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Integration mit Menschlichkeit

Kreisverband der Grünen: Eine Willkommenskultur wäre schön

Keine Wahlveranstaltung im üblichen Sinne war der Abend des Kreisverbandes der „Grünen“ zum Papst-Wort von der „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ über die Situation der Asylbewerber im Landkreis Traunstein im „Gasthof zur Post“. In Form eines Gespräches mit der ehemaligen Asylbewerberin Sheida Shafiee-Akbari aus Grassau warben die Kreisratskandidaten Andreas Herden und Margarete Winnichner sowie Landratskandidat Sepp Hohlweger angesichts zunehmender Asylbewerberzahlen für mehr Menschlichkeit. 

Die geringe Resonanz von nur einer guten Hand voll Zuhörern spiegelt das geringe Interesse und damit die Dringlichkeit des Themas wider. „Wir müssen die Bevölkerung viel mehr über die menschliche Ausnahmesituation der Asylbewerber informieren, damit wir über ein besseres Verständnis für sie einen Zugang zu ihnen finden“, sagte Gesprächsleiterin Winnichner. 

Migrationsleiter Andreas Herden. Foto: Bärbel vom Dorp

Wie leidvoll diese Ausnahmesituation für die heuer in Bayern zu erwartenden etwa 20 000 Asylbewerber ist, schilderte Herden, früherer Gemeindepfarrer in Trostberg und jetziger Migrationsleiter bei der Inneren Mission München. Nach einem Monate langen Weg über die beiden Aufnahmelager in München oder Zirndorf und möglichen Zwischenlagern in den Bezirken, landen die Menschen in den jeweiligen Landkreisen. Dort werden sie –je nach Vorhandensein von Massen- oder Einzelquartieren- aufgeteilt. „Zu wünschen wäre in diesem Stadium eine strukturierte Willkommenskultur, damit sich die Menschen aufgehoben fühlen könnten und zur Ruhe kämen“, so der Kreisratskandidat. 

„Unsere Zwangsflucht aus dem Iran 1986 haben wir wie eine Umweltkatastrophe erlebt. Nichts war mehr wie vorher“, verdeutlichte Sheida ihren damaligen Seelenzustand. Über viele Monate sei dann anschließend eine Odyssee über viele Länder und etliche Stationen in Deutschland bis nach Grassau erfolgt. Zusammen mit 18 Familien aus unterschiedlichen Ländern habe man dann eine zermürbende Wartezeit in großer Ungewissheit ertragen müssen. Am Ende stand schließlich die Ablehnung ihres Ausreisewunsches zu Verwandten in die USA oder nach Kanada. 

„In dieser, von Unsicherheit geprägten Zeit wünscht sich jeder Asylbewerber die Hilfe und das Verständnis der Bevölkerung, von Behörden, Ämtern und Geschäften“, sagt Sheida. Organisierte Begegnungen und Veranstaltungen mit Bürgern könnten in diesem Stadium helfen, die Unterschiede der Kulturkreise aufzuweichen. Auch so genannte Paten, Mentoren oder Lotsen aus der Bevölkerung wären ihrer Meinung nach sinnvoll. 

Migrationsleiter Herden begrüßte „ein gewisses Tauwetter“ in der aktuellen Asylpolitik. So werde man ab 1. März von der jahrelangen Gutschein-Mentalität abgehen und beispielsweise Bargeld statt Essenspakete aushändigen. So könnten sich die Menschen wenigstens ihre gewohnten Gerichte kochen. Auch die mögliche Verdreifachung der Finanzmittel für eine Sozialberatung im neuen Haushalt biete Chancen. 

Für die steigende Zahl von schulpflichtigen Jugendlichen, die ohne Familienanhang einreisen, forderte Herden eine konkrete Betreuung in Jugendhilfeeinrichtungen. 

Sheida bewertete das Erlernen der deutschen Sprache als wichtigste Sofortmaßnahme für die Einreisenden: „Ohne dem ist man nur ein viertel Mensch.“ Auch eine schnellere und unbürokratische Eingliederung in den Arbeitsprozess zählt die Iranerin zu den wichtigsten Bedürfnissen der Asylbewerber. Dazu sei aber eine tolerantere Anerkennung der bisherigen Ausbildung und Berufe der Menschen aus ihren Herkunftsländern erforderlich. 

Landratskandidat Hohlweger hält eine massive Aufstockung der Finanzmittel für vorrangig, um die Sozialkultur für die Asylbewerber zu stärken: „Man kann nicht erwarten, dass alles über das Ehrenamt geregelt wird.“ Bärbel vom Dorp

(26. Februar 2014)

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