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„Olympia 2022 im Chiemgau – wer profitiert?“

Bei der Diskussionsveranstaltung in Traunstein herrscht großer Andrang

Großer Andrang bei der öffentlichen Diskussionsveranstaltung unseres Ortsverbands im Traunsteiner Sailer Keller
Schon eine dreiviertel Stunde vor Beginn unserer Informationsveranstaltung „Olympia 2022 im Chiemgau – wer profitiert?“ fanden sich die ersten Gäste im Traunsteiner Sailer Keller ein. Die Zahl der Besucher war bei siebzig Personen angekommen, als die Kreisvorsitzende Helga Mandl darüber berichtete, dass die Anmeldegebühren für die Winterolympiade 2022 alleine schon 115000 Euro betragen werden und die Bewerbungskosten sich dann auf etwa 28 bis 29 Millionen Euro belaufen werden. Wenn München und somit auch Garmisch und die Landkreise Traunstein und BGL den Zuschlag bekommen werden, werden die Kosten für Olympia voraussichtlich insgesamt 3,2 Milliarden Euro sein. „Natürlich kommen durch Einnahmen Gelder herein, aber in den Verträgen mit dem Internationalen Olympischen Komitee muss immer einer ‚unbegrenzten Defizitgarantie’ zugestimmt werden, dass heißt, eventuelle Verluste bleiben immer bei den austragenden Orten hängen“, sagte Helga Mandl. „Speziell die Sicherheitskosten sind ein noch völlig unbekannter Faktor“, fügte sie hinzu. 

Kreisrat Sepp Hohlweger sagte als nächster Redner, dass die Olympiade natürlich ein Wachstumsmotor sein wird, – aber für wen und für wie lange? „Die großen Bauaufträge werden eher nicht an die kleinen lokalen Firmen gehen, der Handel profitiert nur für die Zeit der Olympiade selbst und der Tourismus nur für ein paar Monate“, meinte Hohlweger. „Und was passiert nach den Spielen mit der erweiterten Bettenkapazität?“, fragte er.

Alexander Reinmiedl ist stellvertretender Jugendleiter der Bayerischen Sportjugend, Kreis Traunstein. Er fragte: „Wenn hier der Spitzensport gefördert wird, was nutzt das dann dem hiesigen Breitensport?“ Die so positiven Aktivitäten wie „Jedes Kind in einen Verein“ und gemeinsame Sporterlebnisse mit Menschen mit Behinderung“ werden dann wahrscheinlich untergehen, befürchtete er.

Die nun folgende Diskussion wurde von der Traunsteiner Stadträtin und Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner geleitet. Es meldeten sich sogleich mehrere Besucher und ergänzten, dass ihrer Meinung nach trotz des Anspruchs „umweltfreundliche Spiele“ die Natur und die Umwelt sehr unter den Veranstaltungen leiden werden. Sepp Hohlweger wusste dazu, dass Langlaufloipen so angelegt werden müssen, dass man sie mit schwerem Gerät befahren und auch dass Schnee angefahren werden kann. Eventuell müssen Chemikalien eingesetzt werden und es wird sogar davon geredet, dass die Langlaufloipen gekühlt werden müssen. Zusätzlich braucht man einen 4 Meter hohen Sicherheitszaun. Beate Rutkowski fügte dem hinzu: „Die Spiele einschließlich der Paralympics dauern von 11. Februar bis 20. März, da fangen bei uns die Blumen zu blühen an.“

Dr. Helmut Gründobler wunderte sich: „ Die St. Moritzer wollen die Olympiade nicht, die Österreicher haben nein gesagt, aber wir reißen uns darum, obwohl wir uns auf völliges Neuland begeben“.

Helmut Mühlbacher brachte ein wichtiges Argument: „Wer erinnert sich denn an die ‚Nebenorte’ der vergangenen Winterspiele? – Die Olympiade wird bei den Leuten mit München in Verbindung gebracht werden, aber die anderen Orte wie Ruhpolding werden sicher nicht in der Erinnerung der Fernsehzuschauer bleiben“.

Einen beeindruckenden Wortbeitrag lieferte zum Abschluss Tarik Tankovic, der selber aktiv bei den Olympischen Winterspielen in Sarajewo 1984 mitgearbeitet hatte: „12 Tage lang konnte kein Mensch mit dem Auto fahren, die Sportstätten waren nur eine Woche voll, und profitiert hat nur das Internationale Olympische Komitee“, sage er.

Zusammenfassend brachte die Veranstaltung eine Fülle von Meinungen und Argumenten. Obwohl die Fragestellung „Olympia 2022 im Chiemgau – wer profitiert?“ ganz neutral gehalten war, waren fast alle Wortbeiträge gegen eine Bewerbung für Olympischen Winterspiele 2022.

Die Bürger im Landkreis haben es nun am 10. November in der Hand, beim Bürgerentscheid sich für oder gegen eine Olympia-Bewerbung auszusprechen.

(22. Oktober 2013)

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