Grüne Jugend Gründiger Wagner

Von links: Leo Kaindl, MdB Doris Wagner, Autor Wolfgang Gründinger, Hannah Unterreitmeier, Steffi Alf und Bundestagskandidat Andreas Herden.

Politik nur von „alten Säcken“?

Jugendliche diskutierten mit preisgekröntem Autor Gründinger

Wolfgang Gründinger hat das Buch „Alte Säcke Politik“ geschrieben“, das von der Friedrich-Ebert-Stiftung als das „politisch Buch des Jahres 2017“ preisgekrönt wurde. Grund genug für den Kreisverband der Grünen und für die Grüne Jugend Traunstein, ihn zu einer Diskussion einzuladen. Gründinger zitierte aus seinem Buch: „Den Jungen gehört die Zukunft, den Alten gehört alles andere“. 

Leo Kaindl, Hannah Unterreitmeier, Steffi Alf und Wolfgang Gründinger.

Leo Kaindl, Hannah Unterreitmeier, Steffi Alf und Wolfgang Gründinger.

Pfarrer Andreas Herden hatte die Diskussionsleitung und er erteilte das Wort gleich an Steffi von der Grünen Jungend. Sie erzählte, wie sie sich vor den Kopf gestoßen fühlte, als der Traunsteiner Umweltausschuss den Antrag abgelehnt hat, dass Jugendliche im Rahmen des Projekts „essbare Stadt“ am Maxplatz ein Gemüsebeet bewirtschaften.

Hannah, ebenfalls von der Grünen Jugend ist für die Senkung des Wahlalters, denn „wenn junge Leute wählen können, können sie auch mitentscheiden“. Dem stimmte ein Gymnasiast aus Traunreut zu: „Wenn man erst ab 18 wählt, ist man schon fast aus der Schule raus und hat keine Sozialkunde mehr, darum Wahlalter 16.“ Simon Hüller ist Mitglied des Jugendparlaments des Landkreises. Er ist enttäuscht über das Jugendparlament, weil seiner Meinung nach die Jungen dort gar nichts bewegen können. 

Wolfgang Gründinger meinte, dass Jugendliche zur Wahl zugelassen werden sollten, sobald sie wählen können und wollen. „Doch dazu sollte der Sozialkunde-Unterricht in allen Schularten ausgeweitet werden“. Dass Geschichte, Sozialkunde und Erdkunde in den Mittelschulen zu einem Fach „GSE“ zusammengefasst sind, findet Gründinger schlecht. Dem stimmte die Bundestagsabgeordnete Doris Wagner zu: „Demokratie muss man lernen, und wenn ein junger Mensch wählen will, dann soll er es auch dürfen“.

Der Traunsteiner Jugendreferent Thomas Stadler ist Lehrer an einer Mittelschule und er meinte, dass es sehr wohl darauf ankommt, was Lehrer aus dem Fach „GSE“ machen. Er ermutigte die jungen Leute: „Macht weiter so, mischt Euch ein“.
Da meldete sich ein anderer Simon, Realschüler, und sagte: „Wenn ich andere Freunde hätte, wäre ich heute politisch völlig uninteressiert“ und „Wir Jungen können etwas ausrichten, aber das muss uns jemand sagen.“

Stadt- und Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner ist Berufsschullehrerin und sie konnte dem aus ihrer Erfahrung zustimmen: „Leider befassen sich viele Schüler überhaupt nicht mit Politik und wissen dann am Wahltag nicht, wen sie wählen sollen“.

Hannah findet es gut, das es in Traunstein einen demokratisch gewählten Jugendbeirat gibt, „aber ich habe das Gefühl, er bewirkt nichts“. Helga Mandl, Grünen-Kreisvorsitzende, forderte daraufhin: „Ich möchte, dass der Jugendbeirat im Stadtrat ein Rederecht hat“. Sie erzählte dann von den Diskussionen über das Traunsteiner Jugendzentrum letztes Jahr, bei dem viele Leute mitdiskutiert haben, aber die Jugendlichen nicht befragt wurden. Ein weiterer junger Diskutant stellte daraufhin die provokante Frage: „Will man überhaupt, dass die Jugendlichen sich engagieren?“

Mehrere junge Teilnehmer waren sich einig, dass junge Leute mehr an die Politik herangeführt werden sollten, denn viele hätten das Gefühl: „Was soll ich mich einbringen, wenn ich sowieso nichts bewegen kann?“ Hannah meinte zum Abschluss: „Wir Jungen müssen uns engagieren, wenn dann die Älteren auch mitmachen, dann haben beide Seiten gewonnen.“ Von Wolfgang Wörner

(13. Juli 2017)