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„Fluchtursachen müssen beseitigt werden“

MdB Kekeritz informiert sich in Traunreut über Situation der Flüchtlinge

Der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz von Bündnis 90/Die Grünen besuchte Ende Januar Traunreut, um sich einen Eindruck über die Situation der Flüchtlinge in der größten Stadt des Landkreises zu verschaffen. Gleichzeitig war es ihm ein wichtiges Anliegen, auf die Ursachen für die Flucht aufmerksam zu machen, denn „nur wenn es uns gelingt, die vielfältigen Ursachen der Flucht zu beseitigen, werden die Menschen in ihrer Heimat bleiben“.

Erste Station in Traunreut war das Mehrgenerationenhaus. Hier traf sich der Abgeordnete, der von Kreisrat Sepp Hohlweger, den Stadträten Helga Zembsch und Martin Czepan sowie der Kreisvorsitzenden Helga Mandl begleitet wurde, mit Flüchtlingen aus Eritrea und mehreren Mitgliedern des Helferkreises. Die meist jugendlichen Asylbewerber erzählten von ihrem Leben in Eritrea, das geprägt war von Willkür und staatlichen Repressionen, wie zum Beispiel grundlose Inhaftierungen, aus denen sie von ihren Angehörigen freigekauft werden mussten. Nach ihrer Flucht waren sie zunächst in Ruhpolding untergebracht, wo sie sich, da kein Deutschunterricht angeboten wurde, mit Hilfe ihrer Handys die ersten Deutschkenntnisse selbst beigebracht haben. Dank des Deutschunterrichts können sich inzwischen alle gut verständigen. Die meisten der Jugendlichen haben bereits ein Praktikum absolviert, und einige wollen demnächst eine Ausbildung beginnen, z.B. als Maler, Krankenpfleger und Physiotherapeut. In Traunreut fühlen sie sich gut aufgenommen und würden gerne auch hier bleiben.

Uwe Kekeritz dankte den Helfern für ihr großes Engagement. Viele seien nach den anstrengenden Monaten jetzt am Ende ihrer Kräfte und bedürften einer Entlastung durch professionelle Kräfte. „Integration kostet zunächst Geld. Längerfristig profitiert unser Land von den jungen und hochmotivierten Flüchtlingen.“ Deutschlehrer müssten ordentlich bezahlt werden und interkulturelle Projekte gefördert werden.

Stadtrat Martin Czepan wies den Bundestagsabgeordneten auf die beispielhafte Integrationsleistung hin, welche Traunreut seit seiner Gründung 1950 erbracht habe. Zunächst hätten Kriegsflüchtlinge und Heimatvertriebene den Grundstock für die Entwicklung von Traunreut gelegt. In den 60er Jahren hätten dies die Gastarbeiter aus Kroatien fortgeführt. Ab den 70er Jahren seien dann Aussiedler aus Rumänien, Russland und Kasachstan hinzugekommen. Menschen aus über 70 Nationen lebten in Traunreut friedlich zusammen.

Dann ging der Abgeordnete, der Obmann im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ist, auf die vielfältigen Fluchtursachen ein. Die von den westlichen Staaten geführten Kriege im Irak und Afghanistan hätten nur kurzzeitig und oberflächlich mehr Sicherheit für die Menschen im Nahen und Mittleren Osten gebracht. Inzwischen habe das Wirken von Terrorregimes und die Stellvertreterkriege der Regional- und Großmächte die Region völlig destabilisiert, weite Landstriche zerstört und Millionen von Menschen in die Flucht getrieben. Viel zu spät sei damit begonnen worden, nach einer politischen Lösung für die Konflikte zu suchen.

In den Ländern Afrikas seien es zwei Faktoren, welche die Menschen auf die lebensgefährliche Flucht nach Europa trieben. Zum einen die diktatorische Herrschaft in manchen Staaten, in denen Kritiker und selbst unpolitische Personen um ihr Leben fürchten müssen. Auch die Bundesregierung verhindere Sanktionen gegen diese Herrscher, weil sich westliche Konzerne mit Hilfe von Korruption den Zugriff auf wichtige Bodenschätze sichern würden. Andernorts sei die existenzielle Not so groß, dass nur noch die Flucht bliebe. „Welcher Vater und welche Mutter könnten tatenlos zusehen, wie ihre Kindern verhungern?“, beschrieb Kekeritz, der als Entwicklungshelfer in Afrika war, drastisch die Lage. Subventionierte Billigimporte aus der EU, wie zum Beispiel Trockenmilch, würden die heimische Landwirtschaft zerstören. Hochsubventionierte Fischfangflotten aus der EU würden die Küstenregionen leerfischen und den afrikanischen Fischern die Existenzgrundlage rauben. Der von den Industrienationen verursachte Klimawandel sorge für Dürrekatastrophen, welche immer größere Flächen unbewohnbar machten.

Inzwischen haben die westlichen Staaten laut Kekeritz erkannt, was sie mit ihrer ungezügelten Politik und  ihrem Lebensstil anrichten würden. Bis sie entsprechend handeln würden, würde wahrscheinlich noch einige Jahre dauern.

Zum Abschluss seines Besuchs informierte sich der Abgeordnete über die Unterbringung der Flüchtlinge im alten Bauhof. Er lobte die Stadt, dass sie kurzfristig dieses Gebäude als Notunterkunft zur Verfügung gestellt habe.

(25. Januar 2016)

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