Hohlweger, Herden, mandl, Hofreiter

von links: der Kreisvorsitzende Sepp Hohlweger, der Bundestagskandidat Andreas Herden, die Kreisvorsitzende Helga Mandl und der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Dr. Anton Hofreiter

Grünen-Fraktionssprecher Hofreiter auf der Alm, in einer Metzgerei und bei einer Kundgebung

Erzeugung regionaler Produkte im Blickpunkt

Landkreis Traunstein. Die Erzeugung hochwertiger Produkte aus der Region war ein Schwerpunkt des Besuchs von Anton Hofreiter, dem Fraktionssprecher von Bündnis 90 / Die Grünen im Bundestag, im Landkreis Traunstein. Zunächst ging es auf die Haaralm bei Ruhpolding, wo vor allem die erneuerte Wasserversorgung über einen „Widder“ ein Thema war. Am frühen Nachmittag wurde die Verarbeitung von Pinzgauer-Rindfleisch, biologisch wie konventionell, im Metzgereibetrieb Heilmaier in Waging besucht, und danach ging es noch auf eine Kurzvisite auf die Fürmann-Alm bei Anger, wo unter anderem die Tiere für die Metzgerei in Waging gehalten werden. Der Abend stand dann im „Sailer Keller“ in Traunstein unter dem Thema Wahlkampf: Hofreiter sprach über die grünen Kernthemen unter der Überschrift „Weil es gibt keinen Planeten B gibt“.

Auf der Haaralm, die von Ruhpolding aus als Gemeinschaftsalm bewirtschaftet wird, ist, um alle Flächen ordentlich beweiden zu können, mit viel Eigenleistung der fünf beteiligten Bauern ein „Widder“ gebaut worden, der das Tränkewasser bis auf knapp 1400 Meter ohne Stromversorgung pumpt. Dies wurde den Besuchern der Grünen-Delegation vorgeführt. Außerdem war ein Thema, dass aufgrund des Klima- und Strukturwandels der Almauftrieb inzwischen vorgezogen wird, etwa drei Wochen früher als bisher. Deutlich über hundert Tiere kommen auf die Alm, nicht nur die der beteiligten Bauern, sondern auch Pensionstiere aus anderen Betrieben.

In Waging berichtete Gottfried Heilmaier seinen Besuchern, dass die Metzgerei in Waging nach über 100-jährigem Bestehen aus Gründen des Strukturwandels nicht mehr rentabel habe betrieben werden können. Allerdings schränkte er ein, dass er zusätzlich zu der Fleischverarbeitung im Rahmen des Projekts „Rupertirind“ die Metzgerei trotzdem noch hätte weiterbetreiben wollen; allerdings seien die Auflagen so hoch gewesen, dass er letztlich davon abgesehen habe. So ist der Schwerpunkt seiner Produktion jetzt die Herstellung von Fleischprodukten im Glas: von Sauce Bolognese über Chili con carne und Braten bis hin zu Rouladen – sowohl aus konventioneller wie auch aus biologischer Erzeugung. 

Bei der Begehung mit dabei war neben den Grünen-Politikern Helga Mandl und Sepp Hohlweger auch Elisabeth Widauer, die Geschäftsführerin der Vermarktungsgenossenschaft „Region aktiv“. Nicht zuletzt über diese Kanäle ist es gelungen, die Rindfleisch-Produktion von Gottfried Heilmaier in die Edeka- und demnächst auch in die Rewe-Regale zu bringen. Über seine eigenen Kontakte beliefert Heilmaier zahlreiche Bioläden und andere regionale Geschäfte. Neben den Gläsern vertreibt Heilmaier die erlesensten Stücke seiner Rinder an gastronomische Spitzenbetriebe wie etwa das Kempinski am Obersalzberg oder auch an Steakhäuser in München oder Berlin. Insgesamt ist, wie er zusammenfasste, hat inzwischen die Produktion von Biofleisch schon konventionell erzeugtes Fleisch überholt. Insgesamt werden bei Heilmaier etwa 150 Pinzgauer-Rinder pro Jahr verarbeitet.

Diese Produktschiene ist, wie Marlene Berger-Stöckl, die Managerin der Ökomodellregion, anmerkte, nicht zuletzt auch eine Wertschöpfung für die Bauern in der Region, und zudem ein Beitrag dazu, die Umstellung auf biologischen Landbau zu fördern. Und Heilmaier ergänzte dazu noch, dass sich gerade bei Pinzgauern nachhaltige Haltung deutlich positiver auf die Fleischqualität auswirke als intensive Mast.

Bei der Abendveranstaltung im „Sailer Keller“ führte Andreas Herden, der Stimmkreiskandidat der Grünen für die Bundestagswahl, mit folgender Feststellung in die Thematik ein „Die materiellen Ressourcen sind begrenzt. Ständiges Wachstum kann kein Erfolgsrezept für immer sein. Ich habe viel mit jungen Leuten zu tun, und viele machen sich Gedanken um die Zukunft.“ Dazu ergänzte Hofreiter, dass sich „die Klimaforscher tatsächlich geirrt haben. Aber nicht so, wie Herr Trump uns weismachen will, sondern in die andere Richtung: Die Wärmeeinbrüche in der Arktis in diesem Winter waren so stark, wie sie die Forscher erst für in 30 Jahren vorausgesagt haben.“ Daher müssten folgende Schritte ins Auge gefasst werden, und zwar „dringend“, eben „weil es keinen Planeten B gibt: in Sachen Klima der Ausstieg aus der Kohle-und Erdölverbrennung, beim Verkehr der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor und kein Straßenneubau mehr sowie in der Landwirtschaft ein Ausstieg aus der Massentierhaltung.

In der regen Diskussion fragte Helga Mandl an, ob denn – auch angesichts des drohenden großen Ausbau der Autobahn A8 –  die Privatisierung des deutschen Autobahnnetzes, die laut Rechnungshof den Steuerzahlern erhebliche Mehrkosten bringen würde, jetzt endlich vom Tisch sei. Das verneinte Hofreiter: Mit der jetzt geplanten Gesetzesänderung bleibe das Autobahnnetz zwar formal in Staatshand, aber es werde für 30 bis 60 Jahre an Investoren verleast. Auf eine weitere Feststellung aus dem Publikum, dass Containerschiffe unheimlich viel Kohlendioxid (CO2) ausstoßen, weil sie Schweröl als Treibstoff haben, meinte Hofreiter, dass dies auch auf die Kreuzfahrtschiffe zutreffe, wozu dann auch noch Feinstaub dazu komme. Etwa in Hamburg komme bereits ein beträchtlicher Anteil der Feinstaubbelastung in der Stadt von den Schiffen.

Nina Boxhammer schließlich sprach das Thema multiresistente Keime in der Landwirtschaft an. Hofreiter Feststellung dazu war, dass es sogenannte Reserveantibiotika gebe, die beim Menschen nur dann eingesetzt würden, wenn kein anderes Antibiotikum mehr hilft. Allerdings würden derartige Reserveantibiotika in der Landwirtschaft in großem Stil eingesetzt; das müsse aufhören. Denn dadurch bildeten sich schnell weitere Resistenzen, „und wenn dann auch die Reserveantibiotika beim Menschen nicht mehr helfen, haben wir einen Zustand wie vor dem Zweiten Weltkrieg, als es noch keine Antibiotika gab.“ he

litik der anderen Parteien eingehen will, sondern konkret Lösungen aufzeigen möchte, die die Grünen für die aktuellen Probleme in unserer Gesellschaft anbieten. Hans Eder

(27.05.2017)