Die Grünen-Kreissprecher Helga Mandl und Sepp Hohlweger mit Landtagsfraktionssprecher Ludwig Hartmann in Ruhpolding.

Wettrüsten in den Alpen – Wintertourismus ohne Schnee

Veranstaltung mit Landtagsfraktionssprecher Hartmann

Zum Thema „Wettrüsten in den Alpen – Wintertourismus ohne Schnee“ versammelten sich am 23. September etwa 70 Besucher im Kurhaus in Ruhpolding zu einem Vortrag mit Diskussion. Die Aussage des Fraktionssprechers von Bündnis 90/Die Grünen im bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, war deutlich: „Gegen eine Förderung des Tourismus in Bayern ist nichts einzuwenden, aber nicht für neue Lift- und Beschneiungsanlagen. Wichtig ist ein Tourismus für alle Jahreszeiten.“ 

„Durch den Klimawandel werden wir in unserer Region immer weniger Schnee haben, die Durchschnittstemperaturen steigen. Dagegen mit Förderungen von neuen Liften, Beschneiungsanlagen oder neuen Pistenraupen anzugehen, ist der falsche Weg.“ Hartmann meint, dass die Alpen mehr und mehr ein Ziel für Sommertouristen werden, denn das angenehme Klima im Sommer zieht sicher Gäste an, die die zunehmende Hitze in anderen Regionen nicht mehr mögen. Darüber hinaus stellt sich schon die Frage, ob es denn wirklich schön ist, wenn im Winter nur ein paar weiße Kunstschneebänder das ansonsten schneelose Bergpanorama zieren. Hin zum sanften Tourismus für alle Jahreszeiten, das ist das Ziel. „Wir sollten die Einmaligkeit unserer Region erhalten, für unsere Gäste und für uns – das heißt keine zusätzlichen Pisten und Beschneiungsanlagen.“

Zum finanziellen Aufwand wusste Kreissprecher Sepp Hohlweger ein Beispiel: Die Kosten für eine Kunstschneeloipe in Ruhpolding würden ca. 25.000 Euro pro Saison betragen. Weder die Gemeinde noch die Hoteliers waren in der Lage, diesen zusätzlichen Betrag aufzubringen. So hat sich die Sache von selbst erledigt.

In der Diskussion ging es auch um den Bürgerentscheid zugunsten einer Schischaukel am Riedberghorn im Allgäu. „Es kann doch nicht sein, dass rund 1.000 Bürger, von denen viele ein Eigeninteresse haben, die Alpenkonvention außer Kraft setzen“, so die verschiedenen Wortmeldungen zusammengefasst. Kreissprecherin Helga Mandl sagte, dass die Alpenkonvention ein völkerrechtlich bindender Vertrag ist, bei dem der Vertragspartner die Bundesrepublik Deutschland ist. „Es handelt sich hier um ein hochsensibles Naturschutzgebiet. Wenn nun in Bayern einige wenige Bürger diesen Vertrag außer Kraft setzen können, so werden in Zukunft sicher auch andere Gebiete geopfert werden“, sagte Mandl.

Rudolf Till von der „Aktionsgemeinschaft zum Schutz der Saalforste und des Sonntagshorns e.V.“ schlug vor, eine Online-Petition zu starten, um der Bayerischen Staatsregierung zu zeigen, dass es hunderttausende Bürger gibt, die keine Schischaukel am Riedberghorn wollen – und das sind ja auch Wähler.

Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, sagte, dass der Bund Naturschutz zusammen mit anderen Verbänden gegen die Entscheidung am Riedberghorn klagen wird – und gute Chancen auf Erfolg sieht.

Der Kreisverband der Grünen wies an diesem Abend auch auf eine Veranstaltung am Mittwoch, 12. Oktober, um 19.30 Uhr im Festsaal in Bergen hin, bei der der bekannte Tiroler Fotograf Sepp Hechenblaikner etwas andere Fotos von unseren Alpen zeigen wird. Wolfgang Wörner 

(27. September 2016)