Traunreut klimaneutral – bis 2030 machbar

Ortsverband der Grünen fordert konsequente Umsetzung des Potenzials zur Energiewende

Traunreut auf dem Weg zur klimaneutralen Energieversorgung – zu dieser Veranstaltung der Traunreuter Grünen konnte der Ortsvorsitzende Peter Noss vergangenen Donnerstag etwa 20 Gäste im Gasthof Martini in Stein begrüßen. Bei der Vorstellung der Stadtratskandidaten zeigte es sich, dass diesen nicht nur die Umweltthemen wichtig sind, sondern auch eine lebendige Stadt.

So will sich Stadträtin Helga Zembsch für ein Sozialkaufhaus einsetzen und Dr. Norbert Wolff für ein Jugendcafé im Stadtzentrum. Stadtrat Martin Czepan stellte sich als Bürgermeisterkandidat vor, der sich seit vielen Jahren tatkräftig in Umweltorganisationen und der Kommunalpolitik engagiert. Als Diplomingenieur bei BSH Hausgeräte habe er viele Vorhaben initiieren und erfolgreich umsetzen können, wie z. B. das Biomasse-Heizkraftwerk.

„Unsere Lebensgrundlagen erhalten und ein lebendiges Traunreut gestalten“, das seien die Ziele der Grünen, betonte Martin Czepan. Etliche Entscheidungen im Stadtrat – wie z. B. für den Bau der Osttangente – seien zuletzt gegen den Klima- und Artenschutz getroffen worden. Dabei würden auch Bayern und unsere Region immer häufiger von den Auswirkungen der Klimaveränderungen getroffen. In Brüssel und Berlin würden die Rahmenbedingungen vorgegeben, entscheidend sei aber die Umsetzung auf kommunaler Ebene. Der Landkreis und vor allem Traunreut hätten das Potenzial, die Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen. Nach anfänglich großen Fortschritten bis auf eine Quote von 60 Prozent beim Stromverbrauch habe es in den letzten Jahren eine Stagnation gegeben. Martin Czepan zeigte anhand der von Prof. Dr.-Ing. Markus Brautsch von der Hochschule Amberg-Weiden erstellten Potenzialanalyse auf, dass Traunreut den vollständigen Umstieg schaffen könne – zum einen durch den Ausbau der Photovoltaik, wofür Dachflächen, aber auch Parkplätze und Straßen genutzt werden könnten. Ein zweites Geothermiekraftwerk könne witterungsunabhängig Strom und Wärme liefern.

Auch für die Windkraft gebe es an den Gemeindegrenzen geeignete Standorte. Wichtig sei es hierbei, die Anlieger von Beginn an mit einzubeziehen und am Ertrag zu beteiligen, so wie es in Baumham bei Palling geschehen sei. Bei der Wärmeversorgung liege die Herausforderung darin, die Energie vom Bohrloch zum Verbraucher zu bringen. Hier schlug Martin Czepan vor, die Anschlusskosten nicht wie bisher großteils durch höhere Verbrauchsgebühren zu finanzieren, sondern den Kunden in Rechnung zu stellen, damit diese die hohen Förderquoten in Anspruch nehmen könnten. Für kleinere Siedlungsgebiete müssten dezentrale Konzepte auf Basis Holz oder Biogas zum Einsatz kommen.

Unabdingbar seien auch Effizienzsteigerungen. Die in der Studie von Prof. Markus Brautsch genannten Werte von durchschnittlich 25 Prozent hielt Martin Czepan nicht für ausreichend. Bei der BSH Traunreut habe er in den 90er-Jahren eine Verbesserung von 30 Prozent erzielen können, und in den letzten zehn Jahren habe das Energieteam die Effizienz nochmals um 38 Prozent gesteigert. Auch für die anderen Betriebe, öffentliche Einrichtungen und Privathaushalte seien 30 Prozent machbar. Bei der Wärme sei das Einsparpotenzial sogar noch größer, wie Klaus Sittmann berichtete, der den Wärmeverbrauch bei seinem Altbau von 4.000 Liter Heizöl auf 2.700 kWh Strom reduzierte, was nur noch sieben Prozent des ursprünglichen Energiebedarfs bedeutet. Für die Umsetzung der Energiewende im Landkreis seien laut Czepan folgende Voraussetzungen erforderlich:

  1. Die Initiierung und Koordination der Projekte durch die Energieagentur, die deutlich aufgestockt werden müsse.
  2. Eine Effizienzinitiative für Industrie, KMU, Haushalte und öffentliche Einrichtungen.
  3. Der Erhalt und die Sanierung der Anlagen nach Auslauf EEG und die Eigenstromnutzung.
  4. Die effizientere Nutzung der Erneuerbaren Energien und der Abwärme.
  5. Eine Vorgabe und Förderung von Null- und Positivenergiehäuser bei Neubauten.
  6. Der weitere Ausbau der Fernwärme durch optimale Nutzung der Förderung.
  7. Der Ausbau der Photovoltaik, der Windkraft und der Geothermie mit Nutzung der Wärme.

Das Ziel einer klimaneutralen Energieversorgung bis 2030 in Traunreut und im Landkreis hielte Martin Czepan für machbar, wenn alle Beteiligten an einem Strang zögen.

(12. Februar 2020)

Der Ortsverband Traunreut stellt sich vor.
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