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Ludwig Gähler bei seinem Kurzreferat über Stadtplanung im ländlichen Raum. Foto: Herbert Koch

Luftbild des Biomassehofes. Foto: Bio-Massehof Achental

Expertengespräch: Wärmewende in den Kommunen

Die Traunsteiner Kreistagsfraktion von BÜNDNIS90/DIEGRÜNEN veranstalte ein öffentliches Online-Seminar zum Thema „Wärmewende in der Kommune“. Dabei wurde der Bio-Massehof Achental in Grassau durch den Geschäftsführer Wolfgang Wimmer vorgestellt.

Kreisrätin Margarete Winnichner, die das Onlineseminar moderierte, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer „Wärmewende in den Kommunen“, die Referenten Willi Geistanger und Wolfgang Wimmer, den Geschäftsführer des Biomassehofs Grassau. Ebenso hieß sie Bettina Mühlbauer und Peter Pospischil von der Energieagentur Südostbayern und Wolfgang Soyer (Energieberater) als Gäste willkommen.

Frau Winnichner stellte zu Beginn das Engagement von Kreisrat Geistanger heraus: „Willi Geistanger sei als Leiter der Arbeitsgruppe der Kreistagsfraktion die treibende Kraft bei dem Thema „Klimaschutz und Energiewende“

Willi Geistanger skizzierte in seinem Beitrag die derzeitige Situation im Landkreis Traunstein. Jährlich werden ca. 3 Mio. MWh Wärmeenergie verbraucht. Davon verbrauchen die privaten Haushalte ca. 51% und die Wirtschaft 47%, 2% entfallen auf die kommunalen Liegenschaften. Diese Wärmemenge wird zu 74% durch fossile Energieträger erzeugt. Zur Zeit ist jeder Landkreisbürger für 3,7t CO2 – Emissionen pro Jahr verantwortlich. Würde man jährlich 4% dieser Emissionen einsparen, wäre bis 2050 eine Verringerung von 57% möglich.

Dieses ambitionierte Ziel könne laut Kreisrat Geistanger nur erreicht werden, wenn der Landkreis, die Gemeinden, die Bürgerinnen und Bürger und die Wirtschaft eng und effektiv zusammenarbeiten. Hier sollte der Landkreis eine koordinierende Rolle übernehmen.

Nur wenn der Wärmebedarf unserer Gebäude drastisch reduziert wird, ist es möglich die meisten Gebäude mit umweltfreundlich erzeugter Wärme zu versorgen. Ein erheblicher Anteil der Wärmeverluste werde durch schlecht gedämmte Außenwände, Dächer und Fenster verursacht.

Zur Vorgehensweise bei energetischer Sanierung empfiehlt Willi Geistanger zuerst eine Planung zur Reduzierung der Wärmeverluste zu erarbeiten und dann mit dem Dach zu beginnen. Bewährt habe sich auch an den Außenwänden ein Wärmedämmverbundsystem anzubringen. Als letzter Schritt sollte die Heizung saniert werden. Dafür gäbe es zur Zeit großzügige Förderungen, um die man sich aber kümmern müsse.

Bei der Auswahl des Heizstoffes sollte man abwägen, wann Hackschnitzel und wann Pellets Sinn machen, meinte Bürgermeister Stefan Schneider aus Bergen. Hackschnitzel seien regionaler und günstiger, haben aber höhere Investitionskosten und verursachen unter Umständen durch den Hackschnitzelbunker Emissionen. Pellets seien energiedichter.

Kreisrat Sepp Hohlweger aus Ruhpolding blickte schon weiter nach vorne. Er meinte je weniger Wärme unsere Gebäude verbrauchen, desto mehr rücke der Energieverbrauch, der bei der Herstellung der Baustoffe entsteht, in den Vordergrund. Holz als Baustoff verbrauche bei der Herstellung sehr wenig Energie, Beton sehr viel. Dies sei auch der Grund, warum die grünen Kreisrätinnen und Kreisräte sehr großen Wert darauflegen, dass neue Gebäude möglichst in Holzbauweise errichtet werden.

Peter Pospischil von der Energieagentur Südostbayern mit Sitz in Traunstein, stellte die Dringlichkeit des Handelns heraus: „Bei den Gebäuden muss man schnell runter mit dem Verbrauch, das Maximale an Möglichkeiten muss möglichst bald umgesetzt werden.“ Für die Energiewende sollte man die Bedeutung des Wasserstoffes nicht überschätzen: „Wasserstoff wird in Zukunft
eine Rolle spielen, aber eine geringere als man erwartet“. Außerdem sei er momentan 15 mal so teurer wie Gas.

Eine gute Alternative zur Wärmeversorgung sei der Aufbau einer Nah- bzw. Fernwärmeversorgung mit Biomasse, wenn im engeren Umkreis mehrere Gebäude mit Wärme versorgt werden müssen. Wolfgang Wimmer stellte dazu einige Beispiele vor und erläuterte die Projektschritte bis hin zum Betrieb. Als Brennstoff biete sich im südlichen Landkreis natürlich Holz an.

In dem Zusammenhang kritisierte Margret Winnichner die Widerstände gegen den Nasslagerplatz für Holz in Übersee: „Sie habe den Eindruck, dass alle die Energiewende machen wollen, aber nicht vor der eigenen Haustüre.“

Wichtig sei auch, nach Meinung von Herrn Wimmer, dass die Gemeinden die Energieversorgung wieder mit Kommunalbetrieben in die eigene Hand nehmen. Er sei der Überzeugung, dass die Liberalisierung bei der Energieversorgung ein Irrweg ist. Der Bewusstseinswandel ist noch nicht bei allen Akteuren durchgedrungen. Es brauche dazu noch viele Initiativen und Maßnahmen.

Der Fraktionsvorsitzende der Kreistagsfraktion, Christoph Bauhofer, unterstrich die Einschätzung von Herrn Wimmer: „Man kann von den Bürgerinnen und Bürgern und der Wirtschaft schlecht mehr Anstrengungen für den Klimaschutz erwarten, wenn nicht Gemeinden und der Landkreis mit gutem Beispiel vorangehen. Es geht um die Vorbildfunktion der Kommunen und dafür sind die Mandatsträgerinnen und Mandatsträger mit verantwortlich.

Bettina Mühlbauer von der Energieagentur sieht auch Möglichkeiten der Kommunen bei der Unterstützung der Wärmewende: „Mit der Teilnahme an kommunalen Energieeffizienz-/Klimaschutz-Netzwerken rückt bei vielen Kommunen die Notwendigkeit der Wärmewende ins Bewusstsein, damit sind die Verwaltungen selbst, aber auch ihre Bürgerinnen und Bürger erreichbar. Ziel muss sein, das Thema in die Fläche zu bringen.“

(Übersee, 25. Oktober 2021)

Landratskandidatin Gisela Sengl
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