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Martin Czepan kandidiert für die Bürgermeisterwahl

Bericht über die Aufstellungsversammlung im „Traunreuter Anzeiger“.

Czepan ist unser Bürgermeisterkandidat

Seit mehr als 30 Jahren für Umwelt engagiert – Seit 2002 im Traunreuter Stadtrat

Bei der Aufstellungsversammlung des Ortsverbands Traunreut von Bündnis 90/Die Grünen wurde Martin Czepan einstimmig als Bürgermeister-Kandidat gewählt. Nach der Begrüßung durch den Ortsvorsitzenden Peter Noss und Klärung der Formalitäten durch den Wahlleiter Hans Kern aus Waging stellte sich der Kandidat den Mitgliedern und Interessenten vor.

Der gebürtige Heidenheimer ist 62 Jahre alt, verheiratet und lebt seit 36 Jahren in Traunreut. Nach seinem Maschinenbau-Studium an den Universitäten Clausthal und Karlsruhe begann er seine berufliche Laufbahn bei der BSH Hausgeräte GmbH in Traunreut. Als Planungsingenieur, Führungskraft und Projektleiter war er in verschiedenen Bereichen der Fabrik tätig. Aktuell leitet er Projekte zur Digitalisierung und engagiert sich auch bei der Energieeffizienz und dem Mobilitätsmanagement des Standortes.

Czepan bezeichnete es als Glücksfall, dass er sich bei BSH immer wieder für Umweltthemen engagieren konnte – wie zum Beispiel für die Reduzierung des Energieverbrauchs, die Umstellung auf Mehrwegbehälter, die Verlagerung von Transporten auf die Bahn und den Bau des Biomasseheizwerks und Biomasseheizkraftwerks, das er in den 90er-Jahren initiierte.

Vor über 30 Jahren begann sein ehrenamtliches Engagement bei Umweltorganisationen, wie Robin Wood, dem Bund Naturschutz und dem „Besseren Müllkonzept“. Bei letzterem war er vier Jahre lang im Bundesvorstand und hat bei einer Norm für Mehrweg-Verpackungen mitgearbeitet.

Seit 24 Jahren ist Martin Czepan bei den Grünen, wo er zunächst sechs Jahre lang Kreisvorstand und mehrere Jahre lang Ortsvorsitzender in Traunreut war. Seit 2002 ist er im Stadtrat und – mit zweijähriger Unterbrechung – Mitglied des Kreistags. Im Stadtrat vertritt er als Referent für Umwelt die Belange des Klima- und Naturschutzes.

Als langjährig praktizierender Buddhist leitet er mit seiner Frau seit 2000 das Buddhistische Zentrum Chiemsee Yun Hwa Dharma Sah in Traunreut. Zudem ist er seit zwei Jahren im beratenden Vorstand der weltweiten Organisation des Ordens tätig. Diese Aktivitäten bedingen auch immer wieder Reisen wie zum Haupttempel des Ordens auf Hawaii. Hierfür werde er immer wieder kritisiert, auch wenn er keine einzige Minute am Strand verbringe.

Als Motivation für seine Kandidatur nannte Czepan die drängenden Aufgaben beim Klima- und Naturschutz. Nahezu alle Wissenschaftler seien sich einig, dass ab sofort konsequent alle machbaren Klimaschutzmaßnahmen angegangen werden müssen, um eine Klimakatastrophe abzuwenden.Von der Bundesregierung sei ein Klimaschutzpaket verabschiedet worden, was nach Meinung aller Klimaforscher völlig unzureichend ist. Im Stadtrat wurde in der letzten Sitzung der Antrag der Grünen für eine umweltverträgliche und kostengünstige Osttangente mit großer Mehrheit von den anderen Parteien abgelehnt.

Dabei hätten es vor allem die Kommunen in der Hand, den Klimaschutz deutlich voran zu bringen. Traunreut sei ein gutes Beispiel dafür. Seit vielen Jahren spiele Traunreut in der in der Solarbundesliga vorne mit, bei der der Einsatz Erneuerbarer Energien bewertet wird.
Der Weg dahin sei jedoch nicht einfach gewesen. Der erste Schritt war der Bau des Biomasseheizwerks und die Anbindung des Fernwärmenetzes im Nordosten.

Viel Überzeugungsarbeit habe es dann gebraucht, damit 2004 das Biomasseheizkraftwerk realisiert werden konnte und das Fernwärmenetz erweitert wurde. Wegen des großen Fernwärmenetzes wurde dann auch 2014 das Geothermiekraftwerk gebaut. Beide Anlagen erzeugen rund um die Uhr, im Sommer wie im Winter, klimafreundlichen Strom, versorgen Tausende von Haushalten, nahezu alle öffentlichen Einrichtungen, viele Gewerbebetriebe und auch BSH und Heidenhain mit Wärme. Die Preise für die meisten Abnehmer sind günstiger als bei einer Ölheizung. Das Beispiel Traunreut zeige somit, dass Klimaschutz nicht zwangsläufig höhere Kosten mit sich bringen muss.

Trotz der bisherigen Erfolge dürften wir uns in Traunreut nicht ausruhen, sondern müssen das Potenzial an Erneuerbaren Energien optimal nutzen und auch die Energieeffizienz verbessern. Alle Hauseigentümer müssen unterstützt werden, auf erneuerbare Energieträger umzustellen.

Die größte Aufgabe beim Klimaschutz, so Czepan, liege aber im Verkehrsbereich. Hier sei in den letzten Jahren keine Fortschritte erzielt, sondern Rückschritte gemacht worden. Obwohl der Autoverkehr in Deutschland bereits mit jährlich 140 Milliarden Euro subventioniert wird, würde bei den Planungen immer noch das Auto bevorzugt. Im Haushalt der Stadt Traunreut würden jedes Jahr Millionen von Euros für den Bau und Ausbau von Straßen veranschlagt, zum Teil bis zu 40 Prozent aller Investitionen. Es finde ein Verdrängungswettbewerb statt: Die Radfahrer weichen wegen des hohen Verkehrsaufkommens auf die Fußwege aus, was wiederum die Fußgänger gefährdet. Es sei verständlich, dass sich Radfahrer und Fußgänger auf unseren Straßen und Wegen nicht sicher fühlen und lieber das Auto nehmen.
Ziel Tempo 30 Innerorts würde viel bringen. Der Spritverbrauch wird reduziert, der Lärm ebenso und das Tötungsrisiko für Fußgänger und Radfahrer reduziert sich um 90 Prozent. Nur Radschutzstreifen reichen nicht. Diese erhöhen sogar nachweislich das Risiko für Radfahrer. Das Bus- und Bahnangebot müsse in den Randzeiten und in der Fläche verbessert werden. Die Bürger der Außengemeinden müssten auch ohne Auto zum Einkaufen, zum Arzt, abends zum Konzert und am Sonntag in die Kirche kommen.

Bei der Stadtentwicklung müssen die Weichen richtig gestellt werden. Freie Flächen in der Innenstadt müssen genutzt werden, bevor am Stadtrand weiter gebaut wird. Ein großes Potenzial stellen die vielen ebenerdigen Parkplätze dar. In den Außengemeinden muss die Infrastruktur erhalten bleiben. Kleine Siedlungen sollten nicht weiter erschlossen werden, da dies sehr teuer sei und jeder Weg mit dem Auto zurückgelegt werden müsse.Wertvolle Naturflächen dürften zukünftig nicht mehr versiegelt oder durch Straßen zerschnitten werden. Sonst sei vom Artensterben auch bald der Mensch betroffen, konstatierte Czepan.

„Das Motiv unseres Handelns ist ,Unsere Zukunft lebenswert gestalten‘. Das heißt für uns, die Erde so zu erhalten, dass die nächsten Generationen überleben und ohne Not leben können. Ohne eine deutliche Kurskorrektur bei vielen Entscheidungen wird dies nicht gehen.“ Nach den bisherigen Erfahrungen in anderen Kommunen und Ländern – er selbst sei beispielsweise viel in der Schweiz unterwegs – sei er aber zuversichtlich, dass dies nicht zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität bei den Bürgern führen wird, sondern diese eher verbessern würde.

Wenn man langsamer mit dem Auto fahre, zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sei, bekomme man mehr von seiner Umwelt mit. Im Bus sei man nicht allein unterwegs, sondern könne sich mit Mitreisenden unterhalten oder ein Buch lesen.Ein verkehrsberuhigter Innenstadtbereich lade zum Verweilen ein. Wäre einmal ein attraktiver Stadtpark geschaffen, bräuchten die Bürger nicht mehr mit dem Auto ins Grüne zu fahren. Auch die geplante Bebauung beim Munapark würde hierdurch an Attraktivität gewinnen. Statt viel Geld in den Straßenbau zu investieren, würde Traunreut zukünftig mehr Spielraum für andere Aufgaben haben, wie für Bildung, Jugendarbeit und Kultur. Dies sei auch dringend nötig, denn mit dem Neubau der Grundschule Nord, der Bücherei und der VHS stehen hohe Investitionsvorhaben an. Auch alle Privathaushalte, Gewerbe und Industrie würden durch eine zukunftsfähige Infrastruktur profitieren. Leider finde sich auf der Homepage von Traunreut kein Hinweis auf die klimaneutrale und zukunftsfähige Energieversorgung unserer Stadt.

Zwei grundsätzliche Themen lägen ihm noch besonders am Herzen, betonte Czepan. Das erste betreffe die Planungsabläufe und Entscheidungsfindungen in der Verwaltung und im Stadtrat. Hier brauche es zukünftig eine längerfristige Perspektive und klare Vorstellungen, wohin sich Traunreut entwickeln soll. Bei wichtigen Entscheidungen seien alle Fachleute, Fraktionen und zuständigen Referenten, aber auch die betroffenen Bürger frühzeitig mit einzubinden. Bevor eine Vorhaben begonnen werde, müsse klar sein, welchen Nutzen die Bürger hätten, welche Auswirkungen auf Natur und Umwelt es hätte, wie das Aufwand-Nutzen-Verhältnis sei. Zudem müsse geprüft werden, ob es bessere, kostengünstigere Alternativen gäbe und ob Kooperationen möglich seien.

Das zweite wichtige Anliegen sei für ihn das Zusammenleben und die Zusammenarbeit in unserer Stadt. Diese müssten wieder viel stärker geprägt sein von gegenseitiger Wertschätzung, Respekt und Vertrauen. Hier komme dem Bürgermeister, den Stadträten, der Verwaltung, aber auch allen anderen Bürgern eine Vorbildfunktion zu.

Aktuell können wir uns die Jugendlichen als Vorbild nehmen, die sich für den Klimaschutz und die Zukunft unserer Erde einsetzen. Diese Bewegung sei ein Ansporn für ihn und mache Mut, dass sich bald auch in Traunreut eine Mehrheit für den Klima- und Naturschutz findet. Er hoffe auch, dass sich der eine oder andere Klimaschützer sich auch für ein Engagement in der Kommunalpolitik begeistern lasse.

(29. September 2019)

Der Ortsverband Traunreut stellt sich vor.
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