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Wolfgang Ehrenlechner, Sebastian Siglreithmayer, Matthäus Michlbauer, Christa, Josef und Andreas Vodermaier. Fotos: Karin Kleinert

Beim Austausch mit dem Bauernverband waren unter anderem mit dabei, v. l.: Wolfgang Ehrenlechner, der grüne Bundestagskandidat für den Stimmkreis Traunstein und Berchtesgadener Land, Traunsteins BBV-Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer, Geschäftsführer der BBV-Geschäftsstelle Matthäus Michlbauer, Christa und Josef Vodermaier sowie Betriebsleiter Andreas Vodermaier. Fotos: Karin Kleinert

Grüne und Landwirte diskutieren in Altersham

Bundestagskandidat Ehrenlechner: „Nicht in ideologischen Schützengräben verharren“

Eine lange Liste mit wichtigen Themen, darunter auch brisante Punkte, ist bei der Diskussion unseres Bundestagskandidaten Wolfgang Ehrenlechner mit Vertretern der Landwirtschaft auf den Tisch gekommen. Das Treffen auf dem Aicherhof in Altersham bei Pittenhart hatte der Traunsteiner Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) organisiert. Das Fazit der engagiert geführten Gesprächsrunde: Ein offener Austausch ist nicht nur möglich, sondern sehr wichtig, um Schnittmengen und Lösungsansätze für anstehende Probleme aufzuzeigen.

Als Gastgeber fungierte die Familie Vodermaier, die den stattlichen Aicherhof seit mehreren Generationen bewirtschaftet. Der Hof liegt auf einer kleinen Anhöhe, von der man einen herrlichen Blick auf den Chiemsee hat. Standbeine sind Milchviehhaltung und der Betrieb einer Biogasanlage. Ortsbäuerin Christa Vodermaier, die die Runde begrüßte, übergab das Wort sogleich an Sohn Andreas, der seit Juli Betriebsleiter ist. Dieser lud die Besuchergruppe zu einem kleinen Rundgang ein. Zum Hof gehören 40 Hektar Grünland und 80 Hektar Ackerfläche, im Stall stehen 90 Milchkühe samt Nachzucht, gemolken wird mit Melkroboter. Mit seiner 2009 gebauten Biogasanlage, die mit Gülle, Mais und Zwischenfrüchten betrieben wird, versorgt Vodermaier nicht nur den Hof mit Energie, sondern auch die umliegenden acht Häuser. Dass man am Hof zukunftsorientiert denkt, zeigt sich auch daran, dass Lehrlinge ausgebildet werden.

„Das 1,5-Grad-Klimaziel erreichen“

Nach der Hofbesichtigung machten sich die Teilnehmer, darunter viele Mitglieder des Traunsteiner Kreisvorstands des BBV, an die Diskussion. Moderiert wurde die Runde von Matthäus Michlbauer, dem Geschäftsführer der BBV-Geschäftsstelle. Wolfgang Ehrenlechner, der in Teisendorf zu Hause ist und als Geschäftsführer beim Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) arbeitet, stellte wichtige Punkte aus dem grünen Wahlprogramm vor und betonte, dass es eine höhere Wertschätzung für landwirtschaftliche Produkte brauche, die sich auch in den Preisen niederschlagen müsse. Außerdem gelte es darauf hinzuarbeiten, bäuerliche Familienstrukturen zu erhalten und zu stärken, da sie nicht nur für die Lebensmittelversorgung, sondern auch für das soziale Gefüge eines Dorfs enorm wichtig seien. Das Streben nach immer mehr Wachstum müsse aufhören; zudem gelte es, das 1,5-Grad-Klimaziel zu erreichen, zu dem auch die Landwirtschaft einen positiven Beitrag leisten könne. „Politik und Landwirtschaft sollen gemeinsam arbeiten und nicht in ideologischen Schützengräben verharren“, sagte der Direktkandidat.

„Enteignung überhaupt kein Thema“

Dass es einige dieser „Gräben“ gibt, zeigte sich anhand etlicher Wortmeldungen. „Wie halten es denn die Grünen mit Grund und Boden, drohen uns Enteignungen?“, wollte Kreisvorstandsmitglied Peter Ober wissen. Ehrenlechner entgegnete, dass es überhaupt keine Bestrebungen gebe, Landwirte zu enteignen. Es gehe darum, die gigantischen Bodenpreissteigerungen in den Großstädten zu regulieren. Nächstes Aufregerthema: das Verbandsklagerecht für Tierschutzorganisationen. „Ich fühle mich als Landwirt von Tierschutzorganisationen bedroht“, beklagte Ober. Ehrenlechner sagte, dass illegale Aktionen freilich nicht zu unterstützen, aber Rechtsverstöße gegen Tierwohl sehr wohl zu ahnden seien.

Für reichlich Gesprächsstoff sorgte das Thema Wolf. Vorstandsmitglied Tobias Heiß hielt mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Der Wolf hat hier, in unserem dicht besiedelten Gebiet nichts zu suchen. Was bringt der?“ Ehrenlechner erklärte ruhig die Fakten, etwa dass der Wolf sehr wohl etwas bringe, weil er eine ökologische Funktion im Wald einnehme. Außerdem sei gesetzlich erlaubt, Problemwölfe zu entnehmen. Regina Reiter, Kreissprecherin der Traunsteiner Grünen, ergänzte, dass die Grünen sowohl Weidehaltung als auch den Wolf möchten und dass es klar sei, dass der daraus resultierende Konflikt nicht auf die Schnelle zu lösen sei. Es brauche ein Aushandeln und ein Zusammenbringen der verschiedenen Interessenslagen, forderte die Kreissprecherin.

Zu den Punkten Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und Kennzeichnungspflicht von verarbeiteten Produkten fand Traunsteins Kreisobmann Sebastian Siglreithmayer eindeutige Worte: „Der LEH fährt Schlitten mit uns Landwirten: Vier Ketten bestimmen den Preis. Wie können wir da vorgehen?“ Wolfgang Ehrenlechner spielte den Ball in Richtung Bauernverband weiter und fragte: „Wie kann der Bauernverband die Preise besser steuern?“ Matthäus Michlbauer blieb die Antwort nicht schuldig und sagte wiederum, dass der Verband dies alleine nicht leisten könne, sondern dass hier die Politik in der Pflicht sei.

„Bio sollte lukrativer werden“

Nun kam die Sprache auf den Ökolandbau. Einer der Teilnehmer wollte von Ehrenlechner wissen, ob konventionelle Landwirte denn noch eine Daseinsberechtigung hätten. Dieser meinte, dass er zwar ein Fan von regionaler ökologischer Landwirtschaft sei, aber dass jeder Bauer selbst entscheiden könne, was für ihn das Sinnvollste sei. Der Teisendorfer ergänzte, dass die Nachfrage nach Bioprodukten mehr angekurbelt werden müsse, eine wichtige Stellschraube sei die Verpflegung der staatlichen Einrichtungen mit Bioware. Mehrere Landwirte bekundeten, dass sie für alles offen seien. Wenn Bio lukrativer werden würde, so die Meinung, würden noch viel mehr Bauern umstellen.
Während der Diskussion wurden noch etliche wichtige Punkt mehr angesprochen wie Nitratwerte im Grundwasser, Fleischkonsum, Sicherung der Ernährung, Tierwohl, Flächenstilllegung im Wald, Gewässerrandstreifen sowie Erbschaftssteuer und Hofnachfolge. Beim Thema Steuer waren sich Grüne und die Vertreter der Landwirtschaft einig, dass die Freibeträge für Bauern angehoben werden müssen, damit es bei einer Hofübergabe zu keinen Problemen komme.

Am Ende der angeregten Diskussion bedankten sich Grüne und BBV bei der Familie Vodermaier für die gute Bewirtung. Kreisobmann Siglreithmayer richtete einen besonderen Dank an den Bundestagskandidaten, dass er sich die Sorgen und Nöte der Bauern angehört habe. Als Lektüre bekam Wolfgang Ehrenlechner den „10-Punkte-Katalog der bayerischen Land- und Forstwirtschaft zu den Bundestagswahlen 2021“ mit auf den Weg. Karin Kleinert

(21. Juli 2021)

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