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Mikroplastik in Kosmetika und Klärschlamm

Grüne im Landkreis: Aktionstag für Aufklärungsaktion auf dem Chiemsee

Plastik macht das Leben einfach und angenehm. Dafür sorgt weltweit eine Jahresproduktion von 300 Millionen Tonnen des unverrottbaren Erdölprodukts. Doch wohin mit dem Müll? Längst schwimmen nicht nur riesige Inseln von Plastikresten in den Weltmeeren, sondern der Stoff ist in Form winzig kleiner Partikel von Mikroplastik im Klärschlamm und sogar im Körper des Menschen angekommen: Er findet sich als Schmirgelzusatz in Zahn- und Peelingscremes und ist in Muscheln, Fischen, Bier und Honig nachgewiesen. Mitunter enthalten die Teilchen zusätzlich ökologisch und gesundheitlich bedenkliche Zusatzstoffe wie Weichmacher und Flammschutzmittel. 

Unter dem Motto „Besser leben ohne Plastik“ hat der Landesverband der Grünen deshalb zu einer bayernweiten Kampagne aufgerufen, die bis September Aufklärungsaktionen zum Verzicht und bewussteren Umgang mit dem Risikostoff Plastik umfasst. Zum Start der Aktion am internationalen plastiktütenfreien Tag kam der Landesvorsitzende Eike Hallitzky zusammen mit Mitgliedern der Kreistagsfraktion und des Kreisvorstands der Traunsteiner Grünen sowie Gemeinderäten zu einer Erkundungsfahrt an dem Chiemsee.

Das Bayerische Meer ist Teil einer umfassenderen Studie des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz zum Nachweis von Mikroplastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Neben dem Chiemsee wurden Proben am Starnberger See, Ammersee, Altmühlsee und der Trinkwassertalsperre Mauthaus sowie in Donau, Isar und Altmühl gezogen. Die ersten Ergebnisse der 2014 begonnenen Untersuchung weisen auf eine „geringe bis mittlere Belastung“ hin. Zur genaueren Bewertung des Risikos und der Auswirkungen auf Gewässerorganismen wie Fische und Muscheln laufen derzeit weitere Untersuchungen.

„Ein großes Problem ist, dass sich Mikroplastik im Abwasser sammelt, von der derzeitigen Reinigungstechnologie in Kläranlagen aber noch nicht erfasst wird“, erläuterte Hallitzky bei der Abfahrt der Gruppe am Landungssteg in Feldweis. „So gelangen gesundheitsbelastende Stoffpartikel in Flüsse, Seen und Meere und über Muscheln und Fische wieder beim Menschen. In der Donau haben wir stellenweise bereits mehr Plastikteilchen als Fischlarven.“ Genaue Einblicke in die Entstehung, die Gewässerökologie und das labile Gleichgewicht im Chiemsee bzw. am Mündungsdelta der Tiroler Achen vermittelte Chiemsee-Naturführer Jürgen Pohl auf der Bootsfahrt und bei Wasserexperimenten in der historischen Barkasse „Birgit“. Der Achenausfluss ist als Europas größtes Binnendelta eines der letzten großen Vogelschutzparadiese, das rund 340, zum Teil vom Aussterben bedrohte Arten umfasst. Der Eintrag von jährlich 1.500 Lkw-Ladungen an Geröll und 25.000 Ladungen an Schwebstoffen treiben die Verlandung des Chiemsees voran.

Eine deutlichere Belastung mit sichtbarem Plastikmüll, der vom Ufer entfernt werden müsse, ist nach Auskunft von Strandbadbesitzerin Elisabeth Heimbucher aus Chieming insbesondere nach Stürmen oder Hochwasser wie zuletzt 2013 festzustellen. Damals wurden nach Schätzungen des Wasserwirtschaftsamtes zusammen mit tonnenweise Müll auch 20.000 Kubikmeter Treibholz in die unter Naturschutz stehende Hirschauer Bucht geschwemmt. Rund ein Drittel davon wurde in Räumungsaktionen mittlerweile entfernt.

Dank der großen Zu- und Abflüsse erneuert sich das Wasser des Chiemsees durchschnittlich alle 14 Monate einmal. Die zentrale Kläranlage des 1989 eingeweihten Chiemsee-Ringkanals, deren Abwasser in den Inn geleitet wird, hat dem Chiemsee zudem heute Trinkwasserqualität beschert. Der Grünen-Landesvorsitzende Eike Hallitzky sieht darin ein hohes schützenswertes Gut. „Als symbolischer Ort wäre der Chiemsee gut geeignet, um mit einer exemplarischen Förderung entsprechender Klärtechnologien für Mikroplastik den Erhalt der Wasserqualität langfristig zu unterstützen.“ Axel Effner

(5. August 2016)

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