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02.11.2011

Fünf Windräder - und ein CSU-Bürgermeister

Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner im Gespräch mit dem Bürgermeister von Wildpoldsried, Arno Zengerle

Kreistagsfraktion der Grünen führte Fachgespräch mit Arno Zengerle 

Es gibt eine Gemeinde in Bayern, 2500 Einwohner, darunter viele Landwirte, und sie liegt mitten im Tourismusgebiet Allgäu. Arno Zengerle heißt der langjährige Bürgermeister und er ist von der CSU. Soweit nichts Besonderes in Bayern, aber: In dieser kleinen Gemeinde stehen 5 große Windräder zur Stromerzeugung und zwei weitere mit je 2,3 MW Leistung und 138m Nabenhöhe sind bestellt.

Dies nahm die Kreistagsfraktion der Grünen auf Initiative ihres Sprechers Sepp Hohlweger zum Anlass, ein Fachgespräch mit Wildpoldsrieds Bürgermeister Arno Zengerle zu führen. Und sie kam aus dem Staunen nicht mehr heraus: Zengerle berichtete: „Angefangen hatte alles mit einer Bürgerumfrage: Wohin mit unserem Dorf in 2020?“. Die Bürger brachten ihre persönlichen Ideen in ein Konzept ein, das wir dann gemeinsam umgesetzt haben. „Die meisten Vorschläge waren wertkonservativ und zielten auf regionale Wertschöpfung und Nachhaltigkeit hin“, so Zengerle. Mehrfach betonte er, dass die Bürger von Wildpoldsried beim Thema „Energie“ von Anfang an der Meinung waren, dass sie vor Ort erzeugt werden muss. Und so ist er stolz auf sage und schreibe 92% Zustimmung zur Windkraft innerhalb der eigenen Gemeindegrenzen. Alle fünf Windräder sind Bürgerwindanlagen mit insgesamt 7,5 Megawatt Leistung. Anfangs investierten hauptsächlich Bauern, bei den jetzt bestellten Windrädern legen in erster Linie junge Bürger der Gemeinde so ihr Geld an.

Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner fragte, ob es nicht Proteste aus den Nachbargemeinden gibt? Zengerle hierauf: „Ja, anfangs protestierten manche Nachbar-Gemeinderäte – doch sie bekamen Druck von ihren Bürgern, die nun Bürgerwindräder in ihren eigenen Gemeinden forderten.“

Aber bekanntermaßen weht der Wind nicht immer und deshalb hat Wildpoldsried auch zwei mit Biogas betriebene Blockheizkraftwerke. Das Biogas wird auf einem Bauernhof außerhalb des Ortskerns erzeugt, mit einer Gasleitung in die Ortsmitte transportiert und dort zu Strom und Wärme verarbeitet. Die Wärme dient als Nahwärme zur Heizung von meist privaten Gebäuden im Ortskern. Da hakte Kreisrätin Gretl Gineiger ein: „In Traunreut wurde mir gesagt, dass der Anschluss von Einzelhäusern an eine Nahwärmeversorgung sich nicht rentiert“. Dem widersprach Bürgermeister Zengerle nur zum Teil: „Bei Neubauten von Einfamilienhäusern, die ja teilweise schon Passivhäuser oder anderweitig super-wärmegedämmt sind, rentiert es sich tatsächlich nicht, bei Altbauten aber im Regelfall schon“.

Kreisrat Willi Geistanger fragte nach dem Einsatz von Photovoltaik-Anlagen und bekam eine überraschende Antwort von Zengerle: „Wir haben viele Vereine im Ort. Die 4 größten bekamen je ein Dach zur Verfügung gestellt. Dann haben wir einen Sammeleinkauf von Solarmodulen gemacht. Die Vereine bauten ihre Solaranlagen selbst auf, machen die laufende Wartung und erhalten dafür den Reinerlös der Einnahmen. Der Sportverein erzielt somit beispielsweise 25000 - 30000 Euro im Jahr, die er für seine Vereinsarbeit verwendet.“

Die Traunsteiner Kreistagsfraktion erfuhr dann noch, wie Wildpoldsried durch intelligente Ideen und den konsequenten Einsatz von Holz als Baustoff eine neue Dreifach-Turnhalle für nur 1.5 Mio. Euro erstellte (2004), wie man eine biologische Pflanzenkläranlage mit einem wunderschönen Badeteich kombinieren kann und vieles mehr.

Bürgermeister Zengerle fasste am Schluss zusammen: „Alles rechnet sich bei uns, wir machen nichts, bei dem wir draufzahlen, - und wir machen alles mit den Bürgern, niemals gegen sie“. Und wie gut das klappt, konnte man bei diesem Gespräch deutlich erkennen. – „Wir Traunsteiner Grüne hoffen nun, dass diese Aktivitäten in unserem Landkreis viele Nachahmer finden“, sagte der Sprecher der Kreistagsfraktion Sepp Hohlweger zum Schluss des Fachgesprächs.  

Von: Wolfgang Wörner