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Ludwig Hartmann beim Traunsteiner Grünen-Ortsverband

Stadtrat Stephan Hadulla (rechts) erklärt Hofreiter am Anfang der Crailsheimstraße die für Radfahrer extrem unerfreuliche Situation am Traunsteiner Bahnhof

Verkehrspolitik durch die Windschutzscheibe

Verkehrskonzept vom Februar 2017 bis heute nicht im Stadtrat behandelt

„In Traunstein wird Verkehrspolitik durch die Windschutzscheibe gemacht“, sagte Marcus Rohrmoser auf der öffentlichen Veranstaltung unseres Ortsverbandes im Sailer Keller. „Ich wohne an der Wasserburger Straße und sehe jeden Tag, wie Radfahrer und sogar E-Biker auf dem Gehsteig fahren, weil sie sich nicht auf der Straße fahren trauen.“ Auch Stadtrat Thomas Stadler konnte ein Beispiel hinzufügen: „Auf der Oberen Hammerstraße konnte man früher in Gegenrichtung radeln, jetzt muss man 460 Meter Umweg machen, weil ein paar Schrägparkplätze eingerichtet wurden – gegenüber dem neuen Großparkplatz am Bahnhof.“

„Früher war ein Radweg da“, sagte Ina Holzner zur Situation am Bahnhof. Die Radler werden heute von Süden über die Crailsheim- und Herzog-Friedrich-Straße geführt mit mindestens einer gefährlichen Straßenüberquerung.

Helga Mandl ärgert sich: „Die Stadtverwaltung und ein Großteil des Stadtrats Traunstein denken nur vom Auto her, wo doch bei ISEK (integriertes städtisches Entwicklungskonzept) vor zwei Jahren ein Hauptwunsch der Bürger Verbesserungen für Radfahrer waren.“ Die Straße ist für alle da, doch wenn etwas gebaut oder saniert wird, dann haben die Radfahrer und Fußgänger oft das Nachsehen, meinte Mandl weiter.

Achim Kraus ist der Ansicht, dass in Traunstein vielerorts noch die Prämissen der „autogerechten Stadt“ von 1959 sichtbar sind und Ina Holzner ergänzte, dass es anderswo schon umgekehrt geht: „Ich war in Urlaub an der Ostsee, und da gibt es Fahrradstraßen, mit der Beschilderung ‚für Kfz frei‘“. Stadtrat Wilfried Schott ist ein Befürworter von Tempo 30 und er ist sich sicher: „Da wird der Verkehr menschenfreundlicher“, und Marcus Rohrmoser wusste von einer Untersuchung des Leiters der Rechtsmedizin der Uni München, Wolfram Hell: „Ein Unfall ‚Auto gegen Fußgänger‘ mit Tempo 30, das überleben die meisten, bei 50 km/h jedoch kaum einer.“ Helga Mandl berichtete von einem Ausflug nach Baden-Württemberg: „In vielen Gemeinden ist sogar auf der Hauptdurchgangsstraße Tempo 30 vorgeschrieben – und die Autofahrer halten sich daran.“

Die vom Ortssprecher Wolfgang Wörner geleitete Diskussion ging dann zurück auf das Thema Radfahren: Achim Kraus schlägt an Verkehrsampeln so genannte Aufstellflächen vor, das sind farblich markierte Bereiche für Radfahrer direkt an der Ampel. „Der Radler fährt an den stehenden Autos vorbei und kann dann geschützt und gut sichtbar als erster starten – in Rosenheim und in Ulm gibt es das beispielsweise schon“, erklärte Kraus. Dagmar Haid ist froh, dass in der Bahnhofstraße gegen die Fahrtrichtung geradelt werden darf, „ aber es fehlt eine rote Markierung beim Parkhotel, damit die Autofahrer dies auch gleich erkennen“. Helga Mandl schlug eine Stellplatz-Satzung vor, in der bei allen öffentlichen Gebäuden und städtischen Wohnungen Fahrradabstellplätze zwingend einzurichten sind, wie es in anderen Gemeinden schon gemacht wird.
Fazit der Veranstaltung war es, dass es in Traunstein viel zu verbessern gibt und sich nichts tut. Und Stadtrat Wilfried Schott forderte zu wiederholten Male, dass das Verkehrskonzept, das die Stadt seit Februar 2017 in Händen hat, endlich im Stadtrat behandelt werde.

Am Tag nach der Veranstaltung machte sich Dr. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender im Bundestag und vorher lange Jahre Vorsitzender im Verkehrsausschuss ein Bild von den ungelösten Problemen für Radfahrer in Traunstein. Auf dem Foto erklärt Stadtrat Stephan Hadulla (rechts) Hofreiter am Anfang der Crailsheimstraße die für Radfahrer extrem unerfreuliche Situation am Traunsteiner Bahnhof. Wolfgang Wörner

(13. Mai 2018)

Der Ortsverband Traunstein stellt sich vor.
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