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Simon Hofbauer, Ilse Englmaier, Gisela Sengl, Dr. Christian Magerl und Martin Stümpfig.

Treffpunkt Salzachbrücke bei Tittmoning. Von links: Simon Hofbauer, Ilse Englmaier, Gisela Sengl, Dr. Christian Magerl und Martin Stümpfig. Foto: Hannes Höfer

Wasserkraft ja, aber nicht an der Salzach

Gebirgsfluss nicht grundlastfähig – Landtags-Grüne auf Infofahrt

Länger als ein halbes Jahr führte die Salzach im vergangenen Winter Niedrigwasser, 100 Kubikmeter und darunter pro Sekunde. Viel zu wenig für eine rentable Energieausbeute, sagen die Grünen und die Naturschützer. Würde es sich rentieren, wären Kraftwerke an diesem Grenzfluss längst gebaut. Dieser letzte Abschnitt eines ungestauten Gebirgsflusses müsse frei bleiben von Verbauungen, fordern sie. Gleichwohl sprechen sich Bayerns Grüne nicht gegen Wasserkraft aus, sagen Ja, dort wo es sinnvoll und wo durch Modernisierung bestehender Anlagen mehr herauszuholen sei. Grüne Landtags-Abgeordnete aus Bayern und Salzburg trafen sich am Donnerstagnachmittag an der Salzach bei Tittmoning und Laufen. Eingeladen dazu hatte die Landtags-Abgeordnete Gisela Sengl.

Die Wasserbauer vor 180 Jahren waren sich ihrer Taten bewusst. Dass sich die Salzach eintieft, verengt in einen Kanal von 60 Wiener Klaftern Breite (114 Meter), war gewollt. Bis zu einem gewissen Maß. Dieses Maß ist längst erreicht, denn nun droht ein Sohldurchschlag, ein unkontrollierter Einbruch in den sandigen Seeton-Untergrund, mit möglicherweise katastrophalen Folgen für Brücken und Bauwerke.

Dass an der Salzach gehandelt werden muss, darüber sind sich alle einig. Nur über das Wie herrscht Uneinigkeit. Fünf Varianten werden derzeit geprüft, von einer reinen Naturfluss-Variante mit deutlicher Ausweitung des Flussbettes bis hin zu Kraftwerksbauten sowohl im Freilassinger als auch im Tittmoniger Becken.

„Burghausen und Salzburg sind für eine Renaturierung“, sagte Diplom-Biologin Ilse Englmaier. Nur in den Dörfern und Städten dazwischen gebe es immer noch Stimmen für Kraftwerksbauten. „Vielleicht ein Minderwertigkeitskomplex“ vermutet sie. Für die Tittmoningerin steht außer Frage: Es muss anders gehen. „Breitwasser statt Hochwasser“ fordert sie, den Abbau der Uferbefestigungen für eine ökologische und naturnahe Flusslandschaft.

„Die Siedlungen schützen und wo möglich den Fluss verbreitern“, verdeutlichte ebenso Dr. Christian Magerl, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt- und Verbraucherschutz. Sein Kollege im Landtag, Martin Stümpfig, zuständig für Energie und Klimaschutz, sieht die Sache etwas differenzierter. Er warnte zudem davor, das Thema auf die Rentabilität zu reduzieren, denn in seiner Heimat Mittelfranken gebe es sehr wohl Kraftwerke, die mit relativ wenig Wasser betrieben würden. Allerdings stellte auch er klar: „Hier an der Salzach hat Wasserkraft nichts verloren.“

„Die Gesetzeslage ist eindeutig“, stellte Erich Prechtl fest. Der Freilassinger ist seit 1987 einer der Sprecher der grenzüberschreitenden „Aktionsgemeinschaft Lebensraum Salzach“. „Wir haben hier beiderseits des Flusses FFH-Gebiete, Natura-2000-Areale und befinden uns im Landkreis Berchtesgadener Land im Biospärenreservat.“ Darüber hinaus sei die Region Kulisse der Alpen-Konvention. Sollte es hier an der Salzach zu einem Kraftwerksbau kommen, würde er auf der Stelle alle Unterlagen der letzten 30 Jahre verbrennen, verdeutlichte er drastisch die aus seiner Sicht eindeutige Situation.

Einen Unterstützer dieser Sicht sieht Ilse Englmaier im ehemaligen Umweltminister Marcel Huber, der immer wieder auch gegenüber seinen Parteifreunden in der Region deutlich gemacht hatte, dass ein Kraftwerksbau nur in Frage käme, wenn aus flussbaulicher Sicht ohnedies Querbauwerke erforderlich wären. „Die braucht es nicht“, warb Englmaier klar für die Naturfluss-Variante des oberösterreichischen Landes-Umwelt-Anwalts Dr. Martin Donat.

„Die Österreicher blicken da besser durch“, sagte die Biologin in Richtung Simon Hofbauer, Grünen-Abgeordneter im Salzburger Landtag. Der betonte, dass der Aspekt Renaturierung zusammen mit einem Naturpark Salzachau zwischen Bergheim und Oberndorf ein „wesentlicher“ Bestandteil der Landes- und Koalitionspolitik sei. Nebenbei: Auch die Nutzungsrechte für möglichen Strom lägen inzwischen zu hundert Prozent beim Verbund, also bei Österreich.

Bleibt das Problem Auwald. „Verluste wird es bei jeder Sanierungsvariante geben“, gestand Englmaier ein, aber in den „sauren Apfel“ müsse man beißen. Auf eines verwies Erich Prechtl: Die europäische Wasserrahmenrichtlinie fordere eine Verbesserung der Gewässer-Situation, eine Verschlechterung dürfe es in keinem Fall geben. Dabei sei die Lage an der Salzach schon katastrophal genug. Gerade mal elf Kilogramm Fische fänden sich hier pro Hektar, eigentlich müssten es 50 sein, aus Sicht der Fischer sogar 100 Kilogramm. „Nicht umsonst stehen die meisten auf der Roten Liste“, erklärte Prechtl.

Kraftwerksbauten mit Fischtreppen auszustatten ist aus Sicht Englmaiers eine Scheinlösung, denn das eigentliche Problem sei der Abstieg. „Die Hauptströmung geht immer in Richtung Turbine und damit Richtung Tod.“ Eine fischverträgliche Variante habe sie noch nicht gesehen. Anfang 2015 soll die Entscheidung über die Sanierungsvariante fallen. Hannes Höfer

 

Ein Dorfwirtshaus in Bürgerhand

Genossenschaft rettet und betreibt Gasthaus in Asten

Die Wirtschaft wunderschön saniert. Der Gastgarten klassisch mit Kastanien. Der Blick reicht bis hinein in die Berge. Die Grünen-Abgeordneten und ihre Mitarbeiter hätten sich keinen schöneren Ort suchen können, um sich vor der Salzach-Exkursion auszutauschen, als die Dorfwirtschaft in Asten. Dass dieses Wirtshaus etwas ganz besonderes ist, verdeutlichte Maria Kellner aus den Tittmoning den Gästen. Die Stadträtin war maßgeblich mit dabei bei der Projektgruppe, die zwei Jahre lang jeden Montag tagte. Das Ziel: Das Gasthaus in dem 500-Seelen-Ort zu erhalten.

Dass dies in wunderbarer Weise gelungen ist, sei vielen zu verdanken. Der Stadt Tittmoning, die das Gebäude für 160.000 Euro kaufte, der Förderung durch die ländliche Entwicklung und schließlich den 600 Mitgliedern der Genossenschaft, die zudem mehr als 15.000 ehrenamtliche Stunden in Gebäude und Umfeld investiert haben.

Die Vereine haben sich ausdrücklich an das Wirtshaus gebunden, die Feuerwehr ebenso. Es gibt einen Jugendtreff, ein Salettl, und der Biergarten ist öffentlicher Platz, der auch den Vereinen zur Verfügung steht. Sogar eine Dorf-Musikkapelle hat sich inzwischen formiert. Mit einem engagierten Wirt und Pächter funktioniere die Sache so gut, dass es hier nicht selten rappelvoll sei und reserviert werden müsse. 100 Euro beträgt ein Genossenschaftsanteil. Dafür gibt es einmal jährlich ein Essen und zwei Getränke. „Mit 12, 13 Prozent ist also die Verzinsung gar nicht schlecht“, scherzte Kellner.

Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen haben bereits über diese dörfliche Erfolgsgeschichte berichtet. „Und das alles wirkt nach“, erklärte zufrieden Maria Kellner, denn man nehme nun das ganz Dorf unter die Lupe. „Mit Liebe das Leben am Land lebendig erhalten“, kommentierte das die örtliche Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl. Sie ist überzeugt: „Das Ehrenamt ist nicht tot.“ Hannes Höfer

(24. September 2014)

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