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Sehbehinderte und Radfahrer benachteiligt

Was nützt ein Schild, wenn die Information nicht optimal ist?

Beim öffentlichen Januar-Treffen des Ortsverbandes Traunstein von Bündnis 90/Die Grünen im „Sailer Keller“ ging es um die Probleme von sehbehinderten Mitbürgern und um die Schwierigkeiten für Radfahrer in Traunstein. 

Henrik Chmiel ist vor kurzem nach Traunstein gezogen. Seine sehbehinderte Tochter hat große Probleme in der Stadt, weil die anderswo mittlerweile völlig üblichen Leitsysteme für Blinde und Sehbehinderte kaum zu finden sind. Chmiel erklärte: „Es handelt sich dabei um Pflastersteine mit eingelassenen Rillen, die Sehbehinderte mit ihrem Taststock erfühlen und die ohne große Zusatzkosten bei jedem Straßenumbau verwendet werden können.“ Wolfgang Wörner ärgert sich: „Traunstein ist Modellkommune für Barrierefreiheit, trotzdem wird bei Straßenumbauten nicht an die Sehbehinderten gedacht.“ Und Stadtrat Wilfried Schott ergänzte: „Offensichtlich ist hierfür kein Geld da.“ 

Auch für Radfahrer wird in Traunstein die Situation nicht besser: Stadtrat Thomas Stadler nannte als Beispiele den „verschwundenen“ Radweg an der frisch umgebauten Oberen Hammerstraße und die Situation am Bahnhof: „Beim aktuell in Traunstein durchgeführten ISEK (integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept – wir berichteten) fordern die Bürgerinnen und Bürger ein Radwegkonzept – und was tut Traunstein: Es schafft bestehende Radwege ab.“ 

Ortssprecher Werner Siegl freut sich, dass die Radwegbeschilderung in ganz Bayern nun einheitlich ist: weiße Schilder mit grüner Schrift. Doch was nützt ein Schild, wenn die Information nicht optimal ist? Wer mit dem Zug am Bahnhof ankommt und nach Chieming will, wird über die Crailsheimstraße nach links auf die gefährliche und radweglose Herzog-Friedrich-Straße geschickt. Siegl: „Es wäre doch viel einfacher, wenn die mit dem Zug ankommenden Radler durch die Unterführung hinter den Bahnhof geleitet würden. Von dort kann man dann wesentlich ungefährdeter in Richtung Chieming weiterradeln.“ 

Thomas Lang-Nachtnebel kennt eine weitere seltsame Ausschilderung am Bahnhof: Wer von der Äußeren Rosenheimer Straße beim Busparkplatz auf den Bahnhofsplatz einbiegt, hat den Bahnhof schon in Sichtweite. Lang-Nachtnebel berichtete: „Leider wird der Radfahrer weg vom Bahnhof ebenfalls in die Crailsheimstraße und dann auf die Herzog-Friedrich-Straße geschickt, von der er dann kurz darauf durch den Autoverkehr hindurch nach links in die Bahnhofstraße abbiegen soll.“  

Zum Abschluss erinnerten die Stadträte Burgi Mörtl-Körner und Wilfrid Schott daran, dass die Grünen im vorherigen Stadtrat beantragten, für lediglich 1.000 Euro Mitgliedsbeitrag pro Jahr der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V.“ beizutreten, was die Mehrheit der Stadträte abgelehnt hatte. „Sicherlich hätte Traunstein durch einen Beitritt von den Erfahrungen anderer Kommunen profitieren können“, meinen die beiden Stadträte. Wolfgang Wörner

(28. Januar 2016)

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