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Hier soll der Bildungscampus entstehen.

Links und rechts der Traunsteiner Güterhallenstraße (im Bild) und an der Stelle der Güterhalle und des Pendlerparkplatzes soll in Traunstein ein Bildungscampus entstehen. Foto: Wolfgang Wörner

„Wir planen wie vor 20 Jahren“

OV Traunstein diskutierte mit Bürgern und Kreisräten über den geplanten Bildungscampus Traunstein

„Bildungscampus Traunstein – eine gute Idee, aber was ist mit dem Jugendzentrum, den geplanten Wohnungen und dem Verkehr?“ Hierüber diskutierten wir im Rahmen unserer monatlichen „Grünen Themenabende“ mit Bürgern aus der Stadt und dem Landkreis Traunstein. Landrat Siegfried Walch hatte vor einigen Wochen Planungen vorgestellt, hinter dem Traunsteiner Bahnhof einen Bildungscampus zu errichten, sowohl für die berufliche Bildung als auch für einen Zweig der Hochschule Rosenheim.

Ortssprecher Wolfgang Wörner fasste in einer kurzen Einführung den Themenkomplex zusammen: „Ein Bildungscampus ist sicher ein Gewinn, aber auf dem Gelände waren bisher Wohnungen, darunter viele Sozialwohnungen vorgesehen, und ein Jugendzentrum, für das es sogar einen Bürgerentscheid gab“, sagte er. Kreisrat Willi Geistanger berichtete darauf: „Bisher ist noch nichts fest beschlossen“ und Franziska Riese vom Landratsamt Traunstein, Abteilung kommunales Bildungsmanagement, ergänzte: „Wir sind dabei, ein Konzept zu entwickeln, die Bildungseinrichtungen der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer, einer Fachrichtung der Hochschule Rosenheim und vielleicht noch mehr hier gemeinsam unterzubringen.“ Kreisrat Sepp Hohlweger fragte dann: „Und was wird mit dem bestehenden Bildungszentrum Mühlwiesen?“ und er machte gleich einen Vorschlag: „Man könnte dort Gewerbe ansiedeln – anstelle den Haidforst abzuholzen.“

Die Planungen sehen weiterhin vor, auf dem Pendlerparkplatz Wohnungen für Studenten und Übernachtungsmöglichkeiten für Berufsschüler zu schaffen. Dafür soll die Güterhalle abgerissen und ein Parkhaus errichtet werden. Darüber hinaus soll es nun auf dem Gelände keine weiteren Wohnungen mehr geben. Martina Himmelstoß machte sich Gedanken. „Da werden also viele Wohnungen nicht realisiert, die Studentenwohnungen werden sicher nicht reichen, also wird sich die Situation für bezahlbare Wohnungen weiter verschlechtern – und das bei so vielen Leerständen in der Stadt.“ Der Bürgermeister von Bergen, Stefan Schneider betonte: „Es geht bei dem Projekt um den ganzen Landkreis, auch ein Parkhaus an dieser Stelle ist immer für die ganze Region“.

Kreisrat Michael Hüller war über die Verkehrsplanungen erstaunt: „Wir planen wie vor 20 Jahren, aber wir müssen bis 2030 den CO2-Ausstoß halbieren, auch in Traunstein“ und weiter: „Kein Parkhaus, enge Taktung bei Bus und Bahn, Freiburg macht es uns vor mit einem Bundesliga-Stadion fast ohne Parkplätze.“ „Ich will nicht eines Tages mit Atemmaske rumlaufen, wie die Leute in Peking, deshalb ist ein Parkhaus eine sinnlose Investition“, sagte Benny.

Eine Gruppe Jugendlicher war gekommen und machte sich für ein Jugendzentrum stark. Samuel ergänzte: „Wir möchten uns nicht immer irgendwo im Park aufhalten, wo wir dann vertrieben werden.“ Momentan gibt es in Traunstein nur einen Jugendtreff, und dieser ist für den Andrang und das Interesse viel zu klein. Benny sagte es drastisch: „Der aktuelle Jugendtreff ist ein Witz.“ Jugendreferent Thomas Stadler schaut in die Zukunft: „Der Bildungscampus gäbe uns die Chance, dort ein Jugendzentrum zu integrieren“; er ärgerte sich sichtlich über die Äußerung von Landrat Walch. Dieser habe gesagt, so werde es gemacht (also kein Jugendzentrum) und es gebe auch keine Diskussion darüber.

Auch die Kreisvorsitzende Helga Mandl meinte, dass es ist doch toll sei, wenn es Bürger und Stadträte gibt, die sich Gedanken machen und sich für ein Jugendzentrum, für Wohnungen und für Verkehrsvermeidung einsetzen. „Warum wird das oft so negativ dargestellt, wenn jemand Fragen stellt?“ sagte sie. Die Verkehrssituation am Annette-Kolb-Gymnasium jeden Morgen und auch mittags ist schon heute chaotisch und wird durch dem Campus nicht besser werden. Patrick Nepper fragte: „Wie wollen wir den Verkehr gestalten, dass wir nicht auf einen totalen Infarkt hinlaufen?“ Und so entwickelte ein Besucher eine Idee: „Traut Euch, macht den Campus komplett autofrei, einschließlich Annette-Kolb-Gymnasium, ihr werdet sehen, die Leute kommen gerne mit dem Bus, dem Zug, mit dem Fahrrad oder zu Fuß.“
Wolfgang Wörner

(18. Juni 2019)

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