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„Verkehr runter, Lebensqualität rauf!“

Dr. Anton Hofreiter spricht über die Verkehrssituation in Chieming

Was können wir Chieminger tun, um den Verkehr im Ort zu begrenzen und die Lebensqualität zu steigern? Anhand dieser Fragestellung hielt der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses einen informativen und mitreißenden Vortrag vor sehr gemischtem, keineswegs unkritischem Publikum. Scharf kritisierte er die bayrische Verkehrspolitik nach dem Motto „Der freie Verkehrsfluss hat oberste Priorität“. Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer, Lebensqualität und Umweltschutz kämen hierbei deutlich zu kurz. Und obwohl Deutschland über das dichteste Straßennetz der Welt verfüge, kann von freiem Verkehrsfluss auf vielen Strecken eh nicht die Rede sein. Die Antwort der CSU lautet: Noch mehr Beton und Asphalt! Nach Meinung Hofreiters würde viel zu sehr auf Auto- und Schwerlastverkehr gesetzt, anstatt endlich erwiesenermaßen funktionierende Alternativen anzubieten. So könnte z.B. durch intelligente Taktung und Verknüpfung von Buslinien der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) deutlich attraktiver werden.

Mit der wachsenden Zahl an alten Menschen würde auch die Nachfrage nach praxisgerechter Mobilität per Bus und Bahn immer vordringlicher. Im Güterverkehr könnte die Bahn bei entsprechendem politischen Willen viele Mängel abstellen und so entschieden mehr „Brummis“ auf die Schiene bringen.

Was nun die Chieminger Hauptproblematik betrifft, die stark belastete Ortsdurchfahrt, so stellte Hofreiter folgende Gedanken vor: Grundsätzlich steigen Lebensqualität und Sicherheit mit sinkender Geschwindigkeit des durchrollenden Verkehrs. In Chieming gibt es starke Argumente für eine Tempo-30-Zone auch auf der Hauptstraße: unübersichtliche Kurven (Pfeffersee, Unterwirt), starkes Gefälle im Bereich der Kirche, und die Fußgänger überqueren auf ganzer Länge die Straße, konzentrieren sich also nicht an zwei oder drei Stellen, die man mit Zebrastreifen o.Ä. sichern könnte. Tempo-30-Zonen regulieren den Verkehr tatsächlich um etwa 20 km/h herab, denn wer gewohnheitsmäßig in einer 50er-Zone 60 km/h fährt, drosselt nun doch auf 40, auch wenn nur sehr selten kontrolliert wird. Wenn man sich nun noch vor Augen führt, dass eine derart reduzierte Geschwindigkeit die Ortsdurchfahrt nur unwesentlich verlängert (weniger als eine Minute), dass Unfälle mit Fußgängern und Radlern bei Tempo 30 neunmal weniger Todesfälle verursachen als bei Tempo 50, und dass der Lärmpegel in unserem Ferienort enorm sinkt – was spricht dann noch gegen Tempo 30 zwischen Pfeffersee und Theresienstraße? Diese und andere Maßnahmen würden auch mehr Schwerlastverkehr auf die B304 umlenken. Sehr wichtig wäre laut Hofreiter auch die feste Installation einer Bedarfsampel für die Schulkinder und dass der Zebrastreifen für Autofahrer viel deutlicher sichtbar gemacht wird.

Um diese sinnvollen Ziele auch gegen mauernde Behörden und Politiker durchzusetzen, empfiehlt der erfahrene Verkehrspolitiker, immer wieder die „Lästigkeitsschwelle“ zu überschreiten.

(2. Juni 2013)

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