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Chiemgau-Zeitung

100 Tage im Amt

Interview der Chiemgau-Zeitung mit Bürgermeister Stefan Schneider

Was war in den ersten 100 Tagen im Amt als Bürgermeister ihre spannendste Erfahrung?

Eine der schönsten und erfreulichsten Erfahrung ist die Tatsache, dass alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die Landräte sehr offen, vertrauensvoll einen grünen Neuling in ihren Kreis aufnehmen. Man spürt kein Kirchturmdenken, sondern ganz im Gegenteil überall den Willen, unsere Region nach vorne zu bringen und für unsere Bürgerinnen und Bürger das Beste zu erreichen.

Sie hatten vor Ihrer Wahl einige Monate Zeit, als Zweiter Bürgermeister die Amtsgeschäfte zu führen. Was hat sich jetzt für Sie geändert?

Als 2. Bürgermeister hatte ich keine Zeit! Alle ehrenamtlichen Bürgermeister verdienen höchsten Respekt, zwei Berufe parallel zu bewältigen. Geändert hat sich jetzt, dass jeder Bürger kurzfristig einen Termin bekommen kann. Ferner kann ich jetzt Zug um Zug jede Einrichtung der Gemeinde besuchen und die Wünsche und Sorgen erfahren.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat?

Wir kennen uns alle schon sehr lange und sehr gut. Mich freut die Art und Weise, wie wir persönlich miteinander umgehen. Natürlich ist es im Moment relativ einfach, da die großen (Wahlkampf-)Themen Kläranlage und Kanal praktisch keinen Entscheidungsspielraum zulassen. Beim Hochwasserschutz müssen wir die neueste Planung abwarten, ob wir wollen oder nicht. 

Wie geht das Gremium damit um, wenn Sie eine Frage nicht beantworten können?

Seriöse Politik bedeutet für mich, nur gesicherte Aussagen zu machen. Insbesondere in der Zeit als 2. Bürgermeister wusste ich die Kompetenz unseres Geschäftsleiters zu schätzen und zu nutzen. Wir versuchen, jede Woche gemeinsam mit dem Kämmerer und dem Bauamtsleiter in einer mehrstündigen Besprechung uns gegenseitig auf aktuellen Stand in den wichtigsten Dingen zu halten. Jeder Gemeinderat versteht, dass eine Antwort mit Qualität der Schnelligkeit vorzuziehen ist.

Und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?

In der Verwaltung, im Bauhof, im Kindergarten, Kindergrippe, in der Schule mit Mittagsbetreuung, in der Kläranlage, im Schwimmbad arbeiten sehr motivierte, erfahrene Menschen, die alle in ihrem Bereich das Beste erreichen wollen. Ich verstehe meine Aufgabe als Verwaltungsleiter so, sie so weit wie möglich individuell zu unterstützen und mit allen Führungskräften eine gemeinsame Linie zu finden und zu gehen. Die politische Linie entscheidet selbstverständlich der Gemeinderat.

Sie hatten sich vor der Wahl Ziele gesteckt: Was haben Sie davon bisher umsetzen können oder auf den Weg gebracht?

Ziel war nie, in den ersten einhundert Tagen alles zu ändern. Ich komme aus der Industrie, die Verwaltung muss mich, meine Denkstrukturen und Entscheidungswege kennenlernen. Genauso muss ich die Verwaltungswege verstehen. Meine Ziele sind langfristig, auf breiter Basis die richtigen Wege für die Gemeinde zu finden und umzusetzen.

Was war in den ersten Monaten Ihr größter Erfolg? Was Ihre größte Enttäuschung?

Der schönste Erfolg ist die Zusammenarbeit im Gemeinderat und in der Verwaltung. Nach einhundert Tagen kann und darf es noch keine Enttäuschung geben. Wenn manches noch nicht so schnell passiert oder umgesetzt werden kann wie von mir gedacht, heißt es nachzusetzen, nachzufragen und zu verstehen. Gemeindearbeit ist doch kein Wunschkonzert.

Wie werten Sie die Resonanz aus der Bevölkerung auf Ihre Arbeit?

Es wäre, denke ich, vermessen, jetzt schon die Bevölkerung um ihre Meinung zu fragen. Der Wahlkampf ist vorbei, die Menschen sollen kommen, sich beteiligen und uns ihre Meinung sagen. Sowohl positiv, als auch negativ, und in fünf Jahren werde ich mich wieder der Wahl und dem Urteil der Bürger stellen.

Wie kommt Ihre Familie mit Ihrem neuen Beruf zurecht?

Meine Kinder sind nicht mehr zu Hause und stehen auf eigenen Füßen. In den Zeiten, wo wir uns sehen, zählt die Familie und die Zukunft der Kinder. Meine Frau war immer gewohnt, dass ich beruflich, privat abends und auch am Wochenende unterwegs bin. Wir müssen jetzt einen Weg finden, uns bewusst Freiräume für unsere Beziehung zu schaffen.

Bleibt Ihnen noch Freizeit? Wie gestalten Sie Ihre freien Stunden?

Die Bürger haben verdient, dass ich als neuer Bürgermeister alles kennenlerne. Ich versuche ihre Anliegen zu verstehen und zu berücksichtigen. So bleibt mir im Moment viel weniger Zeit für Familie, Freunde, Nachbarn und Haus mit Garten. Die Vielseitigkeit des Bürgermeisteramts bedingt jetzt einen hohen Aufwand, mit der Zeit werde ich mit Sicherheit die Balance finden.

(13. März 2015)

 

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