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MdL Gisela Sengl und OV-Sprecherin Margret Winnichner

Gisela Sengl, die agrarpolitische Sprecherin der Grünen im bayerischen Parlament (l.) und Margarete Winnichner, Gemeinderätin und Ortsverband Sprecherin der Grünen in Übersee, zeigten sich sehr erfreut über die Resonanz der Besucher zum Vortrag über eine nachhaltige Landwirtschaft. Foto: Alois Albrecht

Eckpunkte für nachhaltige Landwirtschaft

Sengl beim OV Übersee: Von Massentierhaltung bis Glyphosat

Als agrarpolitischer Sprecherin der Grünen im bayerischen Landtag liegt die Landwirtschaft Gisela Sengl natürlich besonders am Herzen. Es sei das Bestreben gewesen, eine naturgerechtere, ökologischere Landwirtschaft zu erreichen, was sie bewogen habe sich politisch zu engagieren, sagte die Abgeordnete bei einem Treffen im Gasthaus Feldwies in Übersee. Sengl hielt dort einen Vortrag über ihre Vision, wie eine solche Landwirtschaft gestaltet werden könnte.

Begrüßt wurden die Besucher von Gemeinderätin und Ortsverbands-Sprecherin der Grünen, Margarete Winnichner, Winnichner sagte, sie freue sich über das offensichtliche Interesse an einer anders ausgerichteten Landwirtschaft, das die Leute in der voll besetzten Gaststube zeigten, und sei selbst sehr gespannt auf den Vortrag von Sengl und die nachfolgende Diskussion.

Sengl begann ihren Vortrag mit der Feststellung, durch die Schäden an Umwelt, Menschen und Tieren, verursacht von der industriellen Turbo-Landwirtschaft, werde es immer klarer, es müsse ein Umdenken und einen Umbau in der Agrarwirtschaft geben. Um das zu erreichen bedürfe es aber einer effektiven Kommunikation der Gründe dafür und konkretisierte Vorgaben an die Landwirtschaft und die gesamte Gesellschaft, wie dies vor sich gehen könnte. Es sei auch wichtig, diese Umgestaltung auf europäischer Ebene zu vollziehen, denn „Umweltzerstörung und Wasserverseuchung machen nicht an Grenzen halt“, sagte Sengl.

Wie nötig dieser Wechsel zu einer nachhaltigen und umweltverträglichen Landwirtschaft sei, zeige der Zustand des Wassers in Seen und Flüssen. Wobei noch der Unterschied zwischen Boden- und Grundwasser eine Rolle spiele. Schon die jetzt geltenden europäischen Vorschriften hinsichtlich der Wasserqualität seien in Deutschland und anderen Ländern nicht zu erreichen, wenn kein unmittelbarer Wechsel stattfinde. Bayern stehe in dieser Beziehung allerdings noch gut da, meinte die Abgeordnete.

Effektiver Wasserschutz spiele auch für die Landwirtschaft eine große Rolle, sei insgesamt von überragender Wichtigkeit und nur durch flächendeckende Aktionen zu erreichen. Die Wasserzweckverbände müssten mit Kommunen und Bauern Verträge abschließen, durch die bestimmte zusätzliche Areale als Wasserschutzgebiete ausgewiesen werden könnten, meinte Sengl. Dies sollte geschehen, um die durch zu viel Gülle auf Wiesen und Feldern entstehenden Schäden zu eliminieren. Eigentlich sei Gülle ein ausgezeichneter Dünger, nur die Menge müsse mit der Fläche übereinstimmen. Durch die von der bisherigen Politik vorangetriebene Massentierhaltung sei das aber unmöglich geworden.

Wirtschaftliche und andere Belange müssten hinter den Wasserschutz zurücktreten und nicht wie jetzt an erster Stelle stehen. Es laufe etwas falsch, wenn von der Politik zugelassen werde, dass es in Orten mit 4.500 Einwohnern Schweinezuchtbetriebe mit 60.000 Schweinen gebe. „Solche Zustände machen Bauern unwillkürlich zu schwarzen Schafen“, meinte Sengl. Jedenfalls müsse der zu hohe Nitratgehalt im Boden und Wasser, zu dem auch die übermäßige Verfütterung von Kraftfutter beitrage, drastisch gesenkt werden.

Überhaupt sollte die Landwirtschaft weg von der übermäßigen Exportorientierung und hin zu einer auf Regionen bezogenen. Das eliminiere lange Zulieferwege und es könnten frischere, besser schmeckende Lebensmittel in die Geschäfte kommen. Der Trend, den Verbraucher einschlagen, ziele schon in diese Richtung. Um auch die Bauern dorthin zu bewegen, müssten sie aber gerechte Preise für ihre Produkte bekommen, von denen sie gut leben und ihre Höfe erhalten könnten, sagte die Abgeordnete. Einen wichtigen Beitrag, um dies zu erreichen, könnten öffentliche Einrichtungen, wie Krankenhäuser, Behörden, Schulen, Kindertagesstätten und Vereine machen, indem sie sich verpflichten regionalen Produkten den Vorzug zu geben. Preisliche Unterschiede zu billigerer Massenware könnten durch staatliche Zuschüsse ausgeglichen werden. Die billigen Massenprodukte führten zudem zu großer Verschwendung, denn wie Nachforschungen zeigten, würden in Deutschland etwa 30 % der Lebensmittel in den Müll geworfen.

Ein weiterer Weg, hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft sei reduzierter Flächenverbrauch. Es sei widersinnig, meinte Sengl, an Ortsrändern große Flächen für Diskontgeschäfte zur Verfügung zu stellen. Fraglich sei zudem, ob der dadurch entstehende Zuwachs an Gewerbesteuern die Schäden und Verluste in der Natur und den Ortskernen ausgleichen würde, meinte die Abgeordnete. In Frage stellte Sengl auch die staatlichen Zuschüsse für landwirtschaftliche Flächen. Dabei werde die großflächige Landwirtschaft, nach den jetzt geltenden Regeln, gegenüber den Kleinbauern übermäßig bevorzugt.

In der dem Vortrag folgenden Diskussion kamen auch die in der industriellen Landwirtschaft verwendeten Chemikalien, wie Glyphosat und die Gentechnik zur Sprache. Die Feststellungen mehrerer Diskussionsteilnehmer*innen, diese Chemikalien und die Gentechnik seien mit einer nachhaltigen Landwirtschaft unvereinbar, fanden allgemeine Zustimmung. Sengl meinte dazu, sie seien nicht nur gefährlich für Boden, Mensch und Tier, sondern auch kontraproduktiv. Wie Forschungen zeigten, seien mit diesen Methoden die Erträge nach vielleicht anfänglichen Steigerungen längerfristig rückläufig. Sie verminderten Artenvielfalt und reduzieren den Bestand der Insekten, die für die Bestäubung wichtig sind.

Ein weiterer Diskussionspunkt befasste sich mit der Anbindehaltung von Rindern. Eine Bäuerin meinte dazu, auch Bauern, die durch die Gegebenheiten auf ihren Höfen keine oder kaum Möglichkeiten hätten, dies zu ändern, würden zu Sündenböcken gemacht. Ihr wurde in der Diskussion beteuert, dies sei keinesfalls die Absicht der meisten Menschen, es müsse aber auch von den Bauern dazu beigetragen werden, ihre Situation in der Öffentlichkeit ausgewogen zu erläutern, statt sich stur zu stellen und in die Defensive zu gehen.

Abschließend dankten Sengl und Winnichner den Besuchern für ihr Interesse und die lebhafte Diskussion und meinten, es lohne sich und sei ohnehin unumgänglich, für einen Wechsel hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft einzutreten. Alois Albrecht

(19. Juni 2017)

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