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Naturschutz in Übersee

Vorsitzender des LBV Traunstein Frank Weiß zu Gast

Die Versammlung des Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen stand unter dem Thema Naturschutz in der Kommune. Gemeinderätin Margret Winnichner begrüßte dazu den Vorsitzenden des Landesbund für Vogelschutz Traunstein, Frank Weiß. „Viele Themen des Naturschutzes werden maßgeblich durch Europa-, Bundes- und Landesgesetze bestimmt. Es ist aber nicht so, dass man als Gemeinde nicht im Naturschutz tätig werden kann“, stellte der Referent eingangs heraus.

Als Beispiel nannte er das Wiesenbrütergebiet Schönegart. Die Bodenbrüter dort werden immer weniger. Es gebe kaum noch Feldlerchen, Kiebitze und Insekten. Die Gemeinde Übersee könnte zusammen mit den Landwirten entsprechende Flächen gestalten, so dass mehr Arten überleben, zum Beispiel durch Anlegen von Feldrainen zwischen den Feldern statt nahtloser Übergänge. Vor allem Jungvögel bräuchten Feldraine.

Carsten Voigt meinte, die Gemeinde müsse Artenvielfalt vorleben. Die von der Gemeinde Übersee angelegten Blühstreifen seien ein guter Ansatz in diese Richtung. Sinnvoll sei aber ein Gesamtkonzept, welche Fläche wann gemäht wird und wo noch Arten einzubringen sind. So kann der Blütenreichtum dauerhaft erhöht werden. Auf Gifte zur Unkrautbekämpfung sollte die Gemeinde generell verzichten. Außerdem sollte man statt Zierschnitt Natur zulassen. Im vergangenen Jahr wurden alle Bäume an der Feldwieser Straße auf der Höhe des Naturpavillons ohne ersichtlichen Grund auf wenige Hauptäste zurückgestutzt. Dadurch fielen sie komplett als Nistplätze aus. Auch Bäume, Sträucher und Hecken an Nebenstraßen werden oft extrem zusammengestutzt, obwohl dies nicht wegen der Verkehrssicherungspflicht notwendig sei.

Frank Weiß erinnerte daran, dass Übersee als Blumendorf beworben wird. Im Ortsgebiet könnten naturnah gestaltete Gärten zeigen, wie Artenvielfalt auch auf kleinem Raum gelingen kann. Hier könnte es einen Wettbewerb „Wer hat den schönsten Naturgarten?“ geben. Man sollte die positiven Effekte ausnützen, die das Volksbegehren Artenvielfalt bei den Menschen für naturverträgliches Verhalten angestoßen hat.

Um das Überleben der Insekten zu sichern, seien weitere Maßnahmen notwendig. Dauerhafte Beleuchtung ist oft eine tödliche Falle für Insekten. Gemeinderat Anton Stefanutti sagt man müsste darauf achten, möglichst wenig Streulicht zu produzieren. Gute Straßenbeleuchtungen seien aus Sicherheitsgründen notwendig, man könnte aber nach 23 Uhr die Beleuchtung in Wohnstraßen mit Bewegungsmeldern steuern. Übermäßige Beleuchtung wie an der Bahnhofsunterführung sollten zurückgefahren werden.

Dass Insekten auch lästig sein können, merkt man an der derzeitigen „Mückenplage“. Auch hier ist, wie in vielen anderen Bereichen der Natur, das ökologische Gleichgewicht gestört. Mücken sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette. Es fehlen aber die natürlichen Feinde. Wenn man es mit Insekten- und Artenschutz ernst nimmt, ist der Einsatz von BTI (eine Bakterienunterart, die zur Stechmückenbekämpfung eingesetzt wird) kritisch zu sehen. Nachdem eine negative Auswirkung auf andere Insekten nach aktuellem Stand nicht ausgeschlossen werden kann, ist der Einsatz von BTI nur akzeptabel, wenn er sehr zielgenau und dosiert durchgeführt wird.

Gemeinderätin Winnichner stellte abschließend fest, dass das Volksbegehren „Rettet die Bienen“, bei dem sich 21,38% der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger Übersees eingetragen hatten, durchaus zur Sensibilisierung beigetragen hat, was den Umgang mit Natur und Umwelt anbelangt. Dieses elementare Thema gehe uns alle an und müsse bei den Entscheidungen im Gemeinderat als auch bei unserem persönlichen Handeln mitgedacht werden. Ulrich Genghammer

(8. Juni 2019)

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