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Diese Gedenktafel erinnert am Haupteingang des Überseer Bahnhofs an den Schrankenwärter Engelbert Steiner, der 1943 von den Nazis in Berlin hingerichtet wurde.

Diese Gedenktafel erinnert am Haupteingang des Überseer Bahnhofs an den Schrankenwärter Engelbert Steiner, der 1943 von den Nazis in Berlin hingerichtet wurde.

Der Schrankenwärter Engelbert Steiner aus Übersee
– ein Opfer des Naziregimes

Vortrag und Diskussionsabend zum Schicksal von Engelbert Steiner

Schrankenwärter Engelbert Steiner aus ÜberseeDer Ortsverband von BÜNDNIS90/DIEGRÜNEN organisierte gemeinsam mit der VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) Traunstein einen Vortrag und Diskussionsabend zum Schicksal von Engelbert Steiner.

Der stellvertretende Ortssprecher der Überseer Grünen, Ulrich Genghammer, begrüßte im voll besetzten Veranstaltungsraum die Gäste und den Referenten des Abends, den Historiker Friedbert Mühldorfer, der anhand von Bildern und Dokumenten einen Einblick in die Hintergründe des damaligen Geschehens gab.

1941/42 führte Engelbert Steiner öfters Gespräche mit einem jüngeren Bekannten, den er für einen Nazigegner und für vertrauenswürdig hielt. Er glaubte ihm gegenüber in aller Offenheit reden zu können, und machte aus seiner Gegnerschaft und seinen Hass auf Hitler und die Naziherrschaft keinen Hehl. Unter anderem äußerte er, dass er dem Führerzug schon „einmal etwas unterlegen werde“, gemeint war eine Sprengladung. Der Bekannte erzählte davon seinem Vater, der es an den Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Weber weitermeldete. Dieser leitete die Aussage an den Landrat und die Polizei weiter. Am 11. April 1942 wurde Engelbert Steiner verhaftet.

In den Verhören bestritt er großteils die belastenden Äußerungen, auch die über den Führerzug sei nicht ernst gewesen. Erschwerend wurde ihm die frühere Zugehörigkeit zur KPD angelastet. Auch hatte er Feindsender abgehört.
Im Prozess vor dem Volksgerichtshof in Berlin wurde Engelbert Steiner wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt. Für einen mitangeklagten Bahnarbeiter aus Übersee endete der Prozess wegen mangels an Beweisen mit Freispruch.

Ein Gnadengesuch für Steiner wurde abgelehnt. Am 8. September 1943 erfolgte die Hinrichtung im Zuchthaus Berlin – Plötzensee.
Zum Schluss seiner Ausführungen stellte Friedbert Mühldorfer noch die Wichtigkeit der Erinnerungsarbeit heraus. Im Jahre 2003 konnte man schon am Kriegerdenkmal eine erste Gedenktafel anbringen. Er sei sehr froh darüber, dass für die neue Gedenktafel, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Übersee und Gemeinderätin Margret Winnichner ein würdiger Platz am Eingang des Bahnhofs gefunden werden konnte.

In der anschließenden Diskussion gingen einige Redner darauf ein, dass nach dem Krieg viele Täter wieder in wichtigen Funktionen der BRD tätig gewesen sind, auch Personen, die an der Verurteilung von Engelbert Steiner mitgewirkt haben.

Die Rolle des damaligen Bürgermeisters Weber wurde ebenfalls kritisiert. Ein Anwesender meinte, es sei nicht angebracht, dass ein Bild von Weber kommentarlos im Rathaus in der Reihe der ehemaligen Bürgermeister hängt. Er schlug vor man sollte zumindest einen Vermerk anbringen, dass Weber nicht demokratisch gewählt war, sondern von den Nationalsozialisten eingesetzt wurde.

Gemeinderätin Margret Winnichner stellte abschließend den Bezug zur heutige Zeit her.
Sie betonte, dass es einer klaren Haltung gegen jegliche Ausgrenzung, Hasskommentaren und Hetze bedürfe. Die demokratische Grundordnung muss gegen Angriffe von Rechtspopulisten sowohl durch den Staat selbst, aber auch durch die Bürgerinnen und Bürger geschützt werden.

(14. November 2019)

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