Gisela Sengl hat sich gegen Landrat Siegfried Walchs Schreiben an Kanzlerin Merkel positioniert.

Offener Brief an die Bundeskanzlerin

Gisela Sengl unterstützt Merkels Haltung in der Flüchtlingspolitik

Der Landkreis Traunstein will als weltoffener Landkreis in einer traditionellen Tourismusregion auch in Zukunft für Kinder, Frauen und Männer aus Kriegsgebieten ein Ort der Sicherheit und der gelebten Nächstenliebe bleiben!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel,
als Bürgerin des Landkreises Traunstein und als bayerische Landtagsabgeordnete möchte ich mich von dem an Sie adressierten Brief unseres Landrates Siegfried Walch vom 22.01.2016 ausdrücklich distanzieren.

Obwohl Landrat Walch vorgibt, für die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises zu sprechen, fühlen sich viele Menschen im Landkreis von diesem Brief nicht vertreten und sehen die dargestellte Situation anders. Tatsache ist, dass derzeit im Landkreis Traunstein auf 170.364 Einwohner 1.742 Flüchtlinge (Stand Januar 2016) kommen; das entspricht einem Anteil von ca. 1% – auf 100 Einwohner kommt also ungefähr ein Flüchtling.

Viele Kommunen im Landkreis beherbergen Flüchtlinge, es gibt aber auch Gemeinden, die bislang keine bzw. nur einzelne Flüchtlinge aufgenommen haben.

Die Unterbringung ist nicht immer einfach, andererseits stehen Wohnungen, die aus der Bevölkerung gemeldet werden, und fertig renovierte Gemeinschaftsunterkünfte leer, oder werden sehr zögerlich belegt.

Es handelt sich also um ein Organisationsproblem und weniger um ein Wohnraumbeschaffungsproblem.

Die Helferkreise, die sich in JEDER Kommune unseres Landkreises gebildet haben und zwar sofort und freiwillig, arbeiten hervorragend und entlasten die Kommunen und den Landkreis sehr. Die Fürsorge, die Hilfsbereitschaft und die Unvoreingenommenheit der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zeichnen

ein anderes Bild, als im Bericht des Landrats dargestellt. Christliche Werte werden bei uns durch die Menschen vor Ort gelebt und nicht nur verkündet.

Eindeutige Unterstützung und Koordination von staatlicher Seite aus würde die Arbeit der Helferkreise enorm erleichtern.
Was ich von den Politikern in Regierungsverantwortung erwarte und was aus meiner Sicht zur langfristigen Lösung des Flüchtlingsproblems beitragen kann, ist:

  • ein Einwanderungsgesetz, damit wir zwischen Asyl und Einwanderung trennen können
  • ein eindeutiges Bekenntnis Aller zu den Menschenrechten und unseren Grundwerten
  • eine europäische Lösung für die Verteilung der Flüchtlinge
  • eine neu aufgestellte Entwicklungspolitik
  • einen sofortigen Stopp aller Rüstungsexporte in Krisengebiete

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel, ich unterstütze Ihre eindeutige Haltung in der Flüchtlingspolitik!

Mit freundlichen Grüßen
Gisela Sengl, MdL

(26. Januar 2016)