Carolin Hufnagl, Florian Tahedl, Maria Spitz, Gisela Sengl, Michael Steinmaßl, Max Steinmaßl und Katharina Stöckl

Carolin Hufnagl, Florian Tahedl, Maria Spitz, Gisela Sengl, Michael Steinmaßl, Max Steinmaßl und Katharina Stöckl (von links) beim Vortragsabend zum Thema „Bio, unverpackt und mehr“.

Bio, unverpackt und mehr

Landratskandidatin Gisela Sengl zu Gast bei den Anschöringer Grünen

Im vollbesetzten Salitersaal in Kirchanschöring haben die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und der Biolandwirt und Direktvermarkter Michael Steinmaßl zum Thema „Bio, unverpackt und mehr“ informiert. Mit einem Überblick über das Essverhalten der Menschen und den daraus resultierenden Folgen für die Herstellung von Lebensmitteln stieg Gisela Sengl, Kandidatin für das Amt der Landrätin im Landkreis Traunstein, in ihren Vortrag ein. Für sie als Bio-Bäuerin steht ganz klar fest: „Bio kann die Welt ernähren!“

Durch das Volksbegehren für Artenschutz ist es mittlerweile Gesetz, dass die bayerische Landwirtschaft 2030 einen Bio-Anteil von 30 Prozent haben muss. So haben die Bürger entschieden und das gilt es jetzt umzusetzen. Landwirte sollten bereits während ihrer Ausbildung mit dem ökologischen Wirtschaften in Berührung kommen und kompetente Beratung erhalten, wenn sie mit dem Gedanken spielen, ihren Betrieb umzustellen. Ein Ziel muss es sein, die Anzahl der Tiere mit der bewirtschafteten Fläche in Einklang zu bringen. Gleichzeitig muss man sich auch um die Vermarktung und den Absatz kümmern.

Regionales in die Gemeinschaftseinrichtungen!

Öffentliche Einrichtungen müssten mit gutem Beispiel voran gehen und hochwertige Lebensmittel, am besten biologisch und regional erzeugt, in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern, Kindergärten, Schulen und Kantinen anbieten, forderte Gisela Sengl. Im Gegensatz dazu die aktuelle Umstellung des Krankenhausessens im Kreisklinikum Traunstein: „Cook and Chill“ aus Rheinhessen – schlimmer geht’s nimmer. Kochen soll ein Handwerk sein, an dem man Freude hat, Packerl aufreißen und Essen auftauen erfülle nicht die Vorstellungen eines erfüllten Arbeitstages und die Qualität der Lebensmittel ist fragwürdig.

Während die Landwirte in Bayern Milch und Käse für den Export produzieren, muss Obst und Gemüse importiert werden. Nicht einmal bei Kartoffeln und Zwiebeln wird zu 100 Prozent Selbstversorgung erreicht. Autarkie in Sachen Lebensmittel ist grundsätzlich in kleinen Einheiten anzustreben. „Bio und regional ist die Königsdisziplin!“, betont die charismatische Rednerin. Die Ökomodellregion muss langfristig verlässlich installiert und am besten auf Landkreisebene ausgedehnt werden. Ein Regionaltag im Landkreis im Jahr, wie es ihn derzeit gibt, reicht nicht aus, um diese Themen voran zu treiben.

Es geht mit weniger Fleisch…

Jetzt hat Michael Steinmaßl, weithin bekannt als „Bio-Michi“, das Wort und er steigt in seinen Vortrag mit den Worten ein: „Es geht mit weniger Fleisch, weil‘s so viel gutes Gemüse gibt!“ Die Leidenschaft des Gemüsebauern aus Watzing bei Kirchanschöring ist in seinen Worten zu spüren, wenn er sagt, „Mein Land ist nicht mein Besitz, sondern meine Verantwortung!“ Die Bodenqualität muss mindestens so bleiben, wie sie ist und er arbeitet daran, dass sie noch besser wird.

Selbst in den Gewächshäusern schafft es der Bio-Michi, durch speziellen Mulch erfreuliche Ernten zu erwirtschaften. Die Vielfalt ist wichtig – insgesamt baut er 50 Gemüsesorten an. Ernährung, genau wie die Landwirtschaft selbst, muss in kleinen Einheiten gedacht werden. Die Anzahl der Bauern muss demnach gleich bleiben oder steigen, der Anteil ökologisch wirtschaftender Landwirte zunehmen.

In seinem Bio-Laden in Kirchanschöring, in dem er auch Gemüse aus eigenem Anbau anbietet, hat Michael Steinmaßl letztes Jahr eine „Unverpackt-Station“ eingerichtet. Seine Motivation, für die „Unverpackt-Station“ 10.000 Euro zu investieren, liegt in der Gewissheit, dass die Kunden das Angebot annehmen, wenn es da ist. Niemand fährt nach Rosenheim, um unverpackte Lebensmittel zu kaufen. Das Unverpackt-Sortiment bietet die Möglichkeit, mit eigenen Behältern die Mengen zu kaufen, die man benötigt. Die Kunden haben somit Nudeln, Natronpulver, Mehle, Müslis, Vanillepuddingpulver, Schokolade und viele weitere Lebensmittel zu Hause im Mehrwegvorratsbehälter – eingekauft ohne Verpackungsmüll. Sein Abschluss war ganz klar: „Mia doan weida!“

Muntere Fragerunde

Danach leitete Katharina Stöckl-Bauer, auf Platz 1 der Gemeinderatsliste für die Kommunalwahl der Grünen in Kirchanschöring, in die Fragerunde über. Als Michael Steinmaßl zum Geothermieprojekt gefragt wird, sagt er klar: Der Ansatz, von fossilen Brennstoffen weg zu kommen, ist lobenswert. Gewächshäuser mit der Abwärme zu Heizen ist aber Energieverschwendung. Neben regional und Bio gäbe es ja auch noch saisonal, betonte Gisela Sengl dazu. Eben Wintergemüse im Winter. Der Zeitplan für das Kirchanschöringer Geothermieprojekt sieht heuer eine Probebohrung vor und bei positivem Ergebnis die Inbetriebnahme des Kraftwerkes in zwei Jahren, sagte Dr. Michael Hüller, Gemeinderat in Kirchanschöring seit 2014.

Olaf Holzhäuser fragte, wie Gespräche mit konventionellen Landwirten laufen. Gisela Sengls Antwort, gerichtet an die Bauern, ist: „Seid‘s bereit, dass ma miteinanda redn!“ Mit dem Volksbegehren sei Landwirtschaft wieder vermehrt Thema geworden und es gilt, zusammen anzupacken.  Der Zugang zur Natur ändert sich mit dem Ökolandbau. „Vielfältige Landwirtschaft macht mehr Spaß!“, sagt die Bio-Bäuerin. Leider scheint es so, dass die Förderung des Ökolandbaus verringert werden soll. So erhält ein Biobauer keine zusätzliche Prämie aus dem Kulap, wenn er seine Wiese erst nach dem 15. Juni mäht, obwohl dies eine Forderung aus dem Volksbegehren für Artenschutz ist.

Auf Rückfrage aus dem Publikum erklärte Michael Steinmaßl, dass bei ihm im Laden kein Lebensmittel zu Müll wird. „Die, die zu uns kommen wissen, da steht ein Regal mit Produkten, die reduziert sind, weil sie ein kurzes Mindesthaltbarkeitsdatum haben, in der Kühlung stehen diese Produkte unten links.“ Gisela Sengl betonte zudem, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum die Konsistenz und die Farbe bis zu diesem Zeitpunkt garantiert. Es heißt nicht, dass der Quark nach Ablauf giftig wäre. Ein politisches Ziel sollte es sein, das Mindesthaltbarkeitsdatum zu verlängern, damit weniger immer noch gute Lebensmittel auf dem Müll landen.

Auf die Frage, was ihr sonst noch wichtig ist, wenn sie Landrätin wird, betonte Gisela Sengl die Wichtigkeit der Mittelschulen, in der unser Nachwuchs für das Handwerk bestens vorbereitet wird. Handwerk ist das Rückgrat unserer Gesellschaft und gehört in hohem Maße geschätzt. Auch würde sie den Spielraum in der Flüchtlingspolitik so ausnutzen, dass zu uns geflüchtete Menschen eine Lebensperspektive bekommen.

(10. Februar 2020)

Michael Steinmaßl bei seinem spannenden Vortrag.

Michael Steinmaßl bei seinem Vortrag.

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