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Stephan Hadulla, Katharina Stadler und Franz Galler.

Franz Galler aus Ainring (rechts) berichtete im Traunsteiner Sailer Keller über Gemeinwohlökonomie. Links im Bild Stadtrat Stephan Hadulla. Ortssprecherin Katharina Stadler (Mitte) leitete die Diskussion.

Veranstaltung mit Gemeinwohl-Koordinator Franz Galler

„Wir leben massivst auf Kosten der folgenden Generationen“, sagte Franz Galler auf unserem öffentlichen grünen Themenabend im Sailer Keller. Es ging um die „Gemeinwohl-Ökonomie“ und die Frage wie wir als Bürger, Unternehmen oder Kommune gemeinwohl-orientiert leben können. Das Wohl von Mensch und Umwelt werde hierbei zum obersten Ziel des Wirtschaftens. Galler ist aus Ainring und ist Koordinator der Gemeinwohl-Regionalgruppe Südostbayern. In seinem Vortrag bezog er sich auf Artikel 151 der Bayer. Verfassung, die da sagt: „Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit dient dem Gemeinwohl…!“ und auf Papst Franziskus, der in seiner Enzyklika „Laudatio Si“ den Begriff „Gemeinwohl“ sage und schreibe 50mal verwendet habe.

Stadtrat Wilfried Schott meinte, dass gemeinwohl-orientiert arbeitende Unternehmen im weltweiten Wettbewerb nur schwer mithalten können und Thomas Lang-Nachtnebel ergänzte: „In der aktuellen Politik laufen doch die meisten Entscheidungen der Gemeinwohl-Idee zuwider.“ Galler zeigte dann eine Weltkarte, in der alle aktuellen Gemeinwohl-Projekte eingezeichnet sind. Auffällig war, dass relativ viele Eintragungen in Südamerika sind, was er mit den Aktivitäten des Mitbegründers der Gemeinwohl-Ökonomie Christian Felber in dieser Region begründete. Helga Mandl wunderte sich und sagte: „Die jüngsten Wahlergebnisse z. B. in Brasilien haben doch mit Gemeinwohl überhaupt nichts zu tun“, worauf Galler antwortete, dass diese südamerikanischen Projekte winzig klein seien im Vergleich zu den anders laufenden Aktivitäten der dortigen Staaten.

Zurück zu unserer Region: Jens Stadler aus Eggstätt fragte „Wie verhalten sich Bürgermeister und Unternehmer in unserer Region?“, worauf Markus Wimmer, der sich ebenfalls für die Gemeinwohl-Ökonomie engagiert, antwortete: „In Kirchanschöring arbeiten Gemeinderäte schon über Parteigrenzen hinweg gemeinwohlorientiert zusammen.“

Stadt- und Kreisrätin Burgi Mörtl-Körner sagte: „Wir Grüne wollen diese Ziele immer schon umsetzen“, und erinnerte an den verstorbenen Sepp Daxenberger, der vor vielen Jahren eine Diskussionsveranstaltung mit Christian Felber organisiert hatte. „Der Impuls für ein Verhalten im Sinne des Gemeinwohls muss von unten kommen“, ergänzte sie.

Wolfried Pauly aus Bad Endorf meinte, dass Genossenschaften und Aktivitäten wie die „solidarische Landwirtschaft“  Wege sind, die wir gehen sollten. Helga Mandl berichtete dann von Aktivitäten des Grünen Europapolitikers Sven Giegold, der sich in Brüssel dafür einsetzt, anstelle des Bruttosozialprodukts eine andere volkswirtschaftliche Kennzahl einzuführen, die auch Aktivitäten im Sinne des Gemeinwohls mit berücksichtigt. „Der in Bhutan entwickelte Index für Bruttonationalglück könnte hierfür eine Anregung sein“, meinten dann mehrere Besucher.

In einem kleinen Spiel mit Freiwilligen aus dem Publikum wurden zum Abschluss der Veranstaltung beispielhaft und mit erstaunlichem Erfolg gemeinwohlorientierte Entscheidungen erarbeitet. Zusammenfassend ließ sich an diesem Abend feststellen, dass das Ziel, in der Wirtschaft vorwiegend zum Wohl von Mensch und Umwelt zu handeln, sicher von fast jedermann geteilt werde, dass in der realen Welt aber wohl noch ein weiter Weg dorthin sei. Wolfgang Wörner

(21. Februar 2019)

 

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