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MdL Andreas Krahl, MdL Gisela Sengl und Bürgermeister-Kandidatin Nina Boxhammer

Diskutierten über die Zukunft der Pflegeversorgung: MdL Andreas Krahl, MdL Gisela Sengl und Trostbergs Bürgermeister-Kandidatin Nina Boxhammer.

Die Zukunft der Pflegeversorgung

Pflegepolitischer Sprecher MdL Andreas Krahl zu Gast in Trostberg

Das Thema Pflege gewinnt immer mehr an Aktualität, nicht nur durch die Ablehnung des Volksbegehrens Pflegenotstand durch Gerichtsentscheid, sondern auch durch den demografischen Wandel und den zunehmenden Fachkräftemangel. Da Trostberg viele Pflegeeinrichtungen hat, lud Nina Boxhammer, Bürgermeisterkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen in Trostberg MdL Andreas Krahl ein. Dieser ist pflegepolitische Sprecher der Grünen im bayerischen Landtag und selbst Intensivkrankenpfleger.
Außerdem war MdL Gisela Sengl, Landratskandidatin der Grünen für Traunstein, zu Gast.

Dabei stand zuerst ein Besuch in einem Trostberger Pflegeheim auf dem Plan, wo sich die Politiker über die aktuelle Situation informierten und über mögliche Maßnahmen diskutierten. Anschließend gab es eine öffentliche Veranstaltung im Gewölbe des Postsaals.

Vor einem interessierten fachkundigen Publikum führte Gisela Sengl auf das Thema hin und stellte fest, dass dieses immer noch gerne verdrängt wird. Gerade die stark alternde Gesellschaft, insbesondere im Bereich der Hochbetagten, und das Auflösen traditioneller Familienverbände erforderten, dass das Thema in die Mitte der Gesellschaft gerückt werde und die notwendige Wertschätzung erfahre. Die Hauptlast der Pflege liege immer noch auf den Schultern der Angehörigen und hier besonders oder fast ausschließlich auf denen der Frauen. Da das Bedürfnis bestehe, in der bekannten sozialen Umgebung, am besten in den eigenen vier Wänden alt zu werden, seien künftige Wohn- und Pflegestrukturen darauf auszurichten.

MdL Andreas Krahl sprach in seinen Ausführung nicht mehr von Pflegenotstand, sondern von einer nahenden Pflegekatastrophe. So gibt es derzeit 350.000 Pflegebedürftige. Davon werden 74 Prozent zu Hause gepflegt. Laut einer Studie haben 20 Prozent der Pflegebedürftigen körperliche Gewalt im Rahmen der Pflege erfahren. Bis zum Jahr 2037 wird die Zahl der Älteren (65 und älter) um 36 Prozent zunehmen und damit auch die Zahl der zu Pflegenden.

Das Land Bayern unterlässt jedoch die notwendigen Maßnahmen. So gibt es keine flächendeckende Versorgungsplanung wie in allen anderen Bundesländern (m.A.v. BW). Auch die Investitionen stagnieren seit 2015 bei 40 Millionen Euro jährlich. Im Gegenzug werden für das Landespflegegeld jährlich über 400 Millionen Euro aufgewandt. Seit 2008 wurden von den 60 notwendigen Pflegestützpunkten erst neun eingerichtet.

Zur Vermeidung der Pflegekatastrophe sind auf Ebene des Bundes, des Landes und der Kommunen gesetzliche und organisatorische Maßnahmen erforderlich. Vom Bund sind gesetzliche Regeln im SGB gefordert, z. B. um alternative Pflegeformen bzw. Pflegegemeinschaften zuzulassen.

Quartiersarbeit ist Grundlage für Zukunftsfähigkeit

Für Bayern fordert Andreas Krahl die rasche Erarbeitung eines Landespflegestrukturplanes. Es kann nicht angehen, dass den Bedarfsplanern unbekannt ist, wie viele ausgebildete Pflegekräfte nach Sparten es gibt, wie viele derzeit aktiv tätig sind und in welchem Zeitraum.

Die Kommunen müssen erfolgreiche Quartiersarbeit leisten, forderte Krahl. Dies gelingt nur mit guter Netzwerkarbeit und einem engagierten Einsatz. Wichtigster Handlungspunkt ist der Sozialraum mit Wohnen, Soziales sowie Pflege und Unterstützung. Da künftig die Vereinsamung der Menschen zunimmt, braucht es eine aufsuchende Beratung und Unterstützung. Beispielhaft sind hier Island und Großbritannien. Dort gibt es einen Minister für Einsamkeit. Eine gute Gestaltung des öffentlichen Raumes kann auch aus der Einsamkeit führen; ebenso Mehrgenerationen-Projekte, die Alt und Jung zusammenführen.

Ohne Ehrenamt wird es auch in Zukunft nicht gehen. Das Ehrenamt darf nicht überfordert werden. Die Kommunen müssen die Möglichkeit der Familiengesundheitspflege (aufsuchende Beratung und Pflege) nutzen. Die Finanzierung ist gesichert und somit kein Hemmschuh.

Dies unterstrich auch Nina Boxhammer und machte deutlich, dass ihr Ziel für Trostberg ist, bei der Stadtplanung immer auf ein Gesamtkonzept zu achten, das neben Ökologie auch stark die Punkte Mobilität, Nachhaltigkeit und Bezahlbarkeit in den Fokus nimmt. Auch durch eine gezielte Förderung und Ausweitung des Sozialraums Trostberg will sie den Trostbergern ein breit gefächertes, niederschwelliges Angebot an Beratung und Hilfestellung in allen Lebensbereichen machen.

(31. Oktober 2019)

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