtschaft und Finanzen, zuvor den Hintergrund und die Handhabung der erfolgreichen Regionalwährung erklärt.
„Beim Geld hört die Freundschaft auf“, sagt der Volksmund. Levannier hält dagegen: „Beim Chiemgauer fängt die Freundschaft erst an“. Denn, so wird er seit sechs Jahren nicht müde zu betonen, beim Chiemgauer profitieren alle: die Bürger, die Geschäfte und nicht zuletzt die Vereine und Einrichtungen, denen vom Chiemgauer-Gesamtumsatz drei Prozent als Spende zufließen. Der Chiemgauer-Jahresumsatz beziffert sich laut Levannier inzwischen auf rund vier Millionen Euro. 480.000 Chiemgauer seien im Umlauf.
Der engagierte Chiemgauer-Propagandist sieht für die teilnehmenden Geschäfte damit ein wichtiges Kundenbindungs-Instrument - nicht umsonst würden gerade auch große Konzerne mit all ihren verschiedenen Karten (payback) Kunden zu binden versuchen. Der Chiemgauer ist laut Levannier zudem ein soziales Zahlungsmittel, weil Vereine und Einrichtungen davon profitieren, und auch ein Marketing-Instrument, weil die Chiemgauer-Kunden sich die Geschäfte häufig danach aussuchen, ob dort auch die Regionalwährung angenommen wird.
Nach den ausführlichen Chiemgauer-Informationen im Café Schiller - mit dabei auch die Traunsteiner Grünen-Repräsentantinnen Sabine Ponath, Helga Mandl und Burgi Mörtl-Körner - ging es ins „Naturhaus“ - beides natürlich Betriebe, die den Chiemgauer akzeptieren. Alexander Jäger vom „Natuhaus“ erläuterte die Abläufe, wie man zum Chiemgauer kommt und wie man ihn verwendet, anhand seines eigenen Geschäftes. Wenn ein Kunde mit dem Chiemgauer bezahlt, so führte er die Philosophie nach oben weiter, gebe er dem Geschäftsmann sozusagen den Auftrag, seinerseits nach Geschäften zu suchen, wo er den Chiemgauer wieder ausgeben kann. Denn wer den Chiemgauer zurücktauscht, zahlt eine Gebühr von fünf Prozent.
Levanniers Anmerkung, der Chiemgauer schaffe Freundschaft, bezog sich nicht zuletzt darauf, dass beim Zahlen mit der Regionalwährung oft rasch eine persönliche Beziehung und ein Gespräch zwischen Kunde und Ladeninhaber hergestellt werden. Dadurch würden neue Kreisläufe geschaffen, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein der Menschen würden gestärkt. So gibt Levannier, der Geschäftsführer von Schürnbrand, Spenden nur noch in Chiemgauern, weil er möchte, dass das Geld im regionalen Kreislauf verbleibt. Und Alexander Jäger hat in seiner Erfahrung festgestellt, dass der Chiemgauer auch das Einkaufen der Geschäfte untereinander fördert und dadurch von einem Konkurrenzdenken in Richtung Miteinander führt.
So stellte Grünen-Landesvorsitzender Janecek am Schluss fest, dass der Chiemgauer eine Initiative sei, die genau auf der Linie der Grünen liege, die sich für regionale Identität und regionale Wirtschaftskreisläufe einsetzten. Man würde sich wünschen, dass sich die Kommunalpolitiker noch mehr dafür einsetzten. Dies nahmen die grünen Repräsentantinnen Mörtl-Körner und Mandl auf: Gerade für Traunstein wäre der Chiemgauer ein gutes Marketinginstrument, und man würde sich wünschen, dass die Stadt dessen Möglichkeiten besser nutzen würde. So wurde auch mit Befremden aufgenommen, dass in der Chiemgauer-Broschüre zwar der Rosenheimer Landrat ein Grußwort dafür geschrieben hat, nicht aber der Traunsteiner Landrat.
Gerade auch für den Tourismus gäbe es im Zusammenhang damit viele gute Ideen, fügte Levannier an. Denn viele Gäste würden in einer Zeit, da es fast nur noch den Euro gibt, gern mit einer anderen Währung umgehen; „das finden sie spannend.“ Und er fügte schließlich noch an, dass im Landkreis der Chiemgauer und die Grünen zumindest an einem Ort eine enge Verbindung haben: In Trostberg war es vor einigen Jahren der damals neu gegründete grüne Ortsverband, der die Einführung des Chiemgauer in Trostberg erfolgreich in die Hand genommen hat. he





