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22 Gründe gegen Olympia 2022

Nur wenn kein finanzielles und ökologisches Risiko bestehen

1. 50 Jahre nach den Olympischen Sommerspielen in München erscheint der Gedanke reizvoll, wieder Olympische Spiele – und diesmal Winterspiele – in München durchzuführen. Jedoch das Symbol allein macht keine Spiele. Die Bevölkerung kann nur dahinter stehen, wenn kein finanzielles und ökologisches Risiko besteht. Die Studie lässt dazu zu viele Fragen offen. Eine der Positionen der Befürworter lautet wie folgt: „Ein Restrisiko wird bleiben, jetzt schauen wir mal, dass die Spiele zu uns kommen und dann gestalten wir das so, wie wir das wollen!“ (aus der Podiumsdiskussion am 15. Oktober 2013 in Traunstein)
Mit solch unklaren Äußerungen der Befürworter können wir Spielen im Chiemgau nicht zustimmen!

Foto: Reinmiedl

2. Die Bewerbung ist relativ aussichtslos, wie bei der Vergabe für die Spiele 2018 zu sehen war.

3. Die Olympischen Spiele 2022 wären weder nachhaltig noch flächenschonend. Die Orte der Wettkampfstätten stehen überwiegend fest, doch wie sehr diese noch ausgebaut werden müssen und wie die temporären Anlagen wie Kühlleitungen für Langlaufstrecken, Fundamente für Sicherheitszäune, Wasser- und Stromleitungen für Beschneiungsanlagen, Flächenbefestigung für Parkplätze, Zuschauertribünen und Containerstandorte gestaltet werden würden, darüber wurde in unserer Region noch niemand in Kenntnis gesetzt.

4. Die Spiele 2022 wären nicht klimaneutral. Unser Energiemix in Deutschland wird 2022 leider noch sehr viel Anteile an Kohlestrom beinhalten. Dieser Strom wird verwendet, um die Unmengen an Kunstschnee bereitzustellen. Auch in Bayern wird sich der Strommix bis 2022 nicht wesentlich verändern. Die Wasserkraft kann bis dahin nicht mehr ausgebaut werden und die Zuwächse bei Sonnen- und Windenergie sind aufgrund fehlenden Ausbauwillens der Politik bis 2022 zu gering, um klimaneutrale Olympische Spiele zu organisieren. Das Ziel, den Kohlendioxid-Ausstoß der Kraftfahrzeuge herabzusetzen, kann nicht eingehalten werden. Der Energiebedarf, der durch das Verkehrsaufkommen, das durch Baumaßnahmen, Zuschauerbesuch und Fahrten des Olympischen Personals entstehen wird, wird 2022 immer noch zu 50% aus Erdöl gedeckt werden müssen.

Innovative Leitprojekte, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen sowie Jugend-, Kultur- und Regionalentwicklung können auch ohne Olympische Spiele umgesetzt werden und stehen bereits auf den Agenden vieler Natur- sowie Kulturorganisationen und Programme vieler Gemeinden und Landkreise.

5. Deutschland ist keine Wintersportnation. Deutschland ist im Breitensport sehr stark. Die Vielfalt im Sport ist im ganzen Land zu fördern.

6. Deutschland ist ein erfahrener Gastgeber großer Sportereignisse. So freuen wir uns jedes Jahr auf Biathlon-Weltcups in Ruhpolding und Oberhof, auf die Fußball-Bundesliga und die vielen kleinen Meisterschaften und inklusiven Sporttage im ganzen Land.

7. Nicht Olympische Spiele schaffen einen nachhaltigen Aufbau neuer wirtschaftlicher Standbeine, sondern die Energiewende, der Umbau der Landwirtschaft zu mehr Ökolandbau und die Entwicklung von nachhaltigen Produkten.

8. Für die Wirtschaft bedeuten Olympische Spiele nur einen kurzen Impuls.

9. Wir benötigen für den Chiemgau ein klares touristisches Leitbild für Familien-, Wander- und Langlaufurlaub. Ein Großevent wie Olympia unterstützt dieses Ziel nicht. Im Bayerischen Wald ist Bodenmais der Familienurlaubsort Nummer 1. In unserem Landkreis könnten das die Orte Waging am See, Ruhpolding oder Inzell werden. Zu fördern sind einzelne Projekte, wodurch sich Ältere und Familien weiter bei uns im Chiemgau wohlfühlen können und nicht mehr und größere Stadien für Hochleistungssport.

10. Wohnungen in München zu bauen, ist die Aufgabe der Stadt München, dem Land Bayern und einigen Investoren und nicht die des IOC. München benötigt bezahlbaren Wohnraum, geplant nach generationsübergreifenden Leitbildern und nicht Wohnungen mit gehobenem Standard für Sportstars. Luxuswohnungen würden die Wohnungsnot in der Millionenstadt München nicht lösen.

11. Kaum eine Sportstätte, die Teil der Olympiabewerbung München 2022 sein wird, wird kostendeckend arbeiten können. Wir benötigen Konzepte, damit die jetzt schon großen Defizite der bereits vorhandenen Sportstätten gerecht auf Stadt und Land verteilt werden. Wir wollen weiterhin Biathlon-Weltcups in Ruhpolding durchführen, so darf die Handlungsfähigkeit der Gemeinde, in das Waldstation und den Unternbergskibetrieb, also für den Breitensport, zu investieren, nicht über längere Zeit durch Großveranstaltungen und auch Baumaßnahmen, die über Jahre dauern, eingeschränkt sein.

12. Das Ansehen unseres Landes in der Welt ist hervorragend. Die Welt schaut nicht auf uns, wie wir eine Olympiade bewältigen, sondern ob wir die Energiewende schaffen oder nicht. Der Fokus der Politik muss auf der Bewältigung der Aufgaben der Zukunft liegen und nicht auf der Unterstützung von weltweit agierenden Konzernen.

13. Unsere Sportstätten sind in der Vergangenheit mit Maß und Ziel ausgebaut worden. Die Sportinfrastruktur benötigt kein temporäres Langlaufstadion in Ruhpolding.

14. Um den Breitensport zu stärken, benötigen wir dringend eine Turnhalle am Annette-Kolb-Gymnasium in Traunstein. Diese wird auch durch die Durchführung von Olympischen Spiele 2022 im Chiemgau sicher nicht früher gebaut werden können. Jede Idee für den Breitensport ist auch ohne Olympia umsetzbar. Mit Investitionen in den Breitensport bis 2015 oder gar bis nach 2022 zu warten, ist den BreitensportlerInnen nicht förderlich.

15. Sport begeistert die Jugend. Den Fokus nur auf olympische Idole zu setzen, ist nicht der richtige Weg. Jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin in der Jugendarbeit, gleichwohl ob hauptamtlich oder ehrenamtlich, ist ein greifbares Idol für die Kinder und Jugendlichen. Eine Magdalena Neuner oder ein Tobias Angerer benötigen keine Unterstützung. Wir müssen alle ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im ganzen Land fördern, damit sie den Erwartungen unserer Kinder und Jugendlichen gerecht werden können. Die Arbeit der Haupt- und Ehrenamtlichen ist zu verbessern und aufzuwerten. Die Begeisterung der Kinder wird hauptsächlich vor Ort erzeugt und nicht nur aufgrund von Sportveranstaltungen im Fernsehen.

16. Wir, die wir im Chiemgau leben, sind stolz auf unsere Heimat und unsere Gastfreundlichkeit. Wir beteiligen uns jetzt schon an vielen Projekten, die den Zusammenhalt fördern. Dazu benötigen wir keine Olympischen Spiele.

17. Integration und Inklusion finden in der Schule und den Vereinen statt. Ein Großevent wird keine Verbesserungen bringen. Die allermeisten behinderten Sportlerinnen und Sportler haben niemals auch nur die Möglichkeit, sich für Olympische Spiele vorzubereiten geschweige denn an ihnen teilzunehmen. Wir müssen niederschwellige Veranstaltungen für alle fördern und mehrere pro Jahr durchführen. Nur so ist Sport für alle Behinderten sinnvoll – es kann niemals nachhaltig sein, ein großes Event für einige wenige zu unterstützen.

18. Es ist Aufgabe des Staates, die europäischen Vorgaben hinsichtlich Barrierefreiheit umzusetzen. Die Errichtung von barrierefreien Sportstätten kann nicht als Vorwand für die Durchführung von Olympischen Spielen im Chiemgau fungieren.

19. Orte und Bürger können auch jetzt schon – durch Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs – von Lärm und Abgasen durch Individualverkehr entlastet werden. Teure Tunnelprojekte werden durch eine Olympiateilnahme in Aussicht gestellt, bezahlt würden sie jedoch von den deutschen Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern. Die dadurch noch steigende Staatsverschuldung wird mit den Konsolidierungsvorgaben der Staatshaushalte nicht vereinbar sein.

20. Die Schienenverkehrsverbindung zwischen München und Salzburg ist ein europäisches Projekt und steht grundsätzlich mit Olympischen Spielen nicht in Zusammenhang.
Ein achtspuriger Ausbau der A8 zwischen Rosenheim und Salzburg ist die falsche Investition: Die Erdölförderung nimmt ab, und ein sozialverträglicher Benzinpreis im Jahr 2022 und darüber hinaus wird zur Unwahrscheinlichkeit werden.

21. Oberbayern und der Landkreis Traunstein erfreuen sich Vollbeschäftigung. Wichtiger als das Wirtschaftswachstum anzukurbeln sind Investitionen in Schule und Bildung, denn nur so kann der Fachkräftemangel abgemildert werden.

22. Wir wollen keine „Spiele 2022“. Die Kräfte unserer Gesellschaft durch aufgeblasene Großevents zu verschwenden ist der falsche Weg. Wir sollten die kleinen Strukturen fördern und erhalten, was uns erhält. Alex Reinmiedl

(23. Oktober 2013)

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