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Ortssprecherin Nina Boxhammer, Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, Bundestagsabgeordneter Dr. Anton Hofreiter, Kreissprecherin Helga Mandl und Ortssprecher Dr. Alfons Knott.

Grünen-Politiker von der Orts- bis zur Bundespartei (von links): Ortssprecherin Nina Boxhammer, Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, Bundestagsabgeordneter Dr. Anton Hofreiter, Kreissprecherin Helga Mandl und Ortssprecher Dr. Alfons Knott. Foto: fam

„Esskultur ist veränderbar“

Grünen-Bundestagsabgeordneter Dr. Anton Hofreiter zu Gast im Postsaal-Gewölbe

„Es geht schlicht und ergreifend um unsere eigenen Lebensgrundlagen.“ Das hat Dr. Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, während der Lesung aus seinem Buch „Fleischfabrik Deutschland“ im Postsaal-Gewölbe betont. Etwa 100 Interessierte waren zur Veranstaltung des Trostberger Grünen-Ortsverbands gekommen; das Gewölbe musste mit zusätzlichen Stühlen bestückt werden.

Hofreiter bezeichnete die Agrarindustrie mit ihrer „Turbo-Mast“ als Hauptursache für das Artensterben, weil sie große Flächen beanspruche. Der Grünen-Politiker zählte Maßnahmen auf, die die derzeitige Situation verändern könnten. Die Politik sollte sich davon lösen, Subventionen an die Größe der Flächen zu binden, sondern sie nach Leistung verteilen – etwa bei Tier-, Arten- und Klimaschutz.
In puncto Transparenz forderte Hofreiter, dass der Kunde wissen muss, was er kauft. Das sei bei konventionellen Produkten oft unklar. Discountern warf Hofreiter hier Etikettenschwindel vor. Die Etiketten erweckten den Eindruck „heiterer, von Glück erfüllter Idylle“, die auf den Verpackungen abgebildeten Bauerngüter gebe es jedoch in Wirklichkeit nicht.

Zudem könnte der Gesetzgeber zum Beispiel Regelungen für importiertes Soja treffen. Soja werde in südamerikanischen Ländern angebaut, um die Tiere in der „Fleischfabrik Deutschland“ mästen zu können. Flächen, die zum Beispiel vorher im Besitz der brasilianischen Regierung gewesen sind, würden an Großgrundbesitzer verkauft. Die Großgrundbesitzer schickten dann bewaffnete „Todesschwadronen“, um die Menschen aus den besiedelten Gebieten zu vertreiben, um Land und Wald roden zu können. Hofreiters Appell: Es sollten nur Produkte nach Deutschland geliefert werden, deretwegen niemand vertrieben oder gar ermordet wird. Deutschland baue hier zu wenig Druck auf. Hofreiter forderte zudem Lieferkettengesetze, die die Einhaltung von Menschenrechten gewährleisten.

Der hohe Fleischkonsum sei ein Problem, das den Planeten ins Wanken bringe. Wenn jeder Mensch so viel Fleisch essen würde wie die Deutschen, bräuchte es einen zweiten Planeten. Hofreiter sagte voraus, dass die Menschen künftig weniger, aber dafür qualitativ höherwertiges Fleisch essen werden. Er zeigte sich überzeugt: „Esskultur ist veränderbar.“ Michael Falkinger

(18. Juli 2019)

Der Trostberger Ortsverband stellt sich vor.
Nina Boxhammer
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