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Helga Mandl, Dr. Rupert Ebner und Marianne Penn.

Tierarzt Dr. Rupert Ebner referierte über die Auswirkungen von Antibiotika in der Massentierhaltung bei den Trostberger Grünen. Rechts im Bild Ortsverbandssprecherin Marianne Penn und links Grünen-Kreisvorstandssprecherin Helga Mandl. foto: fam

Die Risiken der Massentierhaltung

Dr. Rupert Ebner referiert über Gefahren des massiven Antibiotika-Einsatzes

Auf großes Interesse stieß die Informationsveranstaltung mit Dr. Rupert Ebner zum Thema „Antibiotika – ein Bumerang?“ im Hotel „Pfaubräu“, die der Trostberger Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen organisiert hatte. Grünen-Mitglied Ebner ist Tierarzt sowie Referent für Gesundheit, Klimaschutz und Umwelt der Stadt Ingolstadt. In Trostberg erläuterte er unter anderem den Effekt von Antibiotika in der Massentierhaltung.

Jährlich kommen laut Ebner 1.700 Tonnen Antibiotika in der Tiermedizin zum Einsatz. Betreiber industrieller Massentierhaltung verwenden zusätzlich hoch wirksame Reserve-Antibiotika, die eigentlich dafür bestimmt sind, kranken Menschen zu helfen, bei denen kein anderes Antibiotikum mehr wirkt. Tiere in industriellen Tierhaltungen sind so eng und so artwidrig zusammengepfercht, dass sie Antibiotika benötigen, um die Schlachtbank überhaupt zu erreichen. Der Einsatz von Antibiotika rechnet sich für die milliardenschwere Tiermastindustrie. Die Bauern finanzieren den Gewinn der Pharmaindustrie, betonte Ebner. Dabei stellte der Tierarzt klar, dass er damit nicht den Bauern meint, der in Trostberg und Umgebung wirtschaftet, sondern Landwirte, die Massentierhaltung betreiben.

Antibiotika-Rückstände und multiresistente Keime im Fleisch haben Auswirkungen auf den Menschen: Sie sind gefährliche Erreger, die gegen fast jedes Antibiotikum resistent sind. Diese Resistenz können sie auf andere Bakterien übertragen, lebensrettende Medikamente könnten versagen.

Gefahren birgt der massive Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung auch für das Trinkwasser, in das sie über die Gülle durch den Boden gelangen. Denn: Nur ein geringer Teil der verabreichten Medikamente verbleibt in den Tieren, den Rest scheiden die Tiere wieder aus. Verwendet der Landwirt die Ausscheidungsprodukte als Dünger, gelangen die Antibiotika und deren Abbaustoffe auf die Felder. Durch das Versickern in den Boden besteht die Gefahr, dass die Wirkstoffe ins Grundwasser gelangen. Die EU habe Deutschland bereits abgemahnt, weil die Nitratwerte im Grundwasser zu hoch sind, berichtete Ebner.

Der Tierarzt bezeichnete Medikamente als Grundlage industrieller Fleischproduktion. Auch bei korrekter Anwendung führten Antibiotika zu Resistenzbildung – ein lange unterschätzter Fakt. Ebner: „Erst wenn die Katastrophe da ist, wird gehandelt.“ Dieses Problem stehe erst auf der Tagesordnung, seitdem bekannt ist, dass in Deutschland jährlich 15 000 Menschen sterben, weil Antibiotika nicht mehr wirken. „Und ich glaube, dass diese Zahl noch untertrieben ist.“

Für Ebner ist auch wichtig, wie der Mensch mit dem Lebewesen Tier umgeht. Artgerechte Tierhaltung mit genügen Auslauf, Stroh und geeignetem Futter koste unbestritten mehr Geld. Aber: Nur 15 Jahre nach dem Ausbruch von BSE sind deren schwere Folgen bereits wieder vergessen. Die Verwendung von Tierkörpermehl ist unter dem Begriff „Animal protected Protein“ (APP) zur Verfütterung an Fische wieder zugelassen. Ebner forderte, in puncto Futter Kannibalismus zu vermeiden, an Wiederkäuer kein Eiweiß von Schwein oder Geflügel zu verfüttern. BSE habe weit über 100 000 Milliarden Euro Schaden angerichtet, die englische Landwirtschaft habe sich bis heute nicht davon erholt. Tierseuchen und damit Art der Tierhaltung seien damit keine Randthemen, sondern gesellschaftliche Themen.

Mit dem Thema Antibiotika verband Ebner das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP. Länder der EU gingen gegen den immensen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung vor. Ebner. „In den USA interessiert das niemand.“ In den Vereinigten Staaten seien Antibiotika und Wachstumshormone wie Rinder-Somatotropin (BST) frei verkäuflich. „Da ist kein Tierarzt dazwischen“, betonte Ebner. Daher forderte er mit Blick auf Freihandelsabkommen: „Ich möchte, dass das alte Europa sich mit seinem Vorsorgekonzept durchsetzt.“ Michael Falkinger

(1. Juni 2015)

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