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Gisela Sengl, Ekin Deligöz, Heiner Roth, Marcel Janitzka, Wolfgang Ehrenlechner und Jennifer Wagner in der Jugendsiedlung Traunreut.

Nach dem Rundgang durch die Jugendsiedlung Traunreut gab es noch ein Gruppenfoto im Eingangsbereich der Berufsschule (v. l.): Gisela Sengl, Ekin Deligöz, Heiner Roth, Marcel Janitzka, Wolfgang Ehrenlechner und Jennifer Wagner. Foto: Karin Kleinert

„Lernen, essen, spielen – Guter Ganztag für unsere Kinder“

Grüne informieren sich in Traunreuter Jugendsiedlung und diskutieren in Hörpolding

In der Traunreuter Jugendsiedlung finden Kinder und Jugendliche aus ganz Bayern, die eine besondere Förderung brauchen, gute Unterstützung, und das bereits seit 1950. Wie die Sozialeinrichtung arbeitet, darüber informierten sich kürzlich vor Ort einige Politiker der Grünen. Nach der ausführlichen Besichtigung ging es für die Politiker nach Hörpolding, wo das Thema Ganztagsbetreuung im Mittelpunkt einer öffentlichen Diskussion stand. „Lernen, essen, spielen – Guter Ganztag für unsere Kinder“ war der Abend im Gasthaus Namberger überschrieben. Es kamen viele Interessierte und debattierten gut drei Stunden.

Beide Termine hatte der Kreisverband der Traunsteiner Grünen organsiert und dafür Fachpraktiker sowie Akteure aus der Politik eingeladen: Neben der heimischen Landtagsabgeordneten Gisela Sengl waren dies die Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz und Bundestagskandidat Wolfgang Ehrenlechner. Heiner Roth, der Geschäftsführer der Jugendsiedlung, sowie Herbert Schultes, Gabriele Wirth und Jennifer Wagner vom Leitungsteam der Schule informierten die Gruppe über die vier Bereiche der Einrichtung.
Auf dem großen Areal gibt es ein Schüler- und Jugendwohnheim, eine Berufsschule und eine Berufsfachschule für Sozialpflege, diverse Ausbildungswerkstätten sowie eine Krippe und einen Kindergarten mit Schwerpunkt Integration. Junge benachteiligte Menschen mit Lernschwierigkeiten finden in den Betrieben der Siedlung ein auf sie abgestimmtes Angebot, um sich persönlich und beruflich zu entwickeln. Sie können aus 40 Ausbildungsberufen wählen und machen die gleichen Abschlüsse wie die Schüler anderer Berufsschulen. Kleine Klassen, individuelle Förderung und ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ermöglichen dies. Durch eine intensive Nachbetreuung nach dem Schulabschluss finden fast alle Schüler Arbeitsplätze.

Die Besuchergruppe zeigte sich sehr interessiert und sprach viele Punkte an, unter anderem wer den Förderbedarf feststellt, wo Förderschwerpunkte liegen, wie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind und wie die Schüler außerhalb des geschützten Rahmens zurechtkommen. Die Politiker wollten wissen, wo die Verantwortlichen der Jugendsiedlung Potenzial sehen, das besser genützt werden könnte. Das gebe es durchaus, zum Beispiel bei den Themen Ausbildungsbetriebe, Zusammenarbeit mit Verbänden wie IHK und Dehoga und Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Speziell für sie sollte das System der Förderschule geöffnet werden, sagte Heiner Roth in Richtung Politik. „Hier müssten die formellen Kriterien geändert werden, aber bisher wurde noch kein Konzept entwickelt.“

Bei einem Rundgang wurden unter anderem die Lehrwerkstätten des Gastronomie- und Hotelbereichs besichtigt sowie das Wohnheim, in dem sich die Schüler gut aufgehoben fühlen und wo es einige Sport- und Freizeitmöglichkeiten wie beispielsweise ein von den Jugendlichen selbst betriebenes Schülercafé gibt. Ehrenlechner zeigte sich beeindruckt vom Engagement der Wohnheimbetreuer, allen ihnen anvertrauten Jugendlichen gute Startchancen zu ermöglichen. Am Ende des informativen Besuchs bedankte sich Heiner Roth für das Interesse der politischen Entscheidungsträger.

Für die drei Grünen-Politiker war der Besuch in Traunreut jedoch noch nicht zu Ende, denn im Anschluss ging‘s zur Podiumsdiskussion „Guter Ganztag für unsere Kinder“ nach Hörpolding. Mitwirkende der Talkrunde waren die Ganztagsschul-Erzieherin Susanne Weinzierl und der Küchenchef der Fridolfinger Salzachklinik, Albert Spitz. Moderiert wurde der Abend vom Chieminger Gemeinderat Sebastian Heller; die Geschwister Hundmayer aus Siegsdorf unterhielten die Gäste mit Musikeinlagen.

Im Verlauf der Diskussion wurde deutlich, dass zwischen offenem und gebundenem Ganztag unterschieden werden muss. Eine offene Ganztagsschule ist eine Grund- oder Förderschule, die ein zusätzliches freiwilliges Nachmittagsprogramm anbietet. Beim gebundenen Ganztag ist die Teilnahme an den Ganztagsangeboten an mindestens drei Nachmittagen verpflichtend, der Bildungsauftrag der Schule erstreckt sich also über den gesamten Tag. Ein warmes Mittagessen gehört auch dazu.

Eine Ganztagsbetreuung fördere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Chance für ein ganzheitliches Bildungsangebot, sagte Bundestagskandidat Wolfgang Ehrenlechner. Auch die Erzieherin Susanne Weinzierl zeigte sich überzeugt von diesem Konzept, das Raum für vielerlei bereichernde Aktivitäten schaffe. Aktuell würden jedoch Finanzierungslücken und Personalmangel besondere Probleme bereiten.

Ein vom Bundestag verabschiedetes Gesetz für ein allgemeines Recht auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule ist kürzlich im Bundesrat gescheitert. Laut Ekin Deligöz seien die Kosten der zentrale Kritikpunkt gewesen. Doch diese nicht in Kauf nehmen zu wollen, signalisiere, so die Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik, „dass uns unsere Kinder nichts wert sind“.

Zu dem beim Ganztag unbedingt notwendigen Thema Schulverpflegung äußerten sich vor allem Gisela Sengl, die Sprecherin für Landwirtschaft und Ernährung, sowie Albert Spitz, der in der Klinikküche seit einigen Jahren auch Biolebensmittel verwendet. Beide sagten, dass gutes Essen möglichst regional, saisonal, ökologisch und frisch gekocht sein müsse. Auf die Frage, wie die Politik tätig werden könne, damit alle Kinder eine gesunde Schulverpflegung bekämen, brachte Sengl den Vorschlag, über staatliche Finanzierung bei der Gestaltung und Qualität der Verpflegung mitwirken zu können.

Mit einer offenen Diskussion, an der sich die Zuhörer mit vielen Beiträgen beteiligten, endete die gelungene Veranstaltung. Karin Kleinert

(26. Juli 2021)

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