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Kein Glyphosat im Landkreis verwenden:

Antrag auf freiwillige Selbstverpflichtung

Sehr geehrter Herr Landrat,

mit Schreiben vom 03.04.2016 habe ich bei Ihnen angefragt, ob von Beschäftigten des Landkreises Traunstein und seiner Tochtergesellschaften glyphosat-haltige Unkrautvernichtungsmittel verwendet werden. Mit Schreiben vom 12.04.2016 haben Sie mir mitgeteilt, dass weder beim Landkreis noch bei seinen Töchtern glyphosat-haltige Unkrautvernichtungsmittel verwendet werden. Damit nimmt der Landkreis eine Vorbildfunktion ein.

Die aktuelle politische Diskussion um die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat und die überraschende Zustimmung des Bundeslandwirtschaftsministers zu einer Verlängerung der Zulassung von Glyphosat um weitere fünf Jahre machen in unseren Augen eine Neubewertung der Sachlage notwendig.

Laut aktuellen Umfragen sind 80 Prozent der Bevölkerung gegen den Einsatz von Glyphosat. Die Molkerei Berchtesgadener Land verbietet seit kurzem ihren Lieferanten Glyphosat zu verwenden. Dies zeigt, wie hoch sensibel Verbraucher auf die Verwendung von Herbiziden reagieren.

Um die Verwendung von glyphosat-haltigen Unkrautvernichtungsmitteln spürbar zu vermindern, bitten wir Sie, einen runden Tisch zu diesem Thema einzuberufen. Ziel der Gespräche sollte es sein, dass die derzeitigen Nutzer dieser Mittel und der Handel sich zu einem freiwilligen Selbstverzicht bereit erklären.

Zu den Gesprächen sollten die Vertreter der bäuerlichen Landwirtschaft, Vertreter des Handels, der Kommunen, Vertreter der Hausmeister sowie Verbraucher- und Naturschutzverbände eingeladen werden, außerdem die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt und der Kreisfachberater für Gartenbau.

Weiterhin möchten wir Sie bitten, die Gemeinden, Märkte und Städte anzuschreiben und sie zu bitten, dem Vorbild des Landkreises und seiner Tochtergesellschaften zu folgen und ebenfalls auf glyphosat-haltige Unkrautvernichtungsmittel zu verzichten.

Begründung:

2016 haben Sie das Jahr der Biene ausgerufen. In der Begründung des entsprechenden Antrags für den Umweltausschuss haben Sie darauf hingewiesen, dass die Lebensbedingungen der Blüten bestäubenden Insekten sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert haben.

Am 18.10.2017 wurden die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie publiziert, die eindeutig belegt, was schon seit Jahren vermutet wird. Über den Zeitraum der letzten 27 Jahre ist ein massives Insektensterben (75 Prozent Masseverlust) festgestellt worden und das auf geschützten Flächen. Die Verluste auf intensiver genutzten Flächen sind sicherlich nicht geringer.

Totalherbizide vernichten neben Pflanzen auch Pilze und Mikroorganismen, greifen also intensiv und weitreichend in das Ökosystem sowie die Artenzusammensetzung der Lebensgemeinschaften ein. Auch wenn die Totalherbizide als insektenfreundlich eingestuft sind, vernichten sie letztlich die Nahrungs- und Lebensgrundlage der Insekten. Betroffen sind auch Bienen und Wildbienen deren Bestäubungsleistung für uns Menschen aber von existenzieller Bedeutung ist.

Die Gefährdung der Bienen und Wildbienen sollte eigentlich genügen, um aus Gründen der Vorsorge und Risikominimierung die Totalherbizide sofort aus dem Verkehr zu ziehen.

Dem ist leider nicht so.

Inzwischen ist das Glyphosat auch in unserer Nahrung angekommen. Rückstände befinden sich bereits im Bier und Milchprodukten. Abseits der kontroversen Diskussion, um eine krebserzeugende Wirkung, ist festzuhalten, dass diese Mittel in unseren Lebensmitteln nichts zu suchen hat.

Dass eine landwirtschaftliche Produktion ohne Pflanzenschutzmittel möglich ist, beweisen die ökologisch wirtschaftenden Betriebe. Auch konventionell und extensiv wirtschaftende Betriebe benötigen kein Glyphosat.

Letztlich muss es unser Bemühen sein, das Nahrungsangebot für Bienen und Blütenbestäubern wieder deutlich zu verbessern. Neben einer blühenden Landschaft gehört hierzu eine deutlich gesteigerte Vitalität unsere Böden.

Ein Verzicht auf Totalherbizide ist hierzu ein wichtiger Beitrag. Willi Geistanger

(13. Dezember 2017)

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