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Martin Czepan, Hans Kern, Sepp Hohlweger, Inge Kämpfl, Burgi Mörtl-Körner, Dr. Michael Hüller und Willi Geistanger.

Auf dem Foto von links: Martin Czepan, Hans Kern, Sepp Hohlweger, Inge Kämpfl, Burgi Mörtl-Körner, Dr. Michael Hüller und Willi Geistanger.

Salzachsanierung im Tittmoninger Becken

Klausur der Kreistagsfraktion: Hochkarätige Referenten eingeladen

Hauptthema der Klausur der Kreistagsfraktion von Bündnis 90/ Die Grünen war das Thema Salzachsanierung im Tittmoninger Becken. Das Tittmoninger Becken umfasst im Wesentlichen den Bereich der Salzach, der auf dem Gebiet des Landkreises Traunstein liegt. Hierzu hatte sich die Fraktion mit Tilmann Zinsser vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein und Ilse Englmaier von Bund Naturschutz zwei hochkarätige Referenten eingeladen. Tilmann Zinsser erklärte zunächst, warum eine Sanierung der Salzach notwendig sei.

Vor dem Jahr 1850 war die Salzach ein Wildfluss, verzweigt, mit vielen Nebenarmen, mehrere 100 Meter breit. Im späten 19. Jahrhundert wurde die Salzach aus Gründen des Hochwasserschutzes, und weil man die Grenze zwischen Österreich und Bayern fixieren wollte, kanalisiert. So wurde die Flussbreite auf ca. 114 Meter eingeengt.

Die Folge war, dass der Fluss sich eintiefte, der Grundwasserspiegel sank, die Gefahr eines Sohldurchschlages stieg. Von einem Sohldurchschlag spricht man, wenn sich infolge von Hochwasser die Flusssohle plötzlich um mehrere Meter eintieft. Bei mehreren Sohldurchschlägen entstanden große Schäden. So kam es beispielsweise 1959 zum Einsturz einer Autobahnbrücke über die Salzach bei Salzburg,

Deshalb möchte man mit flussbaulichen Maßnahmen eine weitere Eintiefung des Flussbettes verhindern. Dies könne am besten dadurch geschehen, dass man die Fließgeschwindigkeit des Flusses mit Hilfe von Querbauwerken und einer Verbreiterung des Flussbettes verlangsame.

Da die Salzach der Grenzfluss zwischen Bayern und Österreich ist, sei eine enge Abstimmung mit dem Nachbarland notwendig. Ob die Sanierung der Salzach im Tittmoninger Becken mit oder ohne Wasserkraftnutzung erfolge, sei jedoch eine politische Entscheidung. Außerdem erklärte Zinsser, dass jede Verbreiterung des Bettes der Salzach mit der Möglichkeit des Grunderwerbs stehe und falle. 

Für die Naturschutzverbände ist es ebenfalls wichtig, dass die Salzach saniert wird. Die Naturschutzverbände befürworten die so genannte Naturflussvariante. Diese verzichtet weitgehend auf Querbauwerke. Die Flusssohle soll bei diesem Konzept durch ein weit verzweigtes Geflecht an Nebenarmen stabilisiert werden. Aus Sicht der Verbände erfüllt nur die Naturflussvariante die gesetzlichen Forderungen, die Vitalität des Flusses zu verbessern und den Fischbestand deutlich zu erhöhen. 

Auch die Landesumweltanwaltschaften von Salzburg und Oberösterreich unterstützen die Naturflussvariante.
Ilse Engmaier wies darauf hin, dass sowohl die bayerischen als auch die österreichischen Naturschutz-, Fischerei- und Kanuverbände den Bau von Wasserkraftwerken ablehnen, da sie die Durchlässigkeit des Flusses für die darin lebenden Fischarten deutlich verschlechtern. 

Auf Nachfrage von Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner wurde übereinstimmend erklärt, dass man beim Einbau von Wasserkraftwerken mit rund 100 Millionen Kilowattstunden Ertrag rechnen könne. Die Kraftwerke sollen von den Grenzkraftwerken, einer Tochter der österreichischen Verbund AG, geplant und betrieben werden. Realistisch sei, dass hiervon 50% im Landkreis Traunstein verbraucht werden können. Dies seien gerade mal 5% des im Landkreis Traunstein verbrauchten Stromes. 

Kreisrat Hohlweger wies darauf hin, dass aufgrund der immer trockener werdenden Sommer eine kontinuierliche Stromerzeugung schwieriger wird. Somit sei die von den Befürwortern der Wasserkraftnutzung hoch gelobte Grundlastfähigkeit stark in Zweifel zu ziehen. 

Kreisrat Dr. Hüller aus Kirchanschöring beweifelte, ob ein eventueller Bau der drei Wasserkraftwerke ohne Subventionen der öffentlichen Hand überhaupt möglich sei. Zudem seien die angedachten Fließgewässerkraftwerke in der Realität noch nicht erprobt worden.  Der Sprecher der Fraktion, Willi Geistanger, zeigte sich ebenfalls skeptisch, ob der von Landrat Walch so vehement geforderte Ausbau der Wasserkraft an der Salzach einen nennenswert Beitrag leisten könne, damit das Ziel des Landkreises, 100% Strom aus Erneuerbaren Energien bis 2020, verwirklicht werden könne.

Es sei auf alle Fälle notwendig, die Stromerzeugung im Landkreis mit Hilfe von PV Anlagen und den Ausbau der Kraft-Wärme-Koppelung mit Hilfe von gasbetriebenen Blockheizkraftwerken deutlich zu beschleunigen. Willi Geistanger

(27. Dezember 2016)

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