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Slow Food statt Fast Food

Die Entdeckung der Langsamkeit beim Essen

Die Genehmigung einer McDonalds-Filiale durch den Grabenstätter Gemeinderat am Kreisverkehr an der Autobahn München-Salzburg nahm der Ortsverband Chiemsee-Ost von Bündnis90/Die Grünen zum Anlass, ihren zweimonatlichen Themenabend unter das Motto „Slow Food statt Fast Food“ zu stellen. So war zum gut besuchten Themenabend im Gasthof „Grabenstätter Hof“ in Grabenstätt Slow-Food-Mitglied und Demeter-Bäcker Toni Mirlach aus Palling als Referent geladen. Grünen-Sprecherin Gisela Sengl aus Sondermoning meinte, dass es bereits genug „Fast Food“ gäbe und dass es sehr verwunderlich sei, dass bayerische Gemeinderäte amerikanischen Konzernen die Genehmigungen erteilten, ihre hässlichen Schnellimbiss-„Tempel“ teils vor der herrlichen Bergkulisse und Landschaft errichten zu dürfen. Die Grünen seien gegen Fast Food, da man um dessen negative globale Auswirkungen wisse, bekräftigt sie ihre Ablehnung.

Zum Thema passte somit auch, dass der italienische Journalisten Carlo Petrini die Slow-Food-Bewegung aus Protest darüber gegründet hatte, dass McDonalds an der Spanischen Treppe in Rom eine seiner Filialen eröffnete. Also wurde mit einer langen Tafel und regionalen, heimischen Lebensmitteln „dagegengetafelt“. Das war vor über 20 Jahren. Mittlerweile haben sich der Slow-Food-Bewegung weltweit über 100.000 Menschen angeschlossen, allein in Deutschland sind es mehr als 10.000 mündige Bürger, die sich in 96 Ortsgruppen, Convivien (Tafelrunden) genannt, organisieren.

Die SF-Ortsgruppe Chiemgau-Rosenheimer Land sei seit ihrer Gründung vor sechs Jahren auf etwa 120 Mitglieder und 10 Fördermitglieder angewachsen, erzählte Toni Mirlach. Ein Indiz dafür, dass sauberes Essen und Trinken die Menschen bewege, sei auch, dass sich Gaststätten und Firmen dafür entscheiden, Slow-Food-Fördermitglieder zu werden, freute sich Bäcker Mirlach, der selbst Fördermitglied ist. Um die Vorteile der „Langsamkeit“ zu demonstrieren, hatte Mirlach ein herrlich knuspriges Baguette zur Verkostung dabei, dessen Teig lediglich 1 Gramm Hefe pro Kilo Mehl zugesetzt wurde. Das Geheimnis sei die langsame Teigführung, erklärt der Pallinger Bäcker-Meister.

Wie hoch die Messlatte bei einer Gaststätte gesetzt werde, bevor bei Slow Food für sie geworben werde, wollten Teilnehmer wissen. Die Köche sollten regionale und saisonale Waren und keine Fertigprodukte oder Geschmacksverstärker verwenden, war die Antwort. Und schmecken sollte es natürlich auch. Löbliche Beispiele, wie das funktioniert, seien das „Forsthaus Adlgaß“ in Inzell und die „Zellerwand“ in Mettenham bei Schleching. So sei jetzt – nach dem Vorbild des italienischen Osteria-Führers, der jedes Jahr überarbeitet werde, ein Genussführer von Slow Food für Deutschland in Arbeit.

Hans Dandl aus Sondermoning monierte, dass es in weiterführenden Schulen leider keinen Hauswirtschaftsunterricht mehr gebe. In den Grund- und  Hauptschulen werde häufig auf „Packerlprodukte“ zurückgegriffen. „Woher sollen Kinder und Jugendliche denn noch wissen, wie gute Lebensmittel schmecken?“, frage er sich. Das nahm Mirlach zum Anlass darauf hinzuweisen, dass Slow Food Geschmacksschulungen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene anbietet. So nimmt dieses Thema auf der (Slow Food-) „Messe des guten Geschmacks“, die Mitte April in Stuttgart stattfindet, einen breiten Raum ein. In München gebe es sogar ein „Slow Mobil“, einen zur Küche und „Speiswagen“ ausgebauten Bauwagen, mit dem man zu Kindergärten und Tagesstätten fahre, um mit Kindern und Jugendlichen zu kochen und zu essen – und natürlich auch, um über die frischen, jahreszeitgemäßen Produkte, die man verwendet, zu sprechen.

Bernhard Hennes („Chiemgauer Freilandeier“, Langenspach bei Erlstätt) von den Direktvermarktern Traunstein/Berchtesgadener Land fragte an, ob Slow Food heuer am Bauernmarkt in Traunstein eine Geschmacksschulung für Kinder mit regionalen Produkte anbieten wolle. Was eine spontane Zusage nach sich zog, weil es bei Slow Food auch um die Vernetzung von Verbrauchern und Herstellern gehe. Letztere sollten jedoch nach den Prinzipien von „Gut (Lebensmittel), sauber (umweltfreundliche Produktion, artgerechte Tierhaltung), fair (Preise für Erzeuger und Verbraucher)“ produzieren oder handeln, wurde erklärt. Natürlich war bei der Versammlung auch das Reaktorunglück in Japan ein Thema – Atomkraft und gesunde, naturbelassene Lebensmittel sind ohnehin Kernthemen der Grünen. Herbert Zeilinger

(12. April 2011)

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