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Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth beim Neujahrsempfang 2020 in Traunstein.

Auf ein kämpferisches Eintreten für die Grundwerte der Demokratie in einer labilen Welt schwor Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth die Zuhörer beim Jahresempfang der Grünen in Traunstein ein. Fotos: Axel Effner

Orientierung in einer „labil gewordenen Welt“

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth beim Jahresempfang der Grünen in Traunstein

Viel Rückenwind aus der Landes- und Bundespolitik sowie fünf neue Ortsverbände, die sich im letzten Jahr im Landkreis Traunstein gegründet haben: Entsprechend euphorisch war die Stimmung beim Jahresempfang des Kreisverbands der Grünen im Traunsteiner „Sailer Keller“. Aufgrund des Andrangs mussten die Besucher enger als sonst zusammenrücken. Mit einer Analyse der gegenwärtigen Stimmungslage in Deutschland und der Welt sorgte Claudia Roth, Bundestagsvizepräsidentin und ehemalige Bundesvorsitzende der Grünen, in ihrer Festrede für prominente Unterstützung.

Mit einem Sketch stimmten Mitglieder des Kreisvorstands und des Ortsverband Traunstein die Besucher auf die bevorstehenden Kommunalwahlen in Traunstein ein. Wolfgang und Katharina Stadler, Wilfried Schott, Helga Mandl, Anna Stephl, Mina Himmelstoß und Martina Wenta gaben voller Dynamik einen humoristischen Einblick in die Wahlkampfvorbereitungen in der Redaktion der „Neuen Presse Traunstein“.

Anhand der Schuldenentwicklung und Themen wie Klosterkirche, Landesgartenschau oder Abholzungspläne für den Haidforst beleuchtete das Ensemble auf der Bühne ironisch-pointiert die Haltung und Leistungen von Oberbürgermeister Christian Kegel sowie der einzelnen Bürgermeisterkandidaten und Fraktionen im Rathaus. Die fiktiven Reportereinsätze und Gespräche mit den einzelnen Kandidaten sorgten dabei für viele Lacher.

Ausführlich und detailliert stellte Burgi Mörtl-Körner im Anschluss ihr Programm als Kandidatin der Grünen für den Chefsessel im Traunsteiner Rathaus vor. Klimaschutz, ökologische Bauleitplanung, fahrradfreundliche Stadt, Parkleitsystem, Jugend- und Ortsteilförderung und ein neues Wirtschaftsreferat bildeten wichtige Punkte. Mörtl-Körner machte sich dabei für einen „Wahlkampf mit Respekt“ stark.

„Der Beginn dieses Jahres zeigt, wie labil die Lage in der Welt und in Deutschland geworden ist“, betonte Claudia Roth zum Auftakt ihrer Rede. TV-Bilder des bereits Monate dauernden apokalyptischen Feuer-Infernos in Australien „muten an wie Szenen aus einem Hollywood-Thriller, sind aber Realität“. Nicht weniger dramatisch sei die Gewalteskalation im Mittleren Osten, deren Protagonisten eine „dramatische Erosion des Völkerrechts und unveräußerlicher Menschenrechte“ beförderten. Hier wünsche sie sich – auch mit dem Blick auf Waffenexporte – eine wesentlich entschiedenere Haltung der Bundesregierung und der Vertreter Europas.

„Leicht entflammbar“ sei ebenfalls die Situation in Deutschland. Morddrohungen gegen oberste Kirchenvertreter, die sich für Flüchtlinge einsetzen, Bürgermeister, die Waffenscheine zum Selbstschutz beantragen oder Angriffe auf Künstler und jüdische Einrichtungen erforderten erhöhte Wachsamkeit aller überzeugten Demokraten. In einem Plädoyer voller Leidenschaft machte sich Roth für den Schutz von Minderheiten und die entschiedene Verteidigung demokratischer Freiheitsrechte und der Verfassung stark. „Radikale Nationalisten entzaubern sich nicht von selbst.“ Die politische Auseinandersetzung müsse in Debatte und Kompromiss bestehen und dürfe nicht in eine pauschalierende „Schreikultur“ ausarten.

Die Klimakrise als „Jahrhundertaufgabe und Überlebensfrage“ habe viele Menschen aufgerüttelt, die nach Orientierung suchen. Mit ihrem Einsatz für Ökologie, Soziales, Gewaltfreiheit und eine Gesellschaft der vielen Kulturen stünden die Grünen nach über 40-jähriger Geschichte gerade heute in besonderer Verantwortung. Das gelte auch für de Kommunalpolitik als „Werkstatt gelebter Demokratie“.

Zusammen mit der Kreissprecherin Helga Mandl zeigte sich Roth erfreut darüber, dass sich im vergangenen Jahr fünf neue Ortsverbände im Landkreis Traunstein gegründet haben und sechs Bürgermeisterkandidaten für die Grünen in den Wahlkampf ziehen. Seit 2010 habe sich die Mitgliederzahl im Landkreis auf 316 verdoppelt, ergänzte Mandl. Axel Effner

(24.01.2020)

Landratskandidatin Gisela Sengl
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