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Kreissprecherin Helga Mandl und MdB Doris Wagner.

Nahmen den neuen Bus für die Stadtlinie unter die Lupe: Grünen-Kreissprecherin Helga Mandl (links) und Grünen-Bundestagabgeordnete Doris Wagner inspizierten die Rampe, die Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen den Zugang in den Stadtbus erleichtert. Foto: fam

Herausforderungen an die Mobilität

Grünen-Ortsverband organisiert Fachgespräch über ÖPNV mit Doris Wagner (MdB)

ÖPNV, E-Bikes, Carsharing, den älteren Nachbarn mit dem Auto mitnehmen oder Besorgungen für ihn erledigen: Das Thema „Mobilität und demografischer Wandel“ stand im Mittelpunkt eines Fachgesprächs mit Grünen-Bundestagsabgeordneter Doris Wagner, das der Trostberger Ortsverband von  Bündnis 90/Die Grünen im Hotel „Pfaubräu“ organisiert hatte. Wagner sitzt für den Wahlkreis München-Nord im Bundestag und ist dort unter anderem Fraktionssprecherin für Demografiepolitik, Obfrau im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie Ordentliches Mitglied im Verteidigungssausschuss.

Als weitere Referenten konnten Grünen-Ortssprecherin Martina Knott sowie die Grünen-Stadträte Karl-Heinz Boxhammer und Hans Stalleicher Michael Schmidt, Leiter der RVO-Niederlassung Traunstein, Bernd Sluka, bayerischen Landesvorsitzenden des Verkehrsclub Deutschland (VCD), Günter Fix, Kreisvorsitzender des Auto Clubs Europa (ACE) und Leiter des Trostberger vhs-Seniorenclubs, Hans-Eberhard Kühn vom kommissarischen Seniorenbeirat der Stadt Trostberg, den Trostberger Busunternehmer und Stadtlinien-Betreiber Karl-Heinz Hövels sowie Grünen-Kreissprecherin Helga Mandl begrüßen. Christoph Kraller, Geschäftsleiter der Südostbayernbahn, hatte abgesagt, Boxhammer jedoch mitgeteilt, dass die Südostbayernbahn Ende 2014 von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft eine Vertragsverlängerung bis Dezember 2024 erhalten habe. Nach derzeitigem Stand der Dinge werde sich an der Eisenbahn auf der Traun-Alz-Achse bis Dezember 2024 nichts ändern, teilte Kraller Boxhammer in einem Schreiben mit.

Boxhammer erklärte, dass der demografische Wandel großen Einfluss auf künftige Mobilitätsformen ausübe – auch in Trostberg, da die Stadt einen hohen Anteil an Senioren habe. Dies bedeute, dass sich die Stadt neuen Herausforderungen stellen muss, da Mobilität ein wichtiger Standortfaktor und Grundrecht für jeden sei.

Es sei wichtig, Mobilität für alle zu sichern – auch für die, die selbst kein Auto besitzen, betonte Sluka. Der VCD-Landesvorsitzende forderte einen ausgebauten, barrierefreien öffentlichen Verkehr. Zudem müsse es in Wohnortnähe Möglichkeiten geben, Bedürfnisse des täglichen Lebens wie Einkaufsmöglichkeiten und Arztbesuche abdecken zu können. Wagner nannte hier als Beispiele Zahnärzte und Apotheker, die selbst zu ihren Kunden vor Ort kommen. Es bedürfe eines Prozesses des Umdenkens, da die Menschen immer noch zu zentriert auf das Auto seien. Dabei bekräftigte die Bundestagsabgeordnete die Forderung der Grünen nach mehr Mobilität, aber nach weniger Verkehr.

Daher appellierte Sluka, die Nahmobilität aufzubauen und zu fördern. Die Städte müssten ihren Verkehr entwickeln – dazu gehörten auch Wege für Fußgänger und die Förderung der E-Mobilität. Für Senioren, die selbst nicht mehr so mobil sind, müssten Strukturen wie Sharing-Angebote und Nachbarschaftshilfen aufgebaut werden.

Senioren wollten so lange wie möglich mobil bleiben, erklärte Fix – egal  ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Auto. Beim Thema „Mobilität im Schienenverkehr“ bezeichnete er die Fahrkartenautomaten als Buch mit sieben Siegeln. Auf Fahrplänen an Bushaltestellen seien die Zahlen und Buchstaben oft sehr klein. „Als Fußgänger muss man Trostberg ein Kompliment machen“, betonte Fix. Er nannte als Beispiele die barrierefreien Übergänge auf Höhe des Hotels „Pfaubräu“ und auf dem Vormarkt sowie neu dazu gekommen im Bereich vor dem Rathaus.

Privatinitiativen wie die Nachbarschafshilfen, die bereits Sluka angeregt hatte, sollten auch nach Meinung Kühns stärker gefördert werden. Die Trostberger Stadtlinie sei an sich eine hervorragende Einrichtung, aber es gebe noch Lücken im Fahrplan. Drei Stunden in den Mittagszeiten warten zu müssen, sei nicht zumutbar. Dies erkläre sich jedoch dadurch, dass der Stadtbus mittags für den Schülerverkehr eingesetzt wird, sagte Linienbetreiber Hövels.

Nun gebe es deutlich mehr Fahrten im Stadtverkehr, erklärte Schmidt, dessen Unternehmen die Konzession für die Stadtlinie Hövels übertragen hat. Auf Anregung des Seniorenbeirats führten bestimmte Fahrten über die Trostberger Kreisklinik. Schmidt: „Das wird sehr gut angenommen.“

Flächendeckend wohl nicht so realisierbar werde der Variobus sein, den der Landkreis derzeit bis Ende 2016 mit Fördermitteln im Probebetrieb zwischen Tittmoning, Fridolfing, Kirchanschöring und Taching mit Anschluss an den Waginger Bahnhof betreibt, sagte Schmidt. Der Variobus ist ein variables Rufbussystem, das ganzjährig im Einsatz ist und das bestehende ÖPNV-Angebot ergänzt. Die Fahrgastzahlen von monatlich etwa 600 Passagieren seien sehr überschaubar. Die jährlichen Betriebskosten des Variobusses – eines Achtsitzers – bezifferte Schmidt mit 10.000 Euro. Und: Nicht Senioren, sondern überwiegend junge Menschen nähmen den Variobus in Anspruch.

Wagner betonte, es sei wichtig, dass Menschen jedes Alters mobil sein können, nicht nur die Senioren. Wenn junge Menschen, die selbst kein Auto haben wollen oder können, nicht von A nach B kommen, drohe Gefahr, dass sie aus dem ländlichen Raum in die Großstadt abwandern. Mobilität sei nicht nur für den Schul-, sondern auch für den Freizeitverkehr wichtig. Im Landkreis Traunstein fahren freitags und samstags fünf Nachtlinien, sagte Hövels dazu als Beispiel. Michael Falkinger

(28. April 2015)

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