zurück zur Übersichtsseite OV Siegsdorf

Thema „Flüchtlinge in Siegsdorf“ diskutiert

OV Siegsdorf organisiert Informationsveranstaltung in Eisenärzt

Wie soll die Arbeit der Integration noch bewältigt werden, wenn die vom Traunsteiner Landratsamt prognostizierten Zahlen für dieses Jahr sich bewahrheiten und sich die Flüchtlingszahlen am Ende auch in Siegsdorf verdreifachen? Das war die Frage eines besorgten Zuhörers. „Mir ist es eine Hilfe, keine Politik zu betreiben. Meine Aufgabe ist es, zu helfen. Und das tue ich“, war die Antwort des katholischen Pfarrers Thomas von Rechberg unter großem Applaus. „Flüchtlinge in Siegsdorf“ – der Siegsdorfer Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte zu diesem Thema in den Saal des ehemaligen Rathauses in Eisenärzt eingeladen. Denn hier in direkter Nachbarschaft liegt das Marienheim, die größte Flüchtlingsunterkunft der Gemeinde. Und erwartungsgemäß traf das Thema den Nerv – mit mehr als 100 Zuhörern platzte der Raum, der heute den Eisenärzter Trachtlern gehört, aus allen Nähten.

„Wir sind nicht hier, um große Politik zu machen. Und wir sind ein sehr reiches Land. Wir müssen diesen Menschen entgegengehen, sonst wird es für uns alle schwierig. Ich werde mir meine Kraft nicht zerreden lassen, sondern weiter mit anpacken“, sagte Gabi Jakobi vom Siegsdorfer Helferkreis. In den kommenden Wochen werden 25 Asylsuchende in Heutau erwartet, zusätzliche 18 im Ortsteil Hammer untergebracht werden. „Wir sind bemüht, Flüchtlinge dezentral in allen Ortsteilen von Siegsdorf unterzubringen“, berichtete Willi Geistanger, grüner Gemeinderat. 

Es war ein Glücksfall. Als die Ordensgemeinschaft der „Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie zu Mallersdorf“ der Gemeinde Siegsdorf ihr Altenheim zum Kauf anbot, griff man zu. „Ihre Bedingung war, dieses Haus als Heim für Asylsuchende zu führen: Und sie übergaben es uns in einem perfekten Zustand“, berichtete Angelika Kühnhauser, Leiterin des Ordnungsamtes, die heute maßgeblich verantwortlich ist für diese gemeindeeigene Asylunterkunft. „Ich bin begeistert, wie pragmatisch und anpackend man hier in Siegsdorf mit der Aufgabe umgeht“, sagte Marianne Penn, Kreisrätin von Bündnis 90/Die Grünen und in Trostberg bereits seit Jahren mit dem Thema vertraut. Auch hier betreut man inzwischen rund 130 Flüchtlinge. Sie war eingeladen worden, um von den dortigen Modellen und Erfahrungen zu berichten.

Ein weiteres Impulsreferat gab Andreas Herden, ebenfalls von den Grünen aus Trostberg, evangelischer Pfarrer von Beruf. Mit seinem Thema „Miteinander leben“ wollte er den Blick in diese sich verändernde Gesellschaft weiten unter dem Stichwort „interkulturelle Kompetenz“. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Journalistin Petra Plützer. 

108 Syrer, darunter fünf Familien, wohnen seit September im Siegsdorfer Marienheim. Bewusst wurde es seitens der Gemeinde vermieden, die Räume überzubelegen, wie Angelika Kühnhauser berichtete. In der Regel handelt es sich um Einzelzimmer mit eigenen Nasszellen. „Die Menschen brauchen Rückzugsorte. Das hat sich sehr bewährt“, sagte die Ordnungsamtsleiterin. Ein gut aufgestellter Helferkreis bot von Anfang an Deutschunterricht an und schuf somit auch die ersten Kontakte zur hiesigen Bevölkerung. Das Heim wird betreut von einer Asylbeauftragten, zusätzlich gibt es einen Sicherheitsdienst, der ständig vor Ort ist. Die Flüchtlinge kochen für sich selber. „So ein Tag ist schließlich lang, sie brauchen Beschäftigung, sie brauchen eine Aufgabe“, unterstrich Kühnhauser. Und genau hier liegt die Herausforderung bei der Integration, da war man sich im Saal einig.

Vier Stunden Ethik in der Woche stehen in der Trostberger Brückenschule neben Deutsch oder Mathematik für die Asylsuchenden auf dem Stundenplan, unterrichtet von dem katholisch und dem evangelischen Pfarrer im Ort. „Diese Stunden sind der Renner, die schwänzt keiner“, schmunzelte Marianne Penn. Mit der Brückenschule hat man ein vorbildliches Modell in Trostberg geschaffen. Organisiert vom dortigen Helferkreis werden hier entscheidende Bildungsgrundlagen gelegt im Hinblick auf eine Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Denn offizielle Schulplätze gibt es zu wenig, davon können auch die Siegsdorfer Helfer und Helferinnen ein Lied singen, die bereits seit einem Jahr die ersten Flüchtlinge, untergebracht im ehemaligen „Hotel zur Post“, betreuen. „Es dauert mindestens drei Jahre, um einen Asylsuchenden wirklich fit für unseren Arbeitsmarkt zu machen“, ist die Erfahrung von Marianne Penn. 

„Wie kann ich mich denn engagieren?“, wollte ein Zuhörer wissen. Und auch ein weiterer betonte, dass er bereits „erste Gehversuche als ehrenamtlicher Helfer“ mache. Hier wurde nicht mit konkreten Antworten gespart: Jeden Donnerstag ab 19 Uhr lädt der Siegsdorfer Helferkreis ins Marienheim zu einem offenen Spieleabend ein – eine unkomplizierte Möglichkeit, in Kontakt zu kommen. Gebraucht werden jetzt vor allem Fahrdienste und Begleiter, wenn es darum geht, die syrischen Flüchtlinge, die nach und nach ihre Anerkennungen zugeschickt bekommen, auf die Ämter zu begleiten. Die ersten müssen sich auch auf Wohnungssuche machen, denn mit der Anerkennung sind sie nur noch maximal ein halbes Jahr geduldet im Marienheim. Diese Koordination neuer Helfer übernimmt ab jetzt der evangelische Pfarrer Michael Krauss. Bei ihm kann man sich melden und wird dann bei Bedarf angefragt. Petra Plützer

(12. Mai 2016)

Felicitas Wendt in den Bezirkstag
Newsletter von Gisela Sengl
Kreisrundbrief
Mitglied werden
Grüne gegen Fremdenhass
Grünen-Kampagne gegen Hass