Wie steht es um den Naturschutz im Landkreis Traunstein?
Über diese Frage diskutierte die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Grüne mit Mitgliedern und Fachleuten im Wochinger Brauhaus in Traunstein. Burgi Mörtl-Körner hob eingangs hervor, dass sowohl Bürger wie Touristen von der großartigen Landschaft und Natur im Landkreis profitieren. Angesichts neuer Gewerbeflächen und Unternehmensvergrößerungen, von Umbrüchen in der Landwirtschaft, Artenschwund und Klimaveränderungen stelle sich die Frage, welcher Stellenwert dem Naturschutz heute noch eingeräumt werde.

Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, ging auf den anhaltend starken Flächenverbrauch ein, der auch in der Diskussion immer wieder thematisiert wurde. Zwar gebe es seit 2003 ein bayernweites Bündnis zum Flächensparen, doch seien allein im Landkreis 2015 rund 70 Hektar verbaut worden. Das entspricht etwa 65 Fußballfeldern.  In Tittmoning wolle etwa der Textilmaschinenproduzent Brückner auf einem acht Hektar großen Grundstück bei Abtenham neu bauen, auf dem bisher Kiebitz und die Feldlerche siedelten, beides geschützte Vogelarten. Umgekehrt werde mit Steuergeldern Kiebitzschutzprogramme gefördert.

„Es steht gar nicht so schlecht um den Naturschutz im Landkreis“, erklärte Manfred Mertl, Sachgebietsleiter der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis. Er gab Einblick in die Vielzahl der Aufgaben, darunter die Stellungnahme zu jährlich rund 1.000 Genehmigungsverfahren. Von den Problemen der Bienenzüchter mit der zu früh einsetzenden Frühjahrsblüte berichtete Helmut Hofmeister, Vorstand vom Imkerverein Kirchanschöring. Durch Kälteeinbrüche gebe es zu wenig Honig. Dies frustriere die erfreulicherweise stark angewachsene Zahl an Jungimkern.

Wie man durch die besseren Vermarktungschancen von Biosäften im Verbund mit regionalen Keltereien den Erhalt und die Neuausweisung von Streuobstwiesen fördern könne berichtete Jürgen Sandner, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbands Traunstein. Dies komme auch den Bienen zugute. Sandner verwies auf die Renaturierung von 20 Hektar Hochmooren in Inzell und internationale Work-Camps für Jugendliche auf Almen als weitere Erfolge.

Eine rege Diskussion entspann sich um die durchwachsene Silphie als Alternative zum Mais als Energiepflanze. Nach der arbeitsaufwändigen Einsaat und ersten Wachstumsphase liefere die aus Nordamerika eingeführte Becherpflanze ohne Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger bis zu zwölf Jahre lang gute Erträge und schütze vor Bodenerosion.  Die Blühphase von Ende Juni bis September komme den Bienen zugute. Im Landkreis Traunstein ist der Einsatz noch umstritten. Jürgen Sandner informierte, dass im Landkreis Altötting seit 2015 ein Pilotprojekt laufe, das den Anbau der Silphie als Alternative zum Biogasmais fördere.

Für einen radikaleren Naturschutz machte sich Michael Müller stark. „Sonst hinterlassen wir unseren Kindern eine ausgeräumte Landschaft.“ Frank Weiß, Kreisvorsitzender vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl plädierten für eine verstärkte Umweltbildung bei Kindern und Jugendlichen, um das Bewusstsein zu schärfen. Ein Vorbild sei der Umweltgarten des LBV in Wiesmühl.

Kontroverse Diskussionen gab es auch über die Ausweisung von Ausgleichsflächen und deren Kontrolle. Speziell bei privaten Bauträgern fehle eine wirksame Überprüfung der Umsetzung. Regina Reiter verwies auf die Praxis in Kirchanschöring, wo die Gemeinde Grüngürtel anlegt und diese dann übergibt. Willi Geistanger sprach sich für Parkhäuser bei Discountmärkten aus, um die riesigen Parkplatzfreiflächen einzudämmen. Martin Czepan regte mehr Transparenz beim Flächenverbrauch an, unter anderem durch Erfassung ungenutzter Freiflächen.