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Gegen Lichtverschmutzung kann jeder was tun.

Lichtverschmutzung beeinträchtigt Mensch, Tier und Natur. Deshalb: Licht aus im Chiemgau!

Licht aus im Chiemgau

Lichtsmog: Gedankenloser Umgang mit nächtlichem Kunstlicht schädigt Ökosystem

Auch wenn die Coronakrise das alles überlagernde Thema ist, sind Herausforderungen wie Klimawandel und Artensterben nach wie vor präsent. Dazu gehört der Lichtsmog, den man mit gutem Willen auch im Gemeindebereich eindämmen kann.

Immer häufiger wird über den Artenschwund und vor allem das massive Insektensterben und seine verheerenden Konsequenzen für das Ökosystem und uns Menschen berichtet. Laut aktueller Forschung ist dafür maßgeblich auch der so genannte Lichtsmog verantwortlich – also der verschwenderische und gedankenlose Umgang mit nächtlichem Kunstlicht, der eben mehr als nur Energieverschwendung mit sich bringt.

Im Süden unseres Landkreises, auf der Winklmoosalm, liegt einer der wenigen zertifizierten Sternenparks Deutschlands. Hier ist es nachts noch richtig dunkel. Nur wenige Kilometer nördlich ist es aber die ganze Nacht über hell: Scheinwerfer, die Bäume von unten anleuchten. Gartenlampen, die bis zum Morgengrauen leuchten. Wandstrahler, die Hausfassaden nach oben und unten bestrahlen. Diese permanente Helligkeit hat Auswirkungen auf Säugetiere, Pflanzen, Insekten und auch auf uns Menschen. Der fehlende Hell-Dunkel-Rhythmus belastet den Organismus, der darauf getrimmt ist, sich nachts im Dunkeln zu regenerieren. All das gerät aus dem Takt, wenn es nicht mehr richtig dunkel wird. Verheerender ist es für die 60 Prozent aller Lebewesen, die nachtaktiv sind. Sie werden in ihren nächtlichen Aktivitäten wie Futtersuche, Bestäubung oder Partnerwahl gestört. Die vielen Lichtquellen – oft hell wie der Vollmond – lenken die Insekten ab, die eigentlichen Aufgaben werden nicht mehr erfüllt.

Aber die gute Nachricht: wir können mit wenig Aufwand und wenig Einschränkungen die Lichtverschmutzung reduzieren. Eine generelle Patentlösung gibt es nicht, aber mehrere Empfehlungen:

  • So wenig Licht wie möglich. Überlegen Sie, ob die Beleuchtung wirklich nötig ist. Weniges, gleichmäßiges Licht nur da, wo z. B. Stolperfallen drohen. Die Wirkung von Licht als Abschreckung vor Einbrüchen oder Überfällen ist nicht nachgewiesen: Da wo weniger Licht eingesetzt wird, steigt die Kriminalitätsrate nicht automatisch. Dies gilt übrigens weltweit.
  • Licht nur da, wo es nötig ist. Keine Abstrahlung zur Seite oder zum Nachbarn. Niemand soll gezwungen sein, sich vor Licht zu schützen. Vielmehr müssen andere vor Licht geschützt werden.
  • Licht nur dann, wenn es nötig ist. Keine Beleuchtung ist die ganze Nacht nötig, Bewegungsmelder erhellen dann, wenn jemand unterwegs ist. Und: auch Solarleuchten sind in der Produktion und in der Entsorgung umweltschädlich, und sie kosten in der Anschaffung Geld.
  • Licht nur nach unten. Licht sollte nicht über die Horizontlinie strahlen, besonders nicht schräg oder direkt nach oben.
  • Wenig Blauanteil bei Leuchtmitteln. Je niedriger der Blauanteil und somit die Farbtemperatur, desto besser. 3000 Kelvin sollten das Maximum sein, es gibt mittlerweile sehr gute so genannte Amber-LEDs mit ca. 1800 Kelvin, die angenehmes und ausreichendes Licht spenden.

Können Sie sich vorstellen, wie sich mit der einfachen Umsetzung dieser Empfehlung Insektensterben und Artenvielfalt ändern könnten? Und wie faszinierend es für uns wäre, von Balkon oder Terrasse aus zusätzlich mehrere tausend Sterne am Nachthimmel zu sehen? Deswegen: Licht aus im Chiemgau!

Weitere Tipps finden Sie auf der Seite www.paten-der-nacht.de, einer bundesweiten Initiative aus Rimsting. Frank Weiß

(26. April 2020)

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