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„Flüchtlingsströme“ kein Phänomen unserer Zeit

Flucht und Asyl – Zusammenhänge und Hintergründe

Aus aktuellem Anlass wurde im Rahmen des Ortsverbandstreffens das Thema Asyl und Flucht diskutiert. Gemeinderätin Margarete Winnichner zeigte Hintergründe und Zusammenhänge auf. Geflüchtete und Asylbewerber zu unterstützen ist eine Aufgabe, die von Staat und bürgerschaftlichen Engagement gemeinsam getragen werden muss. Aber auch die Kommunen müssen ihren Beitrag dazu leisten.

Flucht gibt es schon so lange wie es Menschen gibt, und die Geschichtsbücher darüber sind voll davon. Deutsche Bürgerinnen und Bürger haben widerholt ihre Heimat verlassen und das aus ganz unterschiedlichen Gründen. Sowohl wirtschaftliche als auch politische Gründe haben sie dazu veranlasst oder sind ihnen aufgezwungen worden. Die meisten von ihnen wollten damit der Armut entkommen. Sie versprachen sich von den anderen Kontinenten ein gesichertes Dasein für sich und ihre Nachkommen.

Aus überwiegend politischen Gründen flüchteten in der Zeit zwischen 1931 und 1940 schätzungsweise 114.058 Menschen aus Deutschland vor dem nationalsozialistischen Terror, da sie um ihr Leben fürchten mussten. Viele Oppositionelle sind der damaligen Diktatur zum Opfer gefallen, weil die Staaten Europas nicht bereit waren, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. Im Oktober 1946 wurden in allen vier Besatzungszonen 9,6 Millionen Vertriebene gezählt, mit dem Ergebnis, das die deutsche Bevölkerung in diesem Gebiet gegenüber 1939 um über zehn Prozent zunahm.

Die aktuelle Situation

Von der Geschichte zur aktuellen Situation unterscheiden sich die Fluchtursachen und Gründe nicht von denen des letzten Jahrhunderts. Die zentrale Mittelmeerroute hat im letzten Jahr 2.887 Tote laut Internationaler Organisation für Migranten (IOM) gefordert. Geschätzt 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht; 40 Millionen davon sind Binnenflüchtlinge, d. h. sie flüchten im eigenen Staat vor Bürgerkriegen und Terrormilizen. Nur ein kleiner Teil dieser Menschen, die vor kriegerischen Auseinandersetzungen, Verfolgung, Hunger und Armut fliehen, erreicht tatsächlich Europa. Und doch stellen sie Europa und auch die Bundesrepublik vor immense Herausforderungen.

Herausforderungen für Deutschland

Deutschland kann nicht alle Geflüchteten aus den Krisengebieten aufnehmen, steht allerdings zu seinen humanitären Verpflichtungen. Wir können uns nicht einfach abschotten – weder rechtlich noch moralisch. Im Rahmen des Asylsystems gibt es eine internationale und europäische Verantwortungsgemeinschaft. Dieser Verantwortung stellt sich Deutschland. Es gibt im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit eine hohe Aufnahmebereitschaft, eine große Offenheit und Willkommenskultur gegenüber Geflüchteten und Asylbewerbern.

Allerdings gibt es auch immer wieder Unbehagen gegen über den Fremden; in gewisser Weise ist dies auch verständlich und menschlich, da alles Fremde erst einmal Angst erzeugt. Dies darf aber nicht zur Folge haben, dass geringschätzig und abwertend über diese Menschen gesprochen wird. Sie haben ihr Leben riskiert für ein Leben in Sicherheit und sollen alle ihre Chancen, die unser Land bietet nutzen können. Je mehr wir uns mit den neu Zugewanderten beschäftigen, desto weniger werden die Vorbehalte – Kennenlernen hilft und nähert die Menschen einander an. Nur Zäune zu bauen und zu hoffen, dass kein Flüchtling mehr unser Land betritt, ist unmenschlich und unchristlich und entspricht nicht dem Grundgesetz.

Die kommunale Ebene spielt bei der Unterbringung von Flüchtlingen die zentrale Rolle. Der Landkreis und seine Verwaltung haben hier sehr gut gearbeitet. Nur die wenigsten Gemeinden sind ihrer Pflicht noch nicht nachgekommen, Geflüchtete aufzunehmen. In der Gemeinde Übersee leben derzeit 40 Asylbewerber aus Afghanistan und Syrien. Sie sind über eine Gruppe bürgerschaftlich engagierter Bürgerinnen und Bürger gut versorgt.

Es stellt sich nun die Aufgabe, für anerkannte Asylbewerber den erforderlichen Wohnraum zu finden. Sie dürfen zwar momentan in den dezentralen Unterkünften verbleiben, sollte sich jedoch die Zahl der neu ankommenden Flüchtlinge wieder erhöhen wird das nicht mehr möglich sein.

Wenn wir also Geschichte und Gegenwart unter dem kleinen Ausschnitt „Flüchtlingsstrom“ betrachten, so sollten wir uns von den Chancen welche die „Fremden“ für unsere Gesellschaft auch mitbringen mehr beeindrucken lassen als von den Problemen, die ohne Frage noch gelöst werden müssen. Margarete Winnichner

(Februar 2017)

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