Woher kommt in Zukunft unser Strom?

Stromleitungen aus dem Norden oder Windräder in Bürgerhand?

Eine große Anzeige der Niedersächsischen Regierung war der Auslöser für eine öffentliche Diskussion der Traunsteiner Grünen im Sailer Keller. In der Anzeige wurde bayerischen Unternehmen angeboten, nach Niedersachsen zu kommen, weil es dort auch in Zukunft sicheren und bezahlbaren Strom geben wird. Die bayerische Politik lehnt bekanntermaßen die neuen Stromautobahnen ab und macht gleichzeitig den Bau von neuen Windrädern fast unmöglich.

Achim Kraus meinte dazu: „Die CSU ist hier die Neinsagerpartei“. Willi Geistanger ist Aufsichtsrat der Genossenschaft „Bürgerenergie Traunsteiner Land e.G. Er sagte: „An Photovoltaik ist nichts mehr verdient und ein Windrad wird praktisch nicht mehr genehmigt.“

Die Kreisvorsitzende der Grünen, Helga Mandl erläuterte dann: „Minister Gabriel will aber am Kohlestrom aus Ostdeutschland festhalten, wegen der Arbeitsplätze dort.“ Das brachte die Diskussion sogleich auf die in Bayern heftig umstrittenen Stromautobahnen. 

Carlo Boxhammer aus Trostberg meinte: „Obwohl wir heute schon über die Netzgebühren die Windparks an der Nordsee mitfinanzieren, werden die Stromautobahnen auch den schmutzigen Braunkohlestrom bis in den Chiemgau bringen.“ Wilfried Schott ist ein engagierter Gegner von Stromautobahnen. Er brachte ein völlig neues Argument in die Diskussion: „Über diese Stromautobahnen sollen Riesenmengen von Strom transportiert werden. Bei einer Unterbrechung gehen nicht nur in Traunstein, sondern in ganz Deutschland die Lichter aus – und das nicht nur für ein paar Stunden“, sagte er. Schott ist Befürworter der Energieerzeugung und –speicherung vor Ort in Südbayern, worauf Helga Mandl und Marlis Neuhierl-Huber ihm entgegneten: „Dafür Ist es doch schon zu spät. Das kann doch bis 2022 gar nicht mehr realisiert  werden.“ 

Carlo Boxhammer warnte schließlich vor einer weiteren Monopolbildung durch die Stromautobahnen und sagte: „Stromversorgung ist Daseinsvorsorge und gehört eigentlich in staatliche oder kommunale Hand, und wenn das schon nicht geht, dann bitte mit Bürgerbeteiligung.“ 

Einig waren sich die meisten Besucher der Veranstaltung  darüber, dass es entweder die Stromautobahnen oder aber mehr Windräder hier in Bayern geben muss, andernfalls wird es wohl nichts aus der Energiewende. Wolfgang Wörner

(13. Juli 2015)