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Unsere neue Ortsmitte

Hintergründe – zusammengestellt von Marquartsteins zweiter Bürgermeisterin Claudia Kraus

Das Besondere an Marquartstein ist, dass es keine eigentliche Mitte gibt. Historisch gesehen ist der Ort in den alten Teil, östlich der Tiroler Ache und den neueren Teil, westlich der Ache, geteilt, verbunden durch eine Bogenbrücke. Die „gefühlte“ Mitte liegt heute auf der Westseite der Ache, im verkehrsberuhigten Bereich am südlichen Ende der Staudacher Straße. Das ansteigende Verkehrsaufkommen auf der Bahnhofstrasse, der Abriss des alten Bahnhofes, das neue Rathaus an dessen Stelle sorgen für eine zusätzliche trennende Wirkung im Ortsbild.

Nach der Aufnahme von Marquartstein in das Städtebauförderprogramm „Aktive Zentren“ im Jahr 2008 wurde für die Entwicklung des Ortszentrums eine aktive Bürgerbeteiligung gestartet. Die Ideen daraus flossen in das 2011 erstellte Entwicklungskonzept ISEK mit ein und dienen auch heute noch als Grundlage für die politische Arbeit in unsrer Gemeinde. Allerdings haben sich in all den Jahren auch markante Veränderungen in den Rahmenbedingungen ergeben. So ist in städtebaulicher Hinsicht durch den Verkauf des Schrobenhauser-Areals eine völlig neue Situation entstanden, die es ermöglicht, nun erstmals über die gesamte, auch die zwischen den gemeindlichen Grundstücken liegende Schrobenhauserfläche, zu planen. Um weiterhin die wichtigen Gelder aus der Städtebauförderung zu erhalten, musste vor dem Start eines entsprechenden Planungswettbewerbes eine Feinuntersuchung über die veränderte Fläche vorgeschaltet werden. Diese veränderte Fläche bietet für Marquartstein eine große Chance eine deutlich erlebbare Ortsmitte zu gestalten, d.h. die zwei Ausrichtungen der Grundstücke zur Bahnhofstrasse wie zur südlichen Staudacher Straße aufzugreifen und miteinander zu verbinden. Die für 2020 vom Straßenbauamt angekündigte Sanierung der durch den Ort führenden B305 ist für die Gemeinde eine zusätzliche Gelegenheit die Bahnhofstrasse so umzugestalten, dass sie sich trotz Verkehr besser in das Ortsbild integriert und die trennende Wirkung schwächer wird.

In vielen intensiven Arbeitseinheiten im Laufe der vergangenen zwölf Monate hat sich der Gemeinderat auf folgende Nutzungsverteilung geeinigt:

Umfeld Rathaus: Veranstaltungssaal, Pfarrheim und Pfarrbüro, Trachtenverein, Kindergarten

Umfeld Staudacher straße: Bücherei, Ärztehaus, Apotheke, Sporthaus, Wohnen,

Diese Nutzungsverortungen sind Grundlage für den nun zu startenden Planungswettbewerb , der in enger Abstimmung mit dem neuen Eigentümer des Schrobenhauser-Areals erfolgen wird. Die Ergebnisse daraus werden dann in einen Bebauungsplan eingearbeitet.

All diese aufgeführten Entscheidungen und Planungen sind von großer Tragweite für unsre Gemeinde und setzen fundierte sorgfältige Überlegungen voraus. Dafür muss man sich die angemessene Zeit nehmen. Jede Maßnahme wirkt sich auf die Gesamtkonzeption aus, verzahnt sich mit dem großen Ganzen und muss immer wieder auf die übergeordnete Zielsetzung, nämlich die einer neuen lebendigen Ortsmitte , abgestimmt werden.

(Claudia Kraus)

 

Ortsentwicklung in Marquartstein

Schritt für Schritt statt blinder Aktionismus

Bei einer Informationsveranstaltung von Bündnis 90/Die Grünen – Offene Liste Marquartstein erläuterten deren vier Gemeinderäte die aktuell anstehenden Veränderungen in der Ortsmitte von Marquartstein. Wie ein roter Faden zog sich durch den Abend die Erkenntnis, dass es nicht zuletzt wegen der Fördermittel wichtig sei, dass Schritt für Schritt vorgegangen werde, anstatt ungeduldig Entscheidungen zu einzelnen Maßnahmen zu treffen. Alle Maßnahmen griffen demnach zusammen, keine könne ohne die anderen getroffen werden. Dazu zweite Bürgermeisterin Claudia Kraus: „Wenn sich markante Eckpunkte verändern, muss darauf entsprechend reagiert werden. Eine dieser bedeutsamen Veränderungen sei der Verkauf des Schrobenhauser-Areals an einen Investor, der für sein weiteres Vorhaben die enge Abstimmung mit der Gemeinde sucht.“ Die 2011 im Rahmen der Bürgerbeteiligung festgeschriebenen Entwicklungsleitlinien seien aber nach wie vor die Basis für Entscheidungen, so Kraus. Aus dem Zuhörerkreis meinte Christian Dögerl hierzu, dass die Gemeinde auch dieses Grundstück hätte kaufen sollen. Dem widersprach Gemeinderat Toni Entfellner: „Die Gemeinde ist kein Investor und hat nicht die Möglichkeiten eines Investors. Der jetzige ist ein Glücksfall und hat sich als sehr kooperativ erwiesen. Er will die Fläche gemeinsam mit der Gemeinde entwickeln“. Gemeinderat Lloyd ergänzte: „Ein Investor, der durch den Kauf des Areals schon Geld eingesetzt hat, kann nicht einfach wieder aussteigen. Er hat daher ein großes, eigenes Interesse mit der Gemeinde zusammen zu arbeiten“.

Ein weiteres Thema war die Entwicklung des Areals hinter dem Rathaus. Da der Prinzregentensaal aus Lärmschutzgründen und aufgrund der Entscheidung des Eigentümers definitiv nicht mehr von der Gemeinde erworben werde, müsse man über einen Veranstaltungsraum im Bereich des ehemaligen Wertstoffhofes nachdenken. Dort sei die Lärmsituation weitaus besser, da die meisten Störungen beim Verlassen des Gebäudes entstünden, so Entfellner. In ein solches neu zu errichtendes Gebäude würden auch andere Nutzungen integriert. Hier stünden aber noch Entscheidungen seitens anderer Institutionen aus, zum Beispiel der Kirche hinsichtlich einer Verlagerung von Pfarramt und Kindergarten, so Entfellner weiter.

Die Umgestaltung der B 305 erläuterte Michael Elgass. Er verwies unter anderem darauf, dass die Realisierung eines Kreisverkehrs an der Kreuzung Schlechinger / Lanzinger Straße nicht möglich sei. „Die Gemeinde kann die erforderliche Fläche vom Eigentümer nicht erwerben, da dessen Bedingungen für die Gemeinde unannehmbar sind. Dies ist einhelliger Beschluss des Gemeinderats,“ ergänzte Lloyd. Ein weiterer Zuhörer, Tobias Bergmann, fragte hier nach der Möglichkeit eines sogenannten Minikreisels. Hier würde aber nach Angaben von Elgass das zuständige Straßenbauamt eher eine Gefahr sehen, da insbesondere große LKW einen solchen Minikreisel einfach überfahren würden.

Christine Branz stellte die geplante Pflasterung des Mittelstreifens gerade im Bereich der Rathauskurve in Frage. Diese solle als optische Verengung und damit Temporeduzierung dienen, so Lloyd. Eine Erhebung als Insel sei hier nicht möglich u. a. wegen der dann problematischen Schneeräumsituation im Winter. Vor und nach einer solchen Insel würden vom Schneepflug sogenannte Schneefahnen entstehen, die das Überqueren für Fußgänger im Winter noch schwieriger machen würde. Hier sei im übrigen eine weitere Fußgängerampel geplant, wie Elgass zu berichten wusste. Dies begrüßte auch Dögerl. Laut Elgass sei auch geplant, die Busbucht in diesem Bereich barrierefrei zu gestalten.

Elgass erläuterte auch die geplante Situierung der Bushaltestelle am südlichen Ortseingang von Marquartstein: „Hier muss durch einen Fahrbahnteiler die Geschwindigkeit vor allem der ortsauswärts fahrenden Fahrzeuge deutlich verringert werden. Dem pflichtete auch Dögerl bei, der aufgrund dieser schnell fahrenden Fahrzeuge ein Gefahrenpotential an der Einmündung der B 307 in die B 305 sah.

In der anschließenden Diskussion fragte Christiane Elgass nach einer Förderung für das Gewerbe, weil schon wieder ein Betrieb aus Marquartstein abgewandert sei. Laut Lloyd sei das eigentliche Problem, dass der frühere Bürgermeister mit der damals CSU-geführten Mehrheit des Gemeinderats ein Gewerbegebiet in privater Hand beschlossen hatte: „Die Gemeinde hat damals die Entscheidungshoheit aus der Hand gegeben. Gerade für arbeitsplatzintensive Betriebe, die wir als Gemeinde suchen, sind die Bedingungen, die der Eigentümer stellt, aber unannehmbar“.

(Pressetext; ll)

(29.11.19)

Der Ortsverband Marquartstein stellt sich vor.
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