Beate Walter-Rosenheimer, Sepp Hohlweger und Helga Mandl.

Die Bundestagsabgeordnete Beate Walter-Rosenheimer (Grüne, links im Bild) diskutierte in Traunstein über den Wert von Frauenarbeit. Die Diskussion leiteten die Kreisvorstandssprecher Sepp Hohlweger und Helga Mandl. Foto: Wolfgang Wörner

„Was ist Frauenarbeit wert?“

Diskussion mit Beate Walter-Rosenheimer, MdB

„Was ist Frauenarbeit wert?“ war der Titel einer Diskussionsveranstaltung des Kreisverbandes Traunstein von Bündnis 90/Die Grünen im Traunsteiner Hofbräu-Stüberl. Als Gast war Beate Walter-Rosenheimer geladen, Bundestagsabgeordnete und dort Sprecherin für Jugendpolitik und Ausbildung.  Sie sagte: „Viele Frauen sind Minijobberinnen oder arbeiten im Niedriglohnbereich, sie haben Probleme, nach einer Babypause wieder einen adäquaten Job zu bekommen und bei der Elternzeit sind es auch mehrheitlich nicht die Männer, die für das gemeinsame Kind zu Hause bleiben.“ Sie machte außerdem deutlich, dass Frauen nicht nur schlechter bezahlt werden, sondern auch dass typische Frauenberufe in unserer Gesellschaft nicht besonders hoch angesehen werden. 

Margarete Winnichner, stellvertretende Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Traunstein, ergänzte dies mit einem Beispiel: „Die Ausbildung zur Erzieherin dauert fünf Jahre, danach ist der Beruf schlecht bezahlt und wird von den Leuten nicht besonders wertgeschätzt. 

Hans Kern, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Kliniken Südostbayern AG berichtete von der Situation an den Krankenhäusern in Deutschland: „Drei Viertel der Mitarbeiter sind Frauen, aber die besser bezahlten und anerkannten Führungspositionen haben meist Männer inne.“ 

Die Kreisvorsitzende Helga Mandl wusste: „Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 22% weniger als Männer“
Eine Besucherin ärgerte sich darüber, dass die ja fast zu 100% weiblichen Mitarbeiter in Kinderkrippen so schlecht bezahlt werden, worauf Margarete Winnichner meinte: „Wenn mehr Männer in Erziehungs- oder Pflegeberufen tätig wären, wäre die Bezahlung wahrscheinlich auch besser.“ 

Das führte zur Frage ob Männer und Frauen für identische Arbeit tatsächlich gleich bezahlt werden. Traunsteins Stadtrat Wilfried Schott, der in einem großen Industriebetrieb arbeitet, konnte das für seinen Bereich bestätigen, ebenso Hans Kern für den Bereich der Kliniken.

Helga Mandl, die selbst viele Jahre in der Industrie gearbeitet hatte, sagte jedoch: „Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Frauen bei Einstufungen, Bewertungen, Zusatzleistungen und bei Karrieremöglichkeiten doch oft zweiter Sieger gegenüber Männern waren.“

Eine Besucherin brachte es zum Schluss auf den Punkt: „Mit dem kürzlich beschlossenen Gesetz zur Frauenquote in Vorständen ist ein wichtiger Schritt getan, aber bis zu einer vollen Gleichstellung ist es noch weit.“ Wolfgang Wörner

(16. März 2015)