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Teilnehmer der Grünen Radtour am Startpunkt vor dem Traunreuter Rathaus.

Teilnehmer der Grünen Radtour am Startpunkt vor dem Traunreuter Rathaus. Foto: Czepan

Wie sicher sind Traunreuts Straßen und Wege für Fußgänger und Radfahrer?

Um diese Frage zu beantworten hatte der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen Mitglieder und Interessenten zu einer gemeinsamen Radtour durch Traunreut eingeladen.

Stadtrat Martin Czepan begrüßte die 13 Teilnehmer am Rathausplatz. Los ging es über die neu gestaltete Nansenstraße mit ihren Radschutzstreifen zur Siemensstraße. Beim Maximum und auch bei den weiteren Einfahrten im Bereich des Traunrings wies der Stadtrat auf die gepflasterten Bereiche hin. In der Siemensstraße waren zwei Gefahrenstellen zu passieren: der Stacheldraht entlang des Heidenhain-Grundstücks, welcher sich auf Kopfhöhe befindet und die Engstelle kurz vor der Kreuzung mit dem Traunring. Nach der Kreuzung mussten die Radfahrer vom Rad-Gehweg einen Schlenker auf die Fahrbahn machen. Bei der Jahnstraße, welche mit einer Breite von 4,20 Metern einen gefahrlosen Überhol- oder Begegnungsverkehr unmöglich macht, erläuterte Czepan, warum der Antrag für eine Fahrradstraße zweimal im Stadtrat scheiterte, obwohl 80 Prozent der Nutzer Radfahrer sind.

Über die ruhigen Nebenstraßen ging es wieder zum Traunring, wo der Radweg bei der Realschule abrupt an der Bordsteinkante endet. An der Baustelle der Stifterstraße vorbei führte die Tour durch die Sudetenstraße, welche Czepan als sichere Alternative zum Traunring empfahl. An diesem wurden die Radler mit vielerlei Gefahrstellen konfrontiert: Unübersichtliche Grundstücksausfahrten und Einmündungen, Personengruppen, Mülltonnen, wuchernden Hecken, Kopfsteinpflaster. Bei der Einfahrt zu einem Getränkemarkt wies Dieter Balk daraufhin, dass trotz der hohen Fahrzeugfrequenz es keinerlei Hinweis auf den Radweg gebe. Er selbst sei zweimal schon fast überfahren worden. Martin Czepan sagte zu, sich für eine Markierung in diesem Bereich einzusetzen.

Beim Bahnhaltepunkt war die umständliche Wegeführung für Radfahrer und Fußgänger ein Kritikpunkt und die viel zu knappe Anzahl an Radstellplätzen. Bei der Martin-Niemöller-Straße war die gefährliche Umlaufsperre Gesprächsstoff und die gefährliche Zufahrt zum Radständer der Traunpassage. Auf deren Nordseite wurde ebenso die schlechte Zufahrt diskutiert, wie der schlecht einsehbare Zebrastreifen. Über die ruhigen Nebenstraßen St.Georgsplatz, Schillerstraße und Martin-Luther-Straße ging es zur Gaststätte am Sportplatz. Dort erläuterte Martin Czepan, warum eine Zunahme des Radverkehrs für den Klimaschutz so wichtig sei.

Ein Drittel der CO2-Emissionen in Traunreut werden durch den Verkehr verursacht.

Eine Reduzierung des Autoverkehrs zugunsten von Radverkehr und ÖPNV würde sehr schnell und kostengünstig machbar sein. Er zitierte die Leitlinien des ADFC, wonach eine Radverkehrsinfrastruktur Sicherheit, Sicherheitsgefühl und Komfort bieten muss. Die bei den aktuellen Straßenausbauten geplanten Radschutzstreifen von 0,95 bis 1,25 Meter seien gut gemeint, aber für die Sicherheit der Radfahrer kontraproduktiv. Er kritisierte auch die Planungsbüros, welche in ihren Zeichnungen Autofahrer und Radfahrer darstellten, welche sich nur mit wenigen Zentimetern Abstand begegnen bzw. überholen würden.

Nach zwei aktuellen Studien der TU Braunschweig und der Unfallforschung der Versicherer würden Radfahrer auf Radschutzstreifen viel häufiger zu knapp überholt als auf normalen Straßen. Ursache sei, so Czepan, dass die Autofahrer den Bereich zwischen den Schutzstreifen als ihren alleinigen Fahrbereich betrachteten und häufig bei Gegenverkehr überholen würden ohne auf den minimalen Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zum Radfahrer zu achten. Hinzu käme, dass der 0,95 bis 1,25 Meter schmale Radschutzstreifen so knapp bemessen sei, dass ihn der Radfahrer bei sich öffnenden Autotüren, Schlaglöchern oder Hindernissen den Streifen verlassen müsse. Dies sei ihm rechtlich zwar gestattet, aber die wenigsten Autofahrern würden mit solchen Ausweichmanövern rechnen.

Der Stadtrat plädierte dafür, dem Vorschlag des ADFC zu folgen, und auf allen Straßen im Innenstadtbereich Tempo 30 einzuführen. Ausgenommen werden sollten lediglich der Traunring und die Siemensstraße. Dies würde die Kosten für die Straßenausbauten reduzieren, die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer erheblich verbessern, die Lärmbelastung in der Stadt verringern, ebenso die CO2- und Schadstoffemissionen. Der Autofahrer würde bei der Durchquerung der Innenstadt maximal 50 Sekunden länger brauchen. Zum Schluss der Veranstaltung ging Czepan kurz auf die Anbindung von Traunreut an das überörtliche Radnetz ein. Vor allem nach Traunstein gäbe es hier noch Gefahrenstellen und unbefestigte Teilstücke.

In der anschließenden Diskussion setzte sich Barbara Fröhlich dafür ein, dass bei den Radwegen auch Familien mit Fahrradanhängern und Menschen mit Behinderung auf Dreirädern berücksichtigt werden sollten. Reinhard Piehler vom Arbeitskreis Verkehr betonte, dass Traunreut aufgrund seiner ebenen Lage und der fehlenden Altstadt gute Voraussetzungen für den Radverkehr habe. Als positives Beispiel hob Maria Noss Kopenhagen hervor, welche dank eines engagierten Bürgermeisters und Stadtrats den Radverkehr innerhalb weniger Jahre auf 50 Prozent steigern konnte. Martin Czepan

(15. August 2019)

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