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Wie können wir die Energiewende vorantreiben?

Ausstieg aus Kernenergie muss zu Regionalisierung führen

Gleich drei Referenten waren der Einladung des Grünen-OV Chiemsee-Ost gefolgt, um im gut besetzten Nebenraum des Gasthof Zenz in Sondermoning den Zuhörern die Chancen und Risiken der Energiewende zu erläutern: Martin Czepan, grüner Stadt- und Kreisrat aus Traunreut, Franz Lucas, Unternehmer und Fachmann für Kraft/Wärmekopplung sowie Dr. Franz Sengl, Geologe und Spezialist für Tiefengeothermie. 

Die drei Vortragenden waren sich in einem Punkt absolut einig: Der Ausstieg aus der Kernenergie muss zu einer Regionalisierung der Energieversorgung führen. Weg von den teuren Energiemonopolen und hin zu sparsamen, kleinteiligen Strukturen. Der Landkreis Traunstein habe hier die richtigen Weichen gestellt, sagte Martin Czepan. Bis 2020 will man bei der Stromversorgung vollkommen autark sein und nur noch regenerative Energiequellen nutzen. Für den Traunreuter Stadtrat ist es von großer Bedeutung, dass die erforderlichen Investitionen zu einem guten Teil im Landkreis verbleiben und viele Aufträge in die heimische Wirtschaft fließen. Manches ist schon geschehen. Derzeit wird bereits über die Hälfte des jährlichen Gesamtbedarfes von 650 Mio. Kilowattstunden aus erneuerbaren Energien gedeckt.  

Neben der Nutzung alternativer Energien ist die sparsame Verwendung fossiler Energieträger  besonders wichtig. Herkömmliche Großkraftwerke arbeiten laut Franz Lucas in der Regel äußerst ineffizient. Von der eingesetzten Energie kommen weniger als 30% beim Verbraucher an. Der Rest geht als Wärme- und Leitungsverlust verloren. Viel effizienter, erläuterte Lucas weiter, arbeiten dagegen Kleinkraftwerke, die direkt beim Endkunden angesiedelt sind. Ein Blockheizkraftwerk eines Wohn- oder Mietshauses erreicht beispielsweise eine Energie-Ausbeute von nahezu 90%. Wenn die Energiewende erfolgreich sein kann, dann mit solchen energiesparenden Methoden. Für die eigenständige Verteilung des Stromes in den Kommunen müssten allerdings die Netze zurückgekauft werden. Ein zunächst recht teures Unterfangen. Franz Lucas ist aber überzeugt, dass sich langfristig gesehen, kommunale Stromversorgungskonzepte auszahlen werden, weil hier die Interessen der Bürger und nicht die der Energiekonzerne im Mittelpunkt stehen.

In Bayern kann mit Geothermie günstig Strom und Wärme produziert werden. Diese Feststellung, überraschte die Zuhörer im Gasthof Zenz doch etwas. Dr. Franz Sengl weiß es aber genau. Er ist spezialisiert auf diese ausgefallene Technik. Mit zwei 3,5 bis 4 km tiefen Bohrungen kann 90 bis 140 Grad heißes Wasser gefördert und genutzt werden. Saubere Energie, die in der Regel zwischen 300 und 400 Jahre hält, so der Geothermie-Spezialist. Oberbayern ist für diese Art der Energiegewinnung besonders geeignet, weil es über eine stabile Bodenbeschaffenheit verfügt. Bei einer Energiequelle die so lange sprudelt, sind die durchschnittlichen Gesamtkosten von 10 bis 15 Mio. € relativ gering. Für Dr. Sengel ist das eine umweltfreundliche Investition in die Zukunft.

Die abschließende Diskussion machte noch einmal klar, dass ohne eine Änderung der Monopolstrukturen eine Energiewende nicht gelingen kann. Die Gemeinden und Landkreise sind daher gut beraten, ihre eigenen Möglichkeiten der Energieerzeugung und -verteilung zu nutzen, um möglichst unabhängig in eine Zukunft ohne Atomstrom gehen zu können. Richard Danhof

(24. November 2011)

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